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Father Brown: Gottes Wege sind (un)ergründlich

Father Brown
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© BBC 2012, Foto: Des Willie – vlnr: Hugo Speer, Nancy Carroll, Mark Williams, Sorcha Cusack, Kasia Koleczek, Alex Price
Rezension: Staffel 1

Die Kriminalfälle um FATHER BROWN beruhen auf den Kurzgeschichten des englischen Schriftstellers G. K. Chesterton (1874-1936) und blicken bereits auf einige Verfilmungen zurück. Zu den jeweiligen Hauptdarstellern zählten u.a. Alec Guinness, Heinz Rühmann, Josef Meinrad und Kenneth More. Hierzulande dürften die Kriminalkurzgeschichten den Zuschauern insbesondere durch die Interpretation von Ottfried Fischer als „Pfarrer Braun“ bekannt sein, auch wenn sie nur lose auf der literarischen Vorlage beruhen.

Father Brown: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bild und es obliegt meiner Wenigkeit, die Menschen immer wieder daran zu erinnern.“
Inspector Valentine: „Selbst die Atheisten?“
Father Brown: „Insbesondere die Atheisten.“

Dass Geistliche mit der Lizenz zum Schnüffeln sehr beliebt sind, bewies auch die „The Father Dowling Mysteries“ Reihe des amerikanischen Autoren und Philosophen Ralph McInerny. Seine Romane lieferten die Vorlage für die US-amerikanische TV Serie „Ein gesegnetes Team“ (1987-1991). Eine weitere Kriminalromanreihe, „Father Blackie Ryan“, stammt aus der Feder des Amerikaners Andrew Greeley, der besonders fundiertes Grundwissen mitbrachte, denn er war nicht nur Autor, sondern auch ein Priester der römisch-katholischen Kirche.

Inspector Valentine: „Unglaublich. Wo immer Sie hingehen, ist Ihr Weg mit Leichen gepflastert. Das ist wirklich phänomenal.“

Nachdem ATV 1974 die Chesterton-Geschichten erstmalig in einer britischen Serie mit Kenneth More („Die Forsyte Saga“, 1967) in der Hauptrolle verfilmte, wagte sich die BBC 2013 an einer neuen seriellen  Interpretation von FATHER BROWN. Die Titelrolle als katholischer Priester übernahm Mark Williams  („Harry Potter“, „Doctor Who“) und die Geschichten – sowohl originale als auch adaptierte – sind im englischen Cotswolds in den frühen 1950er Jahren angesiedelt.

Sznenfoto Father Brown

© BBC 2012, Foto: Des Willie – Hugo Speer

Wie so oft in der Konstellation Amateur versus Polizei, ist die Einmischung in die jeweiligen kriminellen Vorkommnisse  mehr als unerwünscht. Und wie so oft wird die Polizei bei der Aufklärung vorgeführt. Auch Inspector Valentine (Hugo Speer, „Bedlam“, „The Musketeers“) fühlt sich von Father Browns Hang, die vom Wege abgekommenen Schäfchen wieder auf den rechten Pfad zu bringen, belästigt. Der Gesetzeshüter neigt dazu, nur das Offensichtliche zu sehen und seine Fälle schnellstmöglich abzuschließen.

Inspector Valentine: „Was ist bloß los mit diesem Pfarrer? Ich komme doch auch nicht am Sonntag und halte seine Predigt.“

Szenefoto Father Brown

© BBC 2012, Foto: Chris Lobina – Nancy Carroll, Sorcha Cusack, Mark Williams

Den Priester treibt nicht nur eine gesunde Neugier, sondern auch die Leidenschaft beim Lösen eines Rätsels (ähnlich wie bei einer gewissen Miss Marple). Dabei interessiert Father Brown weniger das Wie als vielmehr das Warum. Für ihn scheint kein Sünder ein hoffnungsloser Fall, solange er ihn dazu bringen kann, zu bereuen. Die weltliche Bestrafung ist dabei relativ. In einem Fall verhilft er dem Schuldigen gar zur Flucht, nachdem er dessen Geständnis gehört hat. Was Father Brown besonders auszeichnet, ist seine ungewöhnlich liberale Einstellung. Erstrecht, wenn man bedenkt, dass er ein älterer, katholischer Geistlicher ist, der in den 1950er Jahren lebt.

Rev Wilfred Bohun: „Sie sind ein Narr!“
Father Brown: „Ich spiele gern den Narren, wenn es mich der Wahrheit näher bringt.“

Szenefoto Father Brown

© BBC 2012, Foto: Chris Lobina – Sorcha Cusack, Mark Williams

Etwas unvoreingenommen zu betrachten, fällt der Pfarramtssekretärin, Mrs. Bridget McCarthy (Sorcha Cusack, „Casualty, Snatch – Schweine und Diamanten“) um einiges schwerer. Die „Else Kling“ der englischen Pittoreske hat stets etwas zu berichten und bringt so manche Vorurteile mit, trägt ihr Herz aber auf dem rechten Fleck und backt preisgekrönten Erdbeerkuchen. Und wenn sie dann doch mal über die Stränge schlägt, weiß besonders Father Brown, ihr mit enttäuscht vorwurfsvollem Blick ins Gewissen zu gucken.

