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H. G. Wells‘ Invisible Man: Der Unsichtbare

H. G. Wells‘ Invisible Man
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© 1959 ITP Co. Ltd. Production, 2015 Studio Hamburg Enterprises GmbH
Rezension: komplette Serie

Herbert George Wells, besser bekannt als H. G. Wells, war ein Vorreiter der Science Fiction Literatur. Der englische Schriftsteller verfasste unzählige Romane, Erzählungen und Sachbücher. Weltbekannt wurden u.a. „Die Zeitmaschine“, „Krieg der Welten“, „Die Insel des Dr. Moreau“ und nicht zuletzt „Der Unsichtbare“.

Selbstverständlich wurden diese Werke verfilmt und das nicht nur einmal. 1958 adaptierte das britische Fernsehen die Geschichte um den Unsichtbaren für eine TV Serie. Zunächst produzierte man eine Pilotepisode, die ein Jahr später stark abgewandelt die Serie eröffnete. Fünfundzwanzig weitere Episoden sollten folgen.

Sir Charles: „Wir müssen den Mann finden. Aber wie suche ich jemanden, der unsichtbar ist?“

Die Serie „H. G. Wells‘ Invisible Man“ zu titeln, ist etwas unglücklich gewählt. Natürlich basiert sie auf dem Roman. Die eigentliche Aussage wurde jedoch ins Gegenteil verkehrt. Während H. G. Wells‘ Protagonist durch seine Unsichtbarkeit seine Moral verliert, wird der Unsichtbare in der Serie zum Held. Er weigert sich genau das zu tun, was die literarische Figur macht. Er nutzt seinen Zustand nicht, um kriminell zu sein, sondern um Kriminalität zu bekämpfen.

H. G. Wells‘ Invisible Man

© 1959 ITP Co. Ltd. Production, 2015 Studio Hamburg Enterprises GmbH

In der veränderten Pilotepisode wird diese Umsetzung anhand der Figur von Dr. John Crompton (Michael Goodliffe) deutlich, wenn dieser vergeblich versucht, den unsichtbaren Dr. Peter Brady dazu zu bewegen, seinen Zustand auszunutzen, um sich selbst zu bereichern. Für eine Serie macht diese Herangehensweise Sinn, denn das Publikum muss den Protagonisten mögen, um Woche für Woche wieder einzuschalten.

Produzent Ralph Smart („Geheimauftrag für John Drake“ aka „Danger Man“) verwandelte Peter Brady in einen perfekten Spion. Brady hilft nicht nur dabei, den üblichen kriminellen Abschaum hinter Gitter zu bringen oder für Gerechtigkeit zu sorgen. Er ist auch immer wieder als Agent tätig. Hierbei wird der Kalte Krieg ebenso thematisiert wie Komplikationen im Nahen Osten.

Peter Brady: „Ich bin jetzt leider ein Staatsgeheimnis.“

Bradys wissenschaftliche Tätigkeit und sein Versuch, sich wieder sichtbar zu machen, fließen zwar hin und wieder in die Fälle mit ein, sind aber letztlich zweitrangig. Was die Serie von der literarischen Vorlage und auch etlichen anderen Verfilmungen außerdem unterscheidet, ist der Umgang mit der Unsichtbarkeit. Er beinhaltet keine tragische Komponente.

Peter Brady wird weder psychisch labil noch sonderlich aggressiv. Er nutzt seinen Zustand wie ein besonderes Talent. Und nicht nur er, sondern auch seine Schwester Diane (Lisa Daniely, „Doctor Who“) und seine Nichte Sally (Deborah Watling, „Doctor Who“) haben keinerlei Probleme damit.

H. G. Wells‘ Invisible Man

© 1959 ITP Co. Ltd. Production, 2015 Studio Hamburg Enterprises GmbH – Lisa Daniely

Diane: „Was für ein wunderbarer Tag. Verbrenn‘ dir bloß nicht wieder die Schultern.“
Brady: „Es ist merkwürdig, dass ich wieder gegen ultraviolette Strahlung empfindlich geworden bin. Vielleicht liegt es am Pigmentmangel.“

Natürlich muss man die Serie als ein Produkt ihrer Zeit betrachten. Und das reduziert sich nicht nur auf das schwarz/weiß Bild. Es gibt weder komplexe Handlungsstränge, noch tiefgründige Dialoge. Und ein realistisches Abbild sozialer oder politischer Verhältnisse schon mal gar nicht. Der Begriff „Logiklöcher“ war nicht existent. Die Uniformen des politischen Gegners waren fantasievoll und das Make-up bisweilen grenzwertig.

Dennoch oder gerade deswegen haben die kurzweiligen und actiongeladenen Abenteuer ihren ganz eigenen Charme. Unterhaltung, die nicht mehr sein wollte. Stereotype Charaktere, einfach gestrickte Geschichten, trockener Humor und klassische, aber überzeugende Spezialeffekte. Dazu zählen natürlich die Szene, in der der Unsichtbare seine Bandagen abnimmt, Türen, die sich von alleine öffnen und schließen, führerlose Kraftfahrzeuge, „fliegende“ Gegenstände und Zwei-Mann-Kämpfe mit nur einem Darsteller.

