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Peaky Blinders: Als Churchill noch Minister war

Peaky Blinders - Staffel 1
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© Tiger Aspect Productions, BBC 2013 – Cillian Murphy
Rezension: Staffel 1

Birmingham 1919. Der erste Weltkrieg ist vorüber. Die Überlebenden kehren heim und müssen dennoch weiter ums Überleben kämpfen. Unter ihnen sind auch die Männer der Shelby Familie, die sich vor dem Krieg bereits einen zweifelhaften Ruhm durch kriminelle Machenschaften erworben hatten. Mit einem illegalen Wettbüro, Schwarzmarktgeschäften und Schutzgelderpressung zählen sie zu den Gangs der Industriestadt, die man gemeinhin die PEAKY BLINDERS nennt.

Während des Krieges waren es die Frauen der Familie, allen voran Tante Polly (Helen McCrory, „Penny Dreadful“), die sich um die familiären Angelegenheiten kümmerten. Nun werden sie wieder in ihre von einer Männerwelt geprägte Rolle gedrängt.

Polly: „In der Familie gibt’s keine Geheimnisse. Hören wir von dir hier nicht noch mehr, Thomas?“
Thomas: „Nein. Nichts, was euch Frauen angeht.“
Polly: „Dieses Scheißfamilienunternehmen war nur Frauensache, während ihr Männer im Krieg ward. Was hat sich geändert?“
Thomas: „Wir sind wieder da.“

Doch Tante Polly lässt sich nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen. Ihrem Scharfsinn, ihrer Besonnenheit und ihrem resoluten Auftreten zollen die Männer Respekt. Schon deshalb, weil sie es war, die die Familie zusammenhielt, als die Mutter starb und der Vater die Kinder im Stich ließ. Mit Thomas Shelby (Cillian Murphy, „Red Eye“) hat sie es jedoch schwer.

Peaky Blinders - Staffel 1

© Tiger Aspect Productions, BBC 2013 – Joe Cole, Samuel Edward-Cook, Paul Anderson, Cillian Murphy, Kevin Metcalfe, (), Iddo Goldberg

Der will seinem älteren Bruder Arthur (Paul Anderson, „Gelobtes Land“) die Führungsrolle streitig machen. Lange kämpfen muss er darum nicht, denn im Gegensatz zu Arthur hat Thomas den nötigen Intellekt, um das Familienunternehmen nicht nur zu vergrößern, sondern auch in legale Bahnen zu lenken. Einzig seine allzu hohe Risikobereitschaft könnte ihm dabei im Wege stehen.

Grace: „Was gibt es zu feiern?“
Thomas: „Deinen neuen Arbeitsvertrag.“
Grace: „Buchführung für die Shelby Brothers Limited.“
Thomas: „Ich mag das Wort Limited nicht.“
Grace: „Die Haftungsbeschränkung bedeutet, man ist seriös.“
Thomas: „Das ist es ja.“

Als Thomas seiner Tante offenbart, versehentlich eine Menge Waffen gestohlen zu haben, wird es ungemütlich. Kriegsminister Winston Churchill (Andy Nyman, „Dead Set“) beauftragt Inspector Chester Campbell (Sam Neill, „Jurassic Park“) mit der Wiederbeschaffung des brisanten Diebesguts, das eigentlich nach Libyen verschifft werden sollte.

Und der fackelt nicht lange. Nachdem er in einer flammenden Ansprache die Polizei von Birmingham der Korruption bezichtigt, stellt er sogleich seine Führungsposition klar. Für Campbell kommen nur bestimmte Gruppen infrage, die die Waffen gestohlen haben könnten und bezeichnet sie als „dreiköpfiges Ungeheuer“: die IRA, die Kommunisten und die Peaky Blinders.

Peaky Blinders - Staffel 1

© Tiger Aspect Productions, BBC 2013 – Sam Neill

Thomas Shelby spielt nun ein äußerst gefährliches Spiel. Er plant nicht nur, andere kriminelle Organisationen gegeneinander auszuspielen. Er erpresst auch Inspector Chester Campbell, der die Waffen schon allein seiner Reputation wegen unbedingt zurückbekommen muss.

