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Poirot: Merci et au revoir

Agatha Christie's Poirot
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© ITV 2012, „Curtain“ – David Suchet
Rezension: Collection 12

Im September 2014 wurde der Kriminalroman „The Monogram Murders“ in den Handel gebracht. Das ist an sich nichts Weltbewegendes. In diesem Fall handelt es sich allerdings um einen Poirot Roman. Nach neununddreißig Jahren ist er wieder auferstanden. Mit dem Segen der Erben und angeregt durch Agatha Christies Verleger HarperCollins, schrieb die britische Schriftstellerin Sophie Hannah ein neues Abenteuer für den brillanten Belgier. Wer hat da gerade „Sakrileg!“ gerufen?

Natürlich kann man darüber streiten, ob die Wiederbelebung einer der berühmtesten Kriminalromancharaktere sinnvoll ist. Wenngleich einige Kritiker den neuen Roman durchaus wohlwollend rezensierten und Sophie Hannah gar einen professionelleren Schreibstil unterstellen als der Grand Dame der Kriminalliteratur. Und obschon Hannahs eigene Arbeiten „The Point of Rescue“ und „The Other Half Lives“ in der Serie „Case Sensitive“  verfilmt wurden, bleibt es letztlich eine Frage des Geschmacks.

Agatha Christie's Poirot

© ITV 2012, Foto: Patrick Redmond – „Elephants Can Remember“ – David Suchet, Zoe Wanamaker

Im Falle der zahlreichen Verfilmungen ist das sicher nicht anders. Dennoch kann man mit Fug und Recht sagen, dass AGATHA CHRISTIE’S POIROT nicht nur die vollständigste, sondern auch die liebevollste filmische Adaption der Poirot Geschichten von Agatha Christie ist.

Zu verdanken hat man das in erster Linie dem Hauptdarsteller David Suchet („Bank Job“), der den Detektiv mit detailversessener Hingabe interpretiert. Zur Vorbereitung auf diese Rolle las Suchet jeden Poirot Roman und notierte sich alles, was er zum Habitus des belgischen Detektivs darin finden konnte. 25 Jahre lang spielte und lebte er diese Figur, die ihm so sehr ans Herz gewachsen war, dass ihm das Loslassen schwer fiel.

„Er ist mein unsichtbarer engster und bester Freund.“David Suchet

Agatha Christie's Poirot

© ITV 2012, Foto: Patrick Redmond – „Elephants Can Remember“ – Zoe Wanamaker, David Suchet, Greta Scacchi

ELEFANTEN VERGESSEN NICHT, stellt Ariadne Oliver (Zoë Wanamaker, „My Family“) fest, die gerade als Kriminalschriftstellerin des Jahres geehrt wurde. Gleich von zwei Personen wird sie darum gebeten, den augenscheinlichen Doppelselbstmord des Ehepaares Ravencroft aufzuklären. In jungen Jahren war sie mit Margaret Ravencroft (Annabel Mullion, „Law & Order: UK“) gut befreundet, weshalb sie zur Patentante der Tochter Celia Ravenscroft (Vanessa Kirby, „The Hour“) bestimmt wurde.

Poirot interessiert sich herzlich wenig für Ariadnes Problem, denn er ermittelt gerade selbst in einem Fall. Ein angesehener Psychiater wurde ermordet. Das Interesse des Belgiers wird jedoch geweckt, als sich herausstellt, dass beide Fälle zusammenhängen.

Ariadne Oliver: „Und irgendjemand wird sich an was erinnern.“
Poirot: „Oui. Es erinnert sich immer jemand.“
Ariadne Oliver: „Sie meinen Elefanten. Tut mir leid. Beim Dinner gestern Abend musste ich an Elefanten denken.“
Poirot: „Ich frage nur ungern, aber wieso?“
Ariadne Oliver: „Mir klebte Meringe an den Zähnen.“
Poirot: „Verstehe. Der logische Zusammenhang wird sich sicher irgendwo verbergen.“
Ariadne Oliver: „Meringe. Dritte Zähne. Elfenbein. Elefanten. Elefanten vergessen nicht. Die Elefanten muss ich finden.“

In Gastrollen überzeugen u.a. Greta Scacchi („Salz auf unserer Haut“) als impertinente Mrs. Burton-Cox, Iain Glen („Jack Taylor“) als Dr. Willoughby und Vincent Regan („Strike Back“) als Detective Inspector Beale.

Agatha Christie's Poirot

© ITV 2012, „The Big Four“ – Pauline Moran, Philip Jackson, David Suchet, Hugh Fraser

Wer sind DIE GROSSEN VIER? Diese Frage stellt sich in diesem Fall immer wieder. Freunde und Weggefährten, unter ihnen Assistant Commissioner Japp (Philip Jackson, „Brassed Off“) und Captain Hastings (Hugh Fraser, „Die Scharfschützen“) werden über Poirots Ableben informiert und zur Beerdigung geladen. Man ist verständlicherweise aufgewühlt. Doch ist der Belgier tatsächlich tot? Vier Wochen zuvor ermittelte der Detektiv im Falle des Todes eines russischen Schachgroßmeisters. Einige Mord- und Vermisstenfälle später tappt er in eine Falle.

