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George Gently: Harte Zeiten

George Gently
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© Company Pictures & ALL3MEDIA, 2011 – Martin Shaw, Lee Ingleby
Rezension: Staffel 4 und Staffel 5

Der Unbestechliche ist zurück. Ganze drei Jahre brauchte das ZDF, um GEORGE GENTLY wieder auf die heimischen Bildschirme zu bringen. Dafür gibt es Staffel vier und fünf gleich im Gesamtpaket, sowohl im Fernsehen als auch auf den DVD Veröffentlichungen von Edel:Motion.

Die 1960er Jahre neigen sich langsam ihrem Ende. Chief Inspector George Gently (Martin Shaw, „Die Profis“) und Detective Sergeant John Bacchus (Lee Ingleby, „Our Zoo“) müssen in Northumberland und Umgebung nicht nur Kriminalfälle lösen, sondern sich auch mit Korruption und Vetternwirtschaft in den eigenen Reihen beschäftigen. Gentlys Abneigung gegenüber der Londoner Metropolitan Police ist immer noch ein Thema. Gerade in diesem Punkt ist das Verhältnis zwischen Gently und Bacchus stark ambivalent und das quasi in vertauschten Rollen.

Gently ist liberal und unvoreingenommen. Bei seinem Job spielt er jedoch strikt nach den Regeln. Ein harter Knochen mit Null-Toleranz bei der Aufklärung eines Verbrechens. Bacchus hingegen geizt nicht mit Vorurteilen oder einer großen Klappe und neigt zu Schnellschüssen nach unreflektiert getroffenen Schlussfolgerungen. Doch genau diese Dynamik des ungleichen Ermittlerduos ist nicht nur interessant. Es spielgelt auch die sozialen Entwicklungen dieser Zeit.

TÖDLICHES VERLANGEN brachte in Durham 1966 einer jungen Frau den gewaltsamen Tod. Auf der Suche nach dem Täter offenbart sich den Ermittlern ein Familiendrama. Als sie die Freundin des Opfers befragen, entblättert sich Stück für Stück eine Problematik, die für Frauen zur damaligen Zeit weit harschere Konsequenzen hatte als heute. Die Begierde älterer Männer und die verklärte Romantik weit jüngerer Frauen. Vincent Regan („Strike Back“), Kate Bracken („Being Human“) und Louise Delamere („No Angels“) glänzen in den wichtigsten Gastrollen. Der Sixties Sound dieser Episode stammt u.a. von der britischen Band The Rash.

Szenefoto George Gently

© Company Pictures & ALL3MEDIA, 2011, Foto: Peter Wolfes – Kate Bracken

Hazel: „Ihr seid doch alle gleich. Erbärmliche alte Männer, die so voller Angst vor der Sackgasse ihres Lebens sind und dafür uns das Leben aussaugen.“

CHINAS LETZTER JOB war in Teeside 1966 ein absolut ehrenvoller. Doch das weiß George Gently noch nicht, als er vom Tod seines ehemaligen Informanten erfährt. Er erzählt Bacchus von einer Begegnung mit China (Tony Rohr, „Derek“), in der er ihn bat, sich nicht mehr bei ihm zu melden. Seine Hoffnung, ihm dadurch ein produktives Leben ohne Alkohol zu ermöglichen, zerschlug sich offenbar. Doch als der Detectiv versucht, den Tod seines alten Freundes aufzuklären, muss er sich auch mit zwei unverbesserlichen kriminellen Brüdern beschäftigen, von denen einer verschwunden und der andere ein nervliches Wrack ist. Als Gently und Bacchus auf Superintendant Alan Shepherd (Neil Pearson, „Monroe“) treffen, sind sie sich sicher, dass er ihnen etwas verheimlicht. In einer weiteren Nebenrolle ist Dean Lennox Kelly („Frankie“) zu sehen.

Szenefoto George Gently

© Company Pictures & ALL3MEDIA, 2011 – Neil Pearson, Lee Ingleby, Martin Shaw

Gently: „Ich wollte ihm einen Schubs in die richtige Richtung geben. Vielleicht war der zu stark.“

ADEL VERPFLICHTET in Northumberland 1968. Eine junge Musikerin stirbt bei einem Autounfall. Offensichtlich war der Fahrer geflüchtet und hatte sie sterben lassen. Als man den Halter des Autos ausfindig macht, trifft Bacchus auf einen „alten Bekannten“. Schon des Öfteren hatte er erfolglos versucht, James (James Norton, „Happy Valley“), den Sohn der adligen Blackstone Familie vor Gericht zu bringen. Aus seiner tiefen Abneigung gegen die versnobte Oberschicht macht der Sergeant keinen Hehl und so kommt es einmal mehr zu Meinungsverschiedenheiten mit Gently, dessen Höflichkeit er als unterwürfig interpretiert. In weiteren Rollen sind Christopher Fairbank („Jamaica Inn“), Geraldine Somerville („Für alle Fälle Fitz“) und der leider in diesem Jahr verstorbene Roger Lloyd Pack („Only Fools and Horses“) zu sehen.

Szenefoto George Gently

© Company Pictures & ALL3MEDIA, 2011, Foto: Peter Wolfes – Lee Ingleby, Martin Shaw

Alethea Blackstone: [zu Bacchus] „Wissen Sie, als wir uns vorhin begegneten, habe ich geglaubt, Sie wären ein zorniger junger Mann mit einem Minderwertigkeitskomplex. Aber nun finde ich Sie ausbalanciert, weil er bei Ihnen doppelt vorhanden ist.“

BLINDER HASS führt in Newcastle 1968 zu rassistischer Hetze. Die junge Dolores wird mit einer Kopfwunde tot aufgefunden. Da sie schwarz ist und Party-Kleidung trägt, geht Bacchus davon aus, dass sie eine Prostituierte war. Eine falsche Annahme, wie sich schnell herausstellt. Dolores amüsierte sich regelmäßig mit ihrer besten Freundin Carol (Lenora Crichlow, „Being Human“) auf „Northern Soul“ Tanzveranstaltungen im „The Carlton“. Um an Informationen zu kommen, mischt sich Bacchus undercover unters tanzende Volk. Eamonn Walker („Chicago Fire“) und Gary Carr („Death in Paradise“) beeindrucken in dieser Episode als Vater-Sohn Gespann, deren Beziehung nicht nur unter dem Verlust der Tochter bzw. Schwester leidet, sondern auch unter den ungleichen Vorstellungen im Umgang mit rassistischen Anfeindungen.

Szenefoto George Gently

© Company Pictures & ALL3MEDIA, 2011, Foto: Peter Wolfes – Eamonn Walker

Gently: [zu Bacchus] „Ist ja toll. Sie ist farbig, also geht sie anschaffen. Sie hat Geld, also muss sie Drogen verkaufen.“

ENTFÜHRT wird in Durham 1968 ein zweimonatiges Kind. Die Polizei ist sehr engagiert, das kleine Mädchen der Groves zu finden. Als sie erfahren, dass die kleine Faith adoptiert wurde, ermitteln die Detectives im Mutter-Kind Heim, das die Adoption vermittelt hatte und suchen die leibliche Mutter. Doch auch die Groves scheinen so einiges zu verheimlichen und schon bald gibt es eine Lösegeldforderung. Für Bacchus wird der Fall zu einer persönlichen und emotionalen Achterbahnfahrt. Als Stephen und Frances Groves überzeugen Mark Gatiss („Sherlock“) und Helen Baxendale („Cold Feet“).