Kreiert wurde PEAKY BLINDERS von Steven Knight, der nicht nur die Drehbücher zu Filmen wie „Eastern Promises“ (2007) und „Amazing Grace“ (2006) lieferte, sondern auch – man mag es kaum glauben – die Spiel-Show „Wer wird Millionär“ erfand.

Die fiktive Geschichte um die Familie Shelby beruht zum Teil auf historischen Fakten. So gab es die PEAKY BLINDERS tatsächlich, die, wie in der Serie gezeigt, stets elegant gekleidet waren, doch bewaffnet mit Messern und Hämmern auch extrem brutal und skrupellos. Die Mitglieder waren meist sehr jung aber nicht minder gefährlich.

Umstritten ist jedoch, ob sich der Name „Peaky Blinders“ tatsächlich davon ableitet, dass sich die Gangmitglieder Rasierklingen in ihre Schirmmützen nähten, um diese als Waffen zu benutzen. In der Serie wird dies auf sehr blutige Art und Weise dargestellt.

Peaky Blinders - Staffel 1

© Tiger Aspect Productions, BBC 2013 – Cillian Murphy

Die Regie teilen sich in der ersten Staffel Otto Bathurst („Hustle“) und Tom Harper („Die fantastische Welt der Borger“), die diesem historischen Gangster-Drama eine sehr moderne, visuell exzellente Note geben. In Liverpool fand man eine verlassene Straße samt Häuserzeilen, die komplett umgestaltet wurde, um dem schmuddeligen Industriecharme jener Zeit gerecht zu werden. Etliche Szenen spielen in einem Pub namens „The Garrison“, dessen Interieur einen gefälligen Look aus Western Saloon und einem typisch Victorianischen Pub zeigt.

Die Inszenierung rockt. Und das nicht nur des brillanten Scores wegen, der von Mearl stammt – eine eigens für dieses Projekt zusammengestellte Band, die mit einer gelungenen Mischung sowohl den historischen Hintergrund als auch die moderne Inszenierung wiederspiegelt. Im Soundtrack gibt es zudem großartige Songs von The White Stripes, Nick Cave & The Bad Seeds, Tom Waits und Dan Auerbach. Der Theme-Song der ersten Staffel ist „Red Right Hand“ von Nick Cave & The Bad Seeds.

Die Schauspieler können sich im wahrsten Sinne sehen lassen. Cillian Murphy überzeugt mit kühler Eleganz. Sein Thomas Shelby kompensiert die traumatischen Kriegserfahrungen – neben dem Rauchen einer Opiumpfeife – mit Unnahbarkeit, halsbrecherischem Ehrgeiz und krimineller Raffinesse. Und doch zeigt er auch eine sanfte und nachgiebige Seite.

Peaky Blinders - Staffel 1

© Tiger Aspect Productions, BBC 2013 – Cillian Murphy

Polly: [zu Thomas] „Du hast den Verstand deiner Mutter aber wie dein Vater den Teufel im Leib. Ich sehe die beiden kämpfen. Lass deine Mutter siegen.“

Davon profitieren u.a. Gewerkschafter Freddie Thorne (Iddo Goldberg, „Secret Diary of a Call Girl“), der ihm während des Krieges einmal das Leben rettete und Thomas‘ Freund Danny Whizz-Bang (Samuel Edward-Cook, „Land Girls“), der sich, ebenfalls bedingt durch die gemeinsamen, schrecklichen Kriegserlebnisse, immer wieder in Schwierigkeiten bringt.

Sam Neill ist der perfekte Antagonist. Inspector Chester Campbell trägt stets ein selbstgerechtes Prediger-Image vor sich her, ist aber innerlich zerrissen. Und das nicht nur, weil man es ihm als Makel ankreidet, nicht im Krieg gedient zu haben. Den hohen, moralischen Werten, denen er sich verschrieben hat, kann er selbst nicht gerecht werden. Daran erinnert ihn nur allzu gern Sergeant Moss (Tony Pitts, „Scott & Bailey“), der zunächst gehofft hatte, Campbell würde seinen Worten auch Taten folgen lassen. Doch der demontiert sich Stück für Stück selbst.