Mrs. Bridget McCarthy: „Sehen Sie bloß. Eine ägyptische. Wie geizig muss ein Mensch sein, der eine ausländische Münze in die Kollekte legt?“
Father Brown: „Immer noch besser, als ein Knopf.“
Mrs. Bridget McCarthy: „Oh, nicht unbedingt. Letzten Sonntag waren einige sehr schöne Exemplare dabei. Wenn ich sechs habe, die zusammenpassen, kommen sie an eine meiner Strickjacken.“

Szenefoto Father Brown

© BBC 2012, Foto: Des Willie – Nancy Carroll

Die Person, die fast immer zuerst über die obligatorische Leiche stolpert, ist Lady Felicia Montague (Nancy Carroll, „Ein perfekter Ehemann“), eine wohlhabende und lebensfrohe Frau, die trotz ihrer adligen Herkunft keinen Funken Snobismus zeigt.  Bodenständig und weltoffen riskiert sie gerne mal ein oder auch zwei Blicke auf gutaussehende Männer. Das ist nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt. So verguckt sie sich einmal ausgerechnet in den Täter. Ein anderes Mal zeigt sie, natürlich unwissentlich, Interesse an einem Nazi.

Lady Felicia Montague: „Wo wir gerade von kleinen Sünden sprechen. Wenn die Trauergesellschaft derart viel hermacht, werde ich wohl öfter mal vorbeikommen. Wer ist das?“
Father Brown: „Ich kenne den Mann nicht.“

Szenefoto Father Brown

© BBC 2012, Foto: Des Willie – Alex Price, Kasia Koleczek

Sid Carter (Alex Price, „Penny Dreadful“) sieht sich selbst vermutlich als cleverer Geschäftsmann, ist aber eher als Kleinkrimineller zu betrachten. Legal arbeitet er als Gelegenheitshandwerker und Chauffeur. Und dann wäre da noch die polnische Immigrantin Susie Jasinski (Kasia Koleczek, „Cup Cake“), die ihre Familie im Zweiten Weltkrieg verloren hatte und nun als Haushaltshilfe für Father Brown und andere Familien tätig ist. In dem kleinen Dorf fand sie ein neues Zuhause und besonders Sid versucht ihr stets ein Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln, nicht nur, indem er die polnische Sprache lernt.

Sid Carter: „Ist das richtig? Sie haben Freesien für einen Nazi gekauft?“
Mrs. Bridget McCarthy: „Ja, aber er wurde verhaftet, noch bevor er sich an ihnen erfreuen konnte.“

In Gastrollen sind u.a. Michael Maloney („Accused“, „The White Queen“), Ruth Gemmell („Silent Witness“, „Utopia“), Barry Sloane („Revenge“), Pip Torrens („Silk“, „Fleming“, „Law & Order: UK“), Louise Brealey („Sherlock“) und Malcolm Storry („Jekyll“, „The Shadow Line“) zu erleben.

Szenefoto Father Brown

© BBC 2012, Foto: Des Willie – Mark Williams

FATHER BROWN ist eine grundsolide, wunderbar gemütliche Tea Time Serie, die gar nicht erst den Versuch macht, dem Zuschauer eine intellektuelle Höchstleistung abzufordern. Und das ist keineswegs negativ gemeint. Quasi als Retro Pendant zu Serien wie BARNABY oder LEWIS liefert FATHER BROWN entspannte Unterhaltung mit einem Blick auf die Moralvorstellungen der 1950er Jahre, die ausgerechnet ein katholischer Priester mehr als einmal infrage stellt. Eine wohltuend harmlose Krimiserie, die nicht zuletzt deshalb in Großbritannien wochentags zum traditionellen Nachmittagstee „serviert“ wird.

Mark Williams  mit der Rolle des wissbegierigen Klerikers zu besetzen, war goldrichtig. Seine liebenswert-schrullige Erscheinung, inklusive der entsprechenden Mimik, passt zum Charakter des Father Brown wie der Priesterkragen zum Kollar Hemd.

Im Januar 2014 zeigte das britische Fernsehen die zweite Staffel. Eine dritte Staffel mit geplanten fünfzehn Episoden ist bereits zur Hälfte abgedreht und soll im Januar 2015 ausgestrahlt werden.

Father Brown: „Die Welt wäre aber wahrlich ein gefährlicher Platz, wenn wir Heilige Schriften buchstabengetreