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Miss Fishers mysteriöse Mordfälle: Let’s misbehave!

Miss Fisher
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© 2012 Every Cloud Productions, polyband – Essie Davis
Rezension: Staffel 1

In den 1920er Jahren stand der englische Begriff flapper für eine neue Art von Frau. Sie war immer modisch gekleidet, selbstbewusst und scherte sich kaum um Konventionen. Sie saß wortwörtlich und im übertragenen Sinne am Steuer, trank Alkohol und hatte Spaß an Sex.

Miss Phryne Fisher (Essie Davis, „The Slap“, „Matrix Reloaded“) ist definitiv ein flapper girl. In Australien geboren und aufgewachsen, lebte sie später in Großbritannien und war während des  Ersten Weltkrieges als Lazarettschwester tätig. Nun, 1928, kehrt sie zurück nach Melbourne – im Gepäck ein Adelstitel, jede Menge geerbtes Geld und eine lang zurückliegende Familientragödie.

Tante Prudence: „Mir ist klar, dass du nicht aus reichem Hause stammst. Wenigstens kam deine Mutter aus guter Familie. Nur schade, dass sie mit deinem Vater durchgebrannt ist.“
Phryne: „Dann war es ja Glück, dass der Krieg seine adligen Cousins dahingerafft hat.“

Miss Fisher

© 2012 Every Cloud Productions, polyband – vlnr.: Nathan Page, Hugo Johnstone-Burt, Ashleigh Cummings, Essie Davis

Als sie noch ein Kind war, ist ihre jüngere Schwester Janey spurlos verschwunden. Dafür verantwortlich gemacht wurde Murdoch Foyle (Nicholas Bell, „Don’t Be Afraid of the Dark“), der in Melbourne im Gefängnis sitzt. Doch bis Miss Fisher ihre eigene tragische Vergangenheit aufarbeiten kann, klärt sie als Privatdetektivin die Fälle ihrer Klienten auf.

In ihren ersten Kriminalfall stolpert sie mehr oder weniger hinein und macht dabei die Bekanntschaft mit dem zuständigen Detective Inspector John ‚Jack‘ Robinson (Nathan Page, „Underbelly – Krieg der Unterwelt“). Der hat fortan damit zu kämpfen, Miss Fisher von Tatorten fern- und von riskanten Unternehmungen abzuhalten. Selbstverständlich bietet dieses explosive Miteinander eine großartige Grundlage für erotische Spannungen zwischen dem Polizisten und der Dame von Welt.

Symptomatisch dafür steht besonders eine Szene, wenn Robinson seinem Constable Hugh Collins (Hugo Johnstone-Burt, „Home and Away“) eindringlich erklärt, man müsse Miss Fisher klarmachen, wer hier die Hosen anhat. In der nächsten Einstellung sieht man Phryne in Hosen bekleidet eine Treppe hinunter kommen und den beiden Gesetzeshütern bleibt nur ein ungläubiger Blick.

Phryne: „Wenn irgendwo im Wald ein Baum umfällt…“
Jack: „… ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie ganz in der Nähe noch Ihre Axt schwingen.“

Miss Fisher

© 2012 Every Cloud Productions, polyband – Nathan Page, Essie Davis

Um den Verbrechern auf die Spur zu kommen, braucht die Heldin natürlich ein paar Side Kicks. Und die sind hier nicht nur hilfreich, sondern auch extrem sympathisch. Als Dorothy ‚Dot‘ Williams‘ (Ashleigh Cummings, „Gallipoli“) Dienste aus offensichtlichen Gründen nicht mehr benötigt werden, stellt Miss Fisher sie kurzerhand als Gesellschafterin ein. Schon bald findet die schüchterne Katholikin Gefallen an Phrynes unkonventionellem Lebensstil und lässt sich freiwillig auf Undercover-Aktionen ein.

Dorothy: „Miss. Wegen der Anstellung. Ich weiß nicht, was mein Priester dazu sagen wird. Schusswaffen und Messer und … die Tanzerei.“
Phryne: „Da du zuletzt bei einer Drogenbaronin und einem Vergewaltiger tätig warst, bin ich wohl eine leichte Verbesserung.“

Der verwitwete Mister Tobias Butler (Richard Bligh) ist ein Juwel. Ganz seinem Familiennamen entsprechend, ist er in der Fisher Residenz als Butler tätig. Die Tatsache, dass es sich bei der Hausherrin nicht um eine „ehrenwerte Dame“ handelt, „die strenge Routine und ein ruhiges Leben schätzt“, trägt er mit Fassung. Mehr noch – Mister Butler fühlt sich sichtlich wohl in diesem turbulenten, liberalen und doch sehr harmonischen Haushalt.

Auch die beiden Taxifahrer Bert (Travis McMahon, „Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit“) und Cec (Anthony Sharpe) können sich über Miss Fishers Großzügigkeit nicht beklagen. Da nehmen sie gerne mal die eine oder andere gefährliche Situation in Kauf.

Bert: „Kann ich sonst noch was für Sie tun?“
Phryne: „Sie könnten Hilfe holen. Das hier könnte gleich noch spannend werden.“
Bert: „Ich dachte, das wär’s schon.“

Miss Fisher

© 2012 Every Cloud Productions, polyband – Hugo Johnstone-Burt, Ashleigh Cummings

Und die medizinischen Kenntnisse von Phrynes langjähriger Freundin Dr. MacMillan (Tammy Macintosh, „Farscape“) sind immer dann gefragt, wenn ein Gift als Mordwaffe infrage kommen könnte.

MacMillan: „Hm. Sieht wie Nervenpulver aus. Wird meistens Frauen verschrieben, dem hysterischen Geschlecht. Gegen Erschöpfung, Nervenzusammenbrüche, wandernde Gebärmutter.“
Phryne: „Wieso in aller Welt sollte eine Gebärmutter wandern?“
MacMillan: „Laut Hippokrates verursacht durch unnatürliches Verhalten, wie Enthaltsamkeit.“
Phryne: „Ah, gut, dann geht meine nirgendwohin.“

So unstet und abenteuerlich Miss Phryne Fishers Leben auch ist. Es hält sie nicht davon ab, einem jungen Mädchen zu helfen, das in kriminelle Kreise geraten war. Wenngleich Phryne davon ausging, nicht der mütterliche Typ zu sein, bietet sie Jane (Ruby Rees Wemyss) ein neues Zuhause, eine Schulausbildung und eine aufgeklärte Erziehung.

In Gast- und Nebenrollen sind u.a. Miriam Margolyes („Harry Potter“) als Phrynes Tante Prudence, Peter O’Brien („Nachbarn“) und Aaron Jeffery („McLeods Töchter“) dabei.

Miss Fisher

© 2012 Every Cloud Productions, polyband – Miriam Margolyes

Jack: „Sie sollten die Situation ernst nehmen.“
Phryne: „Ich habe seit 1918 keine Situation ernst genommen.“

Die Serie basiert auf der Romanreihe PHRYNE FISHER MYSTERIES der australischen Autorin Kerry Greenwood, die sich schwer damit tat, die Abenteuer ihrer Heldin verfilmen zu lassen.

Erst die beiden Produzentinnen Deborah Cox und Fiona Eagger konnten sie davon überzeugen, indem sie nicht nur auf ein akkurates Zeitkolorit des Jahres 1928 achteten, sondern ihr auch ein Mitspracherecht einräumten. So konnte Greenwood die Drehbücher lesen und auch beim Casting dabei sein.

Miss Fisher

© 2012 Every Cloud Productions, polyband – Nathan Page

Während sich bei Miss Phryne Fisher der Vergleich mit einer jüngeren Variante von Miss Marple aufdrängt, sieht die Buchautorin ihre Titelheldin eher als weiblichen James Bond. Und das kommt nicht von ungefähr – nimmt man den Spionage-Aspekt mal beiseite.

Miss Fisher ist nicht nur clever und wehrhaft. Sie besitzt auch einen Pilotenschein, kann mit Waffen umgehen und fährt ihren Hispano-Suiza mit halsbrecherischer Schnelligkeit. Zudem hat Phryne ein abwechslungsreiches Liebeslieben, während ihr männlicher Ko-Akteur Jack Robinson ein äußerst sittsames Leben führt.