H. G. Wells‘ Invisible Man

© 1959 ITP Co. Ltd. Production, 2015 Studio Hamburg Enterprises GmbH

Kemp: „Wir sehen uns dann morgen.“
Brady: „Nein, Chef.“
Kemp: „Aber ich dachte…“
Brady: „Ich werde da sein, aber Sie werden mich nicht sehen.“

Am Rande sollte erwähnt werden, dass der Charakter des unsichtbaren Dr. Peter Brady von fünf verschiedenen Schauspielern dargestellt wurde und dass das Gesicht des Unsichtbaren tatsächlich nie zu sehen war. Für den attraktiven Tim Turner („Der Boß war schneller als Scotland Yard“), der den Charakter in zweiundzwanzig Episoden darstellte, war das sicher eine etwas bittere Pille.

Vielleicht durfte er deswegen in einer der Episoden auch einen Bösewicht spielen, der dem Unsichtbaren (quasi sich selbst) das Leben schwer macht. Aus rein sportlichen Gründen verraten wir natürlich nicht, um welche Folge es sich handelt.

H. G. Wells‘ Invisible Man

© 1959 ITP Co. Ltd. Production, 2015 Studio Hamburg Enterprises GmbH – Barbara Chilcott (rechts)

Kaum zwei Jahre später startete im Fernsehen die kultige Agentenserie „Mit Schirm, Charme und Melone“, die an Skurrilität noch eins drauf setzte. Und wer schon dem Charme der Melone erlag, der wird auch mit „H. G. Wells‘ Invisible Man“ seine Freude haben.

Brady: „Keine Angst. Ich bin’s. Der Unsichtbare.“

Am 29.05.2015 veröffentlichte Studio Hamburg die komplette Serie auf DVD mit der zuvor nie ausgestrahlten Pilotepisode aus dem Jahr 1958 als Bonus. Für eine Serie, die schon weit über fünfzig Jahre auf dem Buckel hat, sind Bild und Ton recht gut. Untertitel gibt es hier lediglich beim Bonusmaterial. Jedoch kann man sich die Serie in der deutschen Synchronisation und im englischen Original ansehen.

DVD Ausstattung
H. G. Wells‘ Invisible Man - DVD Cover

Coverfoto: Studio Hamburg

Format: PAL
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 4:3
Audio: DD 2.0 mono
Anzahl der Disks: 4
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 650 Min. (26 x ca. 25 Min.) + Bonus (ca. 25 Min.)
Extras: nicht ausgestrahlte Pilotepisode
Verpackung: Softbox, kein Wendecover
Label: Studio Hamburg

Episoden – Disc 1
  • 01 Geheimes Experiment – Secret Experiment (24:58 Min.)
  • 02 Zwischenfall in der Wüste – Crisis in the Desert (24:59 Min.)
  • 03 Hinter der Maske – Behind the Mask (24:55 Min.)
  • 04 Das verschlossene Zimmer – The Locked Room (24:56 Min.)
  • 05 Picknick mit dem Tod – Picnic with Death (24:44 Min.)
  • 06 Tödliches Schauspiel – Play to Kill (24:49 Min.)
  • 07 Schatten im Radar – Shadow on the Screen (24:49 Min.)
  • Trailershow (6:31 Min.)
Episoden – Disc 2
  • 08 Der Nerzmantel – The Mink Coat (24:52 Min.)
  • 09 Blinde Gerechtigkeit – Blind Justice (24:47 Min.)
  • 10 Ausbruch – Jailbreak (24:58 Min.)
  • 11 Bankraub – Bank Raid (24:52 Min.)
  • 12 Geringe Überlebenschancen – Odds Against Death (24:48 Min.)
  • 13 Unheimliche Partner – Strange Partners (24:51 Min.)
Episoden – Disc 3
  • 14 Sabotage – Point of Destruction (24:58 Min.)
  • 15 Todeszelle – Death Cell (24:33 Min.)
  • 16 Ohne Beweise – The Vanishing Evidence (24:21 Min.)
  • 17 Der Preis – The Prize (24:55 Min.)
  • 18 Flug in die Dunkelheit – Flight into Darkness (24:49 Min.)
  • 19 Der Köder – The Decoy (24:53 Min.)
  • 20 Die Waffenschmuggler – The Gun Runners (24:47 Min.)
Episoden + Bonus – Disc 4
  • 21 Das weiße Kaninchen – The White Rabbit (24:49 Min.)
  • 22 Der verkleidete Mann – Man in Disguise (24:48 Min.)
  • 23 Kampf um die Macht – Man in Power (24:53 Min.)
  • 24 Die Rakete – The Rocket (24:52 Min.)
  • 25 Die Schattenbombe – Shadow Bomb (24:53 Min.)
  • 26 Der große Knall – The Big Plot (24:51 Min.)
  • Bonus: The Invisible Man, nicht ausgestrahlte Pilotfolge aus dem Jahr 1958 (25:33 Min., Original mit deutschen UT)

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