Campbell: „Sollen sie sich doch bekriegen. Sollen sich die Bestien gegenseitig zerfleischen. Anschließend werden wir die Knochen auflesen.“

Peaky Blinders - Staffel 1

© Tiger Aspect Productions, BBC 2013 – Annabelle Wallis, Cillian Murphy

In den starken, weiblichen Charakteren glänzen Helen McCrory als willensstarke Tante Polly, Sophie Rundle („The Bletchley Circle“) als Thomas‘ eigenwillige Schwester Ada Shelby und Annabelle Wallis („Die Tudors“) als geheimnisvolle Bar-Sängerin Grace Burgess. Gegen Ende gibt es eine großartige Szene zwischen Polly und Grace, die wohl unbestritten zu den besten dieser ersten Staffel zählen dürfte.

In Nebenrollen beeindrucken u.a. Charlie Creed-Miles („Injustice“) als Konkurrent Billy Kimber, Tommy Flanagan („Sons of Anarchy“) als Arthur Shelby Senior, Ned Dennehy („Parade’s End“) als Charlie Strong und Aimee-Ffion Edwards („Luther“) als neues Familienmitglied Esme.

Koch Media veröffentlichte die erste Staffel der PEAKY BLINDERS am 09.10.2014 auf DVD, Blu-ray und als VoD. Den Ton gibt es im englischen Original und in der deutschen Synchronisation. Zudem kann man deutsche Untertitel dazu schalten. Im Making of gibt es Interviews mit Cast und Crew und interessante Einblicke in die Dreharbeiten. Der FSK-Button kann von der O-Card entfernt werden.

Wir verlosen mit der freundlichen Unterstützung von Koch Media zwei Blu-rays und zwei DVDs zu dieser ersten Staffel. Schreibt einfach eine E-Mail mit dem Betreff: Peaky Blinders an info(ät)brittv(punkt)de bis zum 09.11.2014. Viel Glück!

In Großbritannien wird derzeit (ab dem 02.10.2014) die zweite Staffel der PEAKY BLINDERS auf BBC Two ausgestrahlt.

Freddie: „Oh Gott. Danny, du bist doch tot.“
Danny: „Nee. Hab‘ in London gewohnt. Ist genauso.“

DVD Ausstattung
Peaky Blinders - Staffel 1 - DVD Cover

Coverfoto: Koch Media

Format: PAL
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 5.1
Anzahl der Disks: 3
Altersfreigabe: 16
Laufzeit: ca. 344 Min. (6 x ca. 57 Min.) + Bonus (ca. 15 Min.)
Extras: Making of
Verpackung: Softbox in O-Card
Label: Koch Media

Episoden – Disc 1
  • 1.01 Geschenk des Teufels (56:57 Min.)
  • 1.02 Waffenpoker (57:51 Min.)
Episoden – Disc 2
  • 1.03 Auf der Rennbahn (55:04 Min.)
  • 1.04 Die Hochzeit (58:20 Min.)
Episoden – Disc 3
  • 1.05 Das Grab (56:11 Min.)
  • 1.06 Showdown (53:57 Min.)
  • Bonus: Making Peaky Blinders (15:38 Min., mit deutschen UT)

2 Kommentare

  1. Tatjana sagt

    Hallo liebes BritTV-Team, hallo Heike,

    die Nachricht über meinen Gewinn der Peaky Blinders BluRay hat mir heute den nebelgrauen Montag gerettet – vielen Dank!
    Bin schon sehr gespannt, die Rezension hört sich vielversprechend an. Und als langjähriger Sam-Neill-Fan schwebe ich sicher im siebten Himmel 🙂

    Liebe Grüsse
    Tatjana

  2. Heike Hildenhagen sagt

    Dann hoffe ich, nicht zu viel versprochen zu haben. 😉

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