Szenefoto George Gently

© Company Pictures & ALL3MEDIA, 2011 – Helen Baxendale, Mark Gatiss

Gently: „Was wissen wir über Stephen und Frances?“
Bacchus: „Also er ist dreiundvierzig und Bankdirektor. Sie ist vierzig und tut wohl gar nichts.“
Gently: „Könnte man einfach Ehefrau und Mutter sagen, John?“
Bacchus: „Ja. Wie Sie wollen. Ist doch hübsch formuliert.“

TODFREUNDE treffen in Durham 1968 aufeinander. Ausgerechnet George Gently wird der Korruption bezichtigt. Als er sich mit dem Tod eines jungen Polizisten beschäftigt, meldet sich Melvyn Rattigan (Ralph Brown, „Radio Rock Revolution“), ein Berufskrimineller, den Gently für dreißig Jahre ins Gefängnis brachte. Er behauptet, Gently hätte mit ihm zusammengearbeitet und wird aus der Haftanstalt entlassen, solange seine Anschuldigungen überprüft werden. Gegen den Chief Inspector scheinen tatsächlich Beweise vorzuliegen. Bacchus wird unter einem Vorwand vom Dezernat für Schwerverbrechen nach London gerufen. Dort wird sein Vertrauen in Gently auf eine harte Probe gestellt. Der versucht seine Unschuld zu beweisen und befindet sich bald auf der Flucht. In weiteren Gastrollen sind u.a. Diana Quick („Wiedersehen mit Brideshead“) und Kevin Whately dabei, der den deutschen Zuschauern und Krimikennern aus der Serie LEWIS bekannt sein dürfte.

Szenefoto George Gently

© Company Pictures & ALL3MEDIA, 2011 – Kevin Whately, Martin Shaw

Die nach wie vor leicht unterkühlte und tempoarme Inszenierung der GEORGE GENTLY Filme unterstreicht die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Entwicklung der damaligen Zeit. Geschickt werden Themen wie Sexismus, Rassismus, Klassenunterschiede und polizeiliche Interna in die Kriminalfälle integriert und zeigen sich, wie schon erwähnt, besonders deutlich in der Beziehung zwischen Gently und Bacchus. Äußerst löblich ist einmal mehr die detailreiche Authentizität von Set, Ausstattung und Kostümen.

Mit der Auflösung des schockierenden Cliffhangers am Ende der fünften Staffel ließ sich die BBC fast anderthalb Jahre Zeit, als man im Februar dieses Jahres endlich die sechste Staffel ausstrahlte. Da kann man nur hoffen, dass sich das ZDF diesmal gnädiger zeigt und keine weiteren drei Jahre verstreichen lässt, bis auch deutsche GEORGE GENTLY Fans wieder ruhig schlafen können.

Edel:Motion veröffentlichte Staffel vier am 22.08.2014 und Staffel fünf am 12.09.2014 in gewohnt schlichter Ausstattung ohne Untertitel. Staffel fünf bringt diesmal aber etwas Bonusmaterial mit – ein „Behind The Scenes“ mit Interviews und Einblicke in die Dreharbeiten.

DVD Ausstattung – Staffel 4

George Gently - Staffel 4 - DVD Cover

Coverfoto: Edel:Motion

Format: PAL
Disc-Type: DVD-5
Ländercode: 0
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 3
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 267 Min. (3 x ca. 89 Min.)
Extras: DVD Highlights (Disc 3, 06:48 Min.)
Verpackung: Softbox, kein Wendecover, FSK-Button nicht entfernbar
Label: Edel:Motion

Episoden
  • Disc 1 – 4.01 Tödliches Verlangen (89:02 Min.)
  • Disc 2 – 4.02 Chinas letzter Job (88:27 Min.)
  • Disc 3 – 5.02 Adel verpflichtet (88:42 Min.)
DVD Ausstattung – Staffel 5

George Gently - Staffel 5 - DVD Cover

Coverfoto: Edel:Motion

Format: PAL
Disc-Type: DVD-5
Ländercode: 0
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 3
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 270 Min. (3 x ca. 90 Min.) + Bonus (13:33 Min.)
Extras: Behind The Scenes
Verpackung: Softbox, kein Wendecover, FSK-Button nicht entfernbar
Label: Edel:Motion

Episoden
  • Disc 1 – 5.01 Blinder Hass (88:55 Min.)
  • Disc 2 – 5.03 Entführt (86:20 Min.)
  • Disc 3 – 5.04 Todfreunde (88:44 Min.)
    Bonus: Behind The Scenes (13:33 Min., im Original ohne UT)

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