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The Missing: Der gelbe Schal

The Missing
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© New Pictures Limited/ Company Television Limited 2014, Foto: Liam Daniel – James Nesbitt, Oliver Hunt, Frances O’Connor
Rezension: Staffel 1

Acht Jahre nach dem Verschwinden seines Sohnes Oliver (Oliver Hunt), ist Tony Hughes (James Nesbitt „Jekyll“) immer noch auf der Suche nach ihm. In Rückblenden wird erzählt, wie es dazu gekommen war. 2006, während der Fußballweltmeisterschaft, macht die Familie Urlaub in Châlons du Bois, Frankreich. Oliver verschwindet spurlos aus einem Schwimmbad. Die französische Polizei kümmert sich umgehend und löst einen Entführungsalarm aus.

The Missing

© New Pictures Limited/ Company Television Limited 2014, Foto: Jules Heath – Tcheky Karyo, James Nesbitt

„Schuld ist wie Krebs. Man kann die Symptome bekämpfen, aber nicht die Ursache.“

Die junge Polizistin Laurence Relaud (Émilie Dequenne, „Pakt der Wölfe“) vermittelt sprachlich zwischen der Familie und der Polizei. Wenig später wird Inspector Julien Baptiste (Tchéky Karyo, „In Sachen Liebe“) zu dem Fall hinzugezogen. Ermittelt wird in alle Richtungen. Auch Tony selbst bleibt nicht verschont.

Das Medieninteresse ist im wahrsten Sinne grenzenlos, sowohl länderübergreifend als auch beim Übertreten von Anstand und Moral. So liefert der Lokalreporter Malik Suri (Arsher Ali, „Arthur & George“) den Inbegriff eines selbstherrlichen Schreiberlings, dem jedes Mittel recht ist, eine Sensationstory abzugreifen. Seine phrasenhaften Rechtfertigungen lassen Suri erschreckenderweise unsympathischer erscheinen als so manchen Kriminellen.

Malik Suri: „[…] Es wäre möglich, dass der schlimmste Tag im Leben dieser Leute zum besten Tag in meinem wird. Newtons Gesetz der Bewegung. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Und das ist nicht fair, aber so ist das Leben.“

The Missing

© Company Television Productions and New Pictures 2014, Foto: Jules Heath – Arsher Ali

Baptiste: „Sie sollten wissen, seit Sie wieder hier sind… die Leute reden.“
Tony: „Na und? Nach allem, was über mich geschrieben wurde…“
Baptiste: „Ich meine, Sie sollten wissen, wie unangenehm das ist für die Menschen.“
Tony: „Genau. Das Verschwinden meines Sohnes war wirklich eine Zumutung für sie.“
Baptiste: „Für die, die hier leben…“
Tony: „… geht das Leben weiter.“
Baptiste: „In gewisser Weise, ja. Für uns alle.“

Für Tony geht das Leben definitiv nicht weiter, denn er gibt sich selbst die Schuld. Seine Frau Emily (Frances O’Connor, „Mr Selfridge“), mittlerweile Exfrau, ist im Begriff wieder zu heiraten und sich ein neues Leben aufzubauen. Ihr Verlobter Mark Walsh (Jason Flemyng, „Bube Dame König grAS“) fungierte als britischer Verbindungsoffizier während der Ermittlungen. Doch auch Emily kann den Verlust ihres Kindes nicht wirklich verarbeiten.

The Missing

© Company Television Productions and New Pictures 2014, Foto: Jules Heath – Jason Flemyng

Als Tony ihr mitteilt, dass er eine neue Spur gefunden hat, scheint es wieder Hoffnung zu geben. Auch Julian Baptiste, der inzwischen pensioniert ist, lässt sich darauf ein und unterstützt den verzweifelten Vater bei seiner Suche…

Die Geschichte erinnert an den realen Vermisstenfall der kleinen Madeleine McCann, die im Jahr 2007 aus einer Ferienwohnung in Portugal verschwand. Er löste über Monate ein weltweites Medienspektakel aus und wurde bis heute, trotz nochmaliger Wiederaufnahme, nicht aufgeklärt.

The Missing

© Company Television Productions and New Pictures 2014, Foto: Robert Viglasky – Tcheky Karyo

Im Fazit ist THE MISSING eine sehr komplex erzählte Kriminalgeschichte, versetzt mit interessanten Nebenschauplätzen und spannenden Episodenfinalen, die immer wieder neue Fragen aufwerfen. Die Darsteller liefern bis in die kleinsten Rollen leidenschaftliche und authentische Leistungen. Tom Shanklands („Ripper Street“, „Dirk Gently“) Inszenierung ist temporeich und gefällig. Das Erzählen der Geschichte mittels zweier Zeitebenen bietet zusätzlich eine gewisse Dynamik und lässt dem Zuschauer Spielraum für Spekulationen.