Japp: „Und Diana Paynter. Sie war dreißig Jahre mit ihm verheiratet. Hat den Rauch in ihrem eigenen Schlafzimmer gerochen.“
Poirot: „Alors. Madame Paynter schläft nicht im selben chambre wie ihr Mann?“
Japp: „Haben Sie nicht zugehört, Poirot? Dreißig Jahre. Ehrlichgesagt würde sich Mrs. Japp um so ein Arrangement bemühen, wenn wir den Platz hätten.“

Gewürzt wird diese Geschichte mit Gastauftritten von Tom Brooke („Radio Rock Revolution“) als lästiger Reporter Tysoe, Patricia Hodge („Miranda“) als französische Wissenschaftlerin Madame Olivier und Sarah Parish („Mistresses“) als Theaterschauspielerin Flossie Monro. Einmal mehr beteiligte sich hier Mark Gatiss („Sherlock“) am Drehbuch.

Agatha Christie's Poirot

© ITV 2013, „Dead Man’s Folly“ – Sean Pertwee, Martin Jarvis, Rosalind Ayres, Sinéad Cusack, Stephanie Leonidas, Rebecca Front, James Anderson, Daniel Weyman, Emma Hamilton, David Suchet, Zoe Wanamaker

Ein WIEDERSEHEN MIT MRS. OLIVER beschert Poirot einen neuen und sehr seltsamen Fall. Mit einem Telegramm bittet die Autorin den Detektiv einmal mehr um Hilfe. Auf dem Anwesen von Sir George Stubbs (Sean Pertwee, „Gotham“) soll es während eines Festes eine fiktionale Mörderjagd geben, die sich Ariadne ausdenken soll. Sie ist jedoch felsenfest davon überzeugt, dass tatsächlich jemand sterben wird. Nach kurzer Zeit stellt auch Poirot fest, dass sich einige der Gäste äußerst merkwürdig benehmen. Dann bestätigt sich Ariadnes Vorahnung und Hattie Stubbs (Stephanie Leonidas, „Defiance“), die Dame des Hauses, verschwindet spurlos.

Poirot: „Mir scheint, Lady Stubbs ist nicht ganz normal. Und Alec Legge ist abnorm.“
Ariadne Oliver: „Oh, der ist in Ordnung. Der hatte nur einen Nervenzusammenbruch.“
Poirot: „Alle scheinen mir sehr aufgeregt zu sein. Was, wie ich glaube, in England charakteristisch für die Vorbereitung eines Festes ist.“

Mit dabei sind u.a. Sinéad Cusack („North & South“) als Mrs. Folliat, Rebecca Front („Lewis“) als Miss Brewis und Martin Jarvis („Taking the Flak“) als Captain Warburton.

Agatha Christie's Poirot

© ITV 2013, „The Labours of Hercules“ – David Suchet

DIE ARBEITEN DES HERKULES – eine Gemäldereihe – und Juwelen sind die bevorzugte Beute des Diebes und Mörders Marrascaud. Um ihn zu fangen, wird eine junge Frau als Lockvogel eingesetzt. Poirot, der zunächst dagegen war, fügt sich. Doch der Einsatz endet tragisch. Zwei Polizisten und die Frau werden getötet und der Detektiv plagt sich drei Monate später immer noch mit Gewissensbissen.

Als er vom Liebeskummer seines Chauffeurs Ted Williams (Tom Austen, „Grantchester“) erfährt, findet er eine neue Aufgabe. Poirot verspricht Ted, dessen Geliebte zu suchen, die für die Ballerina Katrina Samoushenka (Fiona O’Shaughnessy, „Utopia“) als Dienstmädchen arbeitet. Ted weiß nur, dass sie mit ihrer Arbeitgeberin ins Hotel Olympos in die Schweiz gereist war. Wie der Zufall es will, hat es Marrascaud laut der Polizei ebenfalls dorthin verschlagen. Der Detektiv erhält eine zweite Chance.

Dr. Lutz: „Darf ich etwas fragen? Warum sprechen Sie von sich ohne Unterlass in der dritten Person? Das ist äußerst irritierend.“
Poirot: „Nun, Doktor Lutz, es hilft Poirot, gesunden Abstand zu seiner Genialität zu wahren.“

Unter den Hotelgästen befinden sich Rupert Evans („Fleming“) als Harold Waring, Tom Wlaschiha („Crossing Lines“), Orla Brady („Mistresses“) als Gräfin Rossakoff, Morven Christie („Hunted“) als Elsie Clayton, Sandy McDade („Von Lark Rise nach Candleford“) als Mrs. Rice, Eleanor Tomlinson („The White Queen“) als Alice Cunningham und Simon Callow („Doctor Who“) als Psychiater Dr. Heinrich Lutz, der hier ein respektables Freud-Imitat abgibt.