Jack: „Wenn das Abteil abgeschlossen war, wie sind Sie reingekommen?“
Phryne: „Ich schlug mit dem Schuh auf das Schloss.“
Jack: „Anscheinend besitzt Ihr Schuh die Fähigkeiten eines Revolvers Kaliber achtunddreißig.“
Phryne: „Ist das so?“

Miss Fisher

© 2012 Every Cloud Productions, polyband – Philippe Day, Essie Davis

Wer seine Sonntagnachmittage am liebsten bei Kaffee und Kuchen vor dem Fernseher verbringt, wird mit dieser launigen Krimiserie bestens unterhalten. Sympathische Charaktere, amüsante Dialoge und das Flair der 1920er Jahre sorgen für gemütliche Stunden im Pantoffelkino.

Die goldenen Zwanziger bieten natürlich auch einen wundervollen Soundtrack mit Songs wie „Makin‘ Whoopee“, „Let’s Do It (Let’s Fall In Love)“, „Positively Absolutely“ oder auch unseren titelgebenden „Let’s Misbehave“ von Cole Porter – um nur einige zu nennen. Zu den ersten beiden Staffeln gibt es auch die entsprechenden CDs (u.a. als Import über Amazon.de). Dafür muss man allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen.

In Deutschland wurde bislang nur die erste Staffel vom Pay TV Sender Sony Entertainment Television ausgestrahlt und sporadisch wiederholt. In Australien beginnt man im Mai dieses Jahres mit der Sendung der dritten Staffel.

Miss Fisher

© 2012 Every Cloud Productions, polyband – Essie Davis

Phryne: „… Inspektor Robinson.“
Jack: „Sagen Sie doch einfach Jack. Tun alle anderen auch.“
Phryne: „Sehr gerne, Jack. Nennen Sie mich doch Phryne, wenngleich das fast niemand tut.“

polyband veröffentlichte die erste Staffel am 24.04.2015 in einer schön gestalteten Box mit einem Booklet. Hier finden sich jede Menge Fotos, Informationen zur Entstehung der Serie, Beschreibungen zu den wichtigsten Charakteren und ein kleiner Episoden-Guide zur ersten Staffel. Die Sprachen sowie Untertitel gibt es auf Deutsch und Englisch.

Das zirka fünfundvierzigminütige Bonusmaterial umfasst u.a. ein Making of, Interviews mit Kerry Greenwood und den beiden Produzentinnen Deborah Cox und Fiona Eagger sowie den Hauptdarstellern Essie Davis, Nathan Page, Hugo Johnstone-Burt und Ashleigh Cummings. Der FSK Button ist nur auf dem Digipak aufgedruckt, nicht aber auf dem Schuber.

DVD Ausstattung
Miss Fishers mysteriöse Mordfälle - Staffel 1 - DVD Cover

Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 – 1.78:1
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 5
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 728 Min. (13 x ca. 56 Min.) + Bonus (ca. 45 Min.)
Extras: Blick hinter die Kulissen, Interviews, Making-of etc.
Verpackung: Digipak im Schuber mit Booklet
Label: polyband

Episoden – Disc 1
  • Willkommen in Melbourne (56:57 Min.)
  • Mord im Ballarat-Express (54:36 Min.)
  • Mord auf dem Tanzparkett (55:28 Min.)
Episoden – Disc 2
  • Tod im Hafen (56:29 Min.)
  • Tod durch Gift (55:49 Min.)
  • Mord im Theater (55:06 Min.)
Episoden – Disc 3
  • Mord im Montparnasse (53:32 Min.)
  • Tod einer Autorin (54:54 Min.)
  • Tod am Strand (52:21 Min.)
Episoden – Disc 4
  • Tod durch Unfall (52:25 Min.)
  • Mord in der Manege (53:58 Min.)
Episoden + Bonus – Disc 5
  • Mord im Dunkeln (53:31 Min.)
  • Der Fluch von König Memses (52:47 Min.)
  • Bonus (mit englischen und deutschen UT)
    Der Look von „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ (26:48 Min.)
    Triff die Schöpfer (04:47 Min.)
    Die Fahrzeuge der Serie (02:06 Min.)
    Die Lokomotivenexperten (01:29 Min.)
    Die Darsteller (08:35 Min.)
  • Werbe-Trailer zu „Poirot“, „Im Auge des Sturms“, „Grand Hotel“, „Bevor der Winter kommt“, „Copper“ und „Mordkommission Istanbul“

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