In Nebenrollen sind u.a. Anastasia Hille („The Fear“), Saïd Taghmaoui („Touch“), Ken Stott („Messiah“, „Der Hobbit“), Diana Quick („Houdini and Doyle“) und Anamaria Marinca („Mars“) zu sehen.

The Missing

© Company Television Productions and New Pictures 2014, Foto: Jules Heath – James Nesbitt, Frances O’Connor

Für einen kleinen Eklat hierzulande sorgte das ZDF, als man sich kurzfristig dazu entschied, ausgerechnet das Finale der Staffel nicht im Abendprogramm zu zeigen, sondern erst zu nachtschlafender Zeit zu versenden.

Man entschuldigte sich, indem man die letzte Episode wenige Tage später noch einmal ins Programm von ZDFneo brachte. Dort wird diese Staffel im Übrigen noch einmal wiederholt. Termine stehen aktuell aber noch nicht fest. Es ist davon auszugehen, dass die Episoden bei dieser Wiederholung ungeschnitten gezeigt werden.

The Missing

© New Pictures Limited/ Company Television Limited 2014, Foto: Jules Heath – James Nesbitt

Das Label Pandastorm veröffentlichte die erste Staffel am 21.04.2017 auf DVD und Blu-ray mit Wendecover und einigen Extras. Dieses Bonusmaterial ist allerdings dürftig. Im Prinzip wurde hier eine Art Making of auseinander geschnitten und verteilt. Die Kommentare sind immer nur wenige Minuten lang, sodass man letztlich gerade mal auf knapp achtzehn Minuten kommt.

DVD Ausstattung
The Missing

Coverfoto: Pandastorm Pictures

Format: PAL
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Bildformat: 1,78:1 / 16:9
Audio: Dolby Digital 5.1
Anzahl der Disks: 3
Altersfreigabe: 16
Laufzeit: ca. 472 Min. (8 x ca. 59 Min.) + Bonus (ca. 18 Min.)
Extras: Episodenkommentare mit deutschen UT, Mini-Booklet mit Episodenguide
Verpackung: Softbox mit Wendecover
Label: Pandastorm

Episoden – Disc 1
  • 1.01 Eden (59:07 Min.)
  • 1.02 Bete für mich (59:09 Min.)
  • 1.03 Die Versammlung (59:17 Min.)
  • Inside the World of „The Missing“ – Teil 1 – 3 (4:19 Min., Kommentare von den Autoren/Produzenten Jack und Harry Williams, Regisseur Tom Shankland und James Nesbitt)
Episoden – Disc 2
  • 1.04 Schuld (59: 17 Min.)
  • 1.05 Molly (59:16 Min.)
  • 1.06 Beton (59:16 Min.)
  • Inside the World of „The Missing“ – Teil 4 – 6 (5:28 Min., Kommentare von Jack und Harry Williams)
Episoden – Disc 3
  • 1.07 Rückkehr nach Eden (59:14 Min.)
  • 1.08 Bis dass der Tod (59:20 Min.)
  • Inside the World of „The Missing“ – Teil 7 – 8 (3:26 Min., Kommentare von Jack und Harry Williams)
  • The Missing – Die neue Serie (2:33 Min., Kommentare von Produzentin Willow Grylls, Frances O’Connor, James Nesbitt, Tom Shankland, Jack und Harry Williams)
  • Die Zeit verändert alles (2:02 Min., Kommentare von Willow Grylls, Frances O’Connor, James Nesbitt, Tom Shankland, Jack und Harry Williams)

1 Kommentare

  1. Sharkmouse68 sagt

    Erst einmal vielen Dank für diese treffende Rezension!… Dieser britischer Mehrteiler ging mir sehr unter die Haut!

    Was den angesprochenen Fauxpas des ZDF in Bezug auf den Sendeplatz von Teil 4 (Finale Episode) angeht, so finde ich persönlich es viel ärgerlicher, dass das ZDF sich schon zum wiederholten Male erdreisstet in seinem ‚Haupt-Sender‘ (ZDF) bei der TV PREMIERE (FreeTV), ledglich eine geschnittene Fassung eines TV-Mehrteilers zu präsentieren um dann späteren Datums auf seinem, üblicherweise nur mit Receiver ‚im TV‘ zu empfangen Sender ZDFneo, dann wiederum die ungekürzte Version auszustrahlen! Was soll das bitte?… Aber DAS scheint merkwürdigerweise für viele oder die meisten TV Zuschauer kein Problem zu sein? … Naja… so unterschiedlich sind eben Ansichten über ‚vernünftiges‘ Fernsehen. *DankefürsLesen*

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