Agatha Christie's Poirot

© ITV 2012, „Curtain“ – Helen Baxendale, Hugh Fraser

Der VORHANG fällt in POIROTS LETZTER FALL. Und der Kreis schließt sich. Captain Hastings kehrt zum Ort des ersten Mordfalles zurück und besucht ein letztes Mal seinen Freund Poirot. Der ist sich sicher, dass es hier, auf dem Anwesen von Sir William Boyd Carrington (Philip Glenister, „Ashes to Ashes“), einen weiteren Mord geben wird. Den Grund seiner Gewissheit will er Hastings, dessen Tochter Judith (Alice Orr-Ewing, „Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen“) ebenfalls dort ist, jedoch noch nicht preisgeben.

Poirot fürchtet, dass der Captain sich versehentlich verraten und den Plan des Detektivs somit zunichtemachen könnte. Da er selbst durch Krankheit an den Rollstuhl gefesselt ist, bittet er Hastings, für ihn Augen und Ohren offenzuhalten und ihm über die Ereignisse im Haus Bericht zu erstatten. Poirot, der weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat, trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Poirot: „Das Essen ist fürchterlich.“
Captain Hastings: „Eine Folge der Rationierung.“
Poirot: „Non. Es ist die englische Küche.“

Zu weiteren Gästen des Landhauses zählen u.a. Helen Baxendale („Cuckoo“) als Elizabeth Cole, Anna Madeley („Mr Selfridge“) als stets leidende Barbara Franklin, Matthew McNulty („The Paradise“) als Major Allerton, Anne Reid („Our Zoo“) als Gastwirtin Daisy Luttrell, Shaun Dingwall („Above Suspicion“) als Wissenschaftler Dr. Franklin und Aidan McArdle („Mr Selfridge“) als Stephen Norton.

Elizabeth: „Was wissen Sie von ihr, Captain?“
Hastings: „Nur, dass sie krank ist.“
Elizabeth: „Ja, sie erfreut sich schlechtester Gesundheit.“

Als 1989 die ersten zehn Episoden von AGATHA CHRISTIE’S POIROT ausgestrahlt wurden, ahnte sicher niemand, dass uns diese, von Fans hochgelobte Serie ein Vierteljahrhundert begleiten würde. Für den Hauptdarsteller David Suchet war es ohne Übertreibung die Rolle seines Lebens.

„Ich sehe wirklich mit großer Dankbarkeit zurück. Dass ich diese Rolle bekommen habe und dass ich das Privileg hatte, ihn 25 Jahre lang zu spielen – was für ein Geschenk!“David Suchet

polyband veröffentlichte die finale Staffel in der Collection 12 am 26.09.2014. Neben den fünf spielfilmlangen Episoden, die man auf Deutsch und Englisch und mit optionalen, deutschen Untertiteln erleben kann, gibt es auch wieder Bonusmaterial.

In einer knapp einstündigen Dokumentation lässt David Suchet seine Karriere als Hercule Poirot Revue passieren. Wir erleben ihn am Set zu den Dreharbeiten der letzten Episoden, besuchen mit ihm u.a. den Enkel von Agatha Christie, den Filmkomponisten Christopher Gunning und ein Museum, das einige Requisiten vom POIROT Set ausstellt. Suchet reist nach Belgien, dem „Geburtsland“ von Poirot und unternimmt ein weiteres Mal eine Reise mit dem legendären Orient-Express.

Vollkommen subjektiv, aber auch absolut gerechtfertigt möchten wir das Label polyband dafür loben, den deutschen POIROT Fans diese britische Fernsehserie ins heimische Wohnzimmer gebracht zu haben. Als das deutsche Fernsehen – aus welchen Gründen auch immer – die Ausstrahlung von AGATHA CHRISTIE’S POIROT beendete, übernahm polyband die weitere Synchronisation und veröffentlichte die Episoden regelmäßig in schön gestalteten Sammelboxen mit dazugehörigen Booklets.

Hastings: „Er war mein allerbester Freund. Er war für mich da, hat auf mich aufgepasst, mir die Leviten gelesen. Genau wie ein Vater. Ich weiß nicht, wie ich ohne ihn zurechtkommen soll.“

DVD Ausstattung
Agatha Christie's Poirot - Collection 12 - DVD Cover

Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (optional)
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: DD 2.0
Anzahl der Disks: 5
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 450 Min. (5 x ca. 90 Min.) + Bonus (ca. 56 Min.)
Extras: Booklet, „Ich war Poirot“
Verpackung: DigiPak im Schuber
Label: polyband

Episoden
  • Disc 1 – 13.01 Elefanten vergessen nicht (88:45 Min.)
  • Disc 2 – 13.02 Die großen Vier (87:31 Min.)
  • Disc 3 – 13.03 Wiedersehen mit Mrs. Oliver (88:48 Min.)
  • Disc 4 – 13.04 Die Arbeiten des Herkules (90:35 Min.)
  • Disc 5 – 13.05 Vorhang: Poirots letzter Fall (89:34 Min.)
    Bonus: Ich war Poirot (56:24 Min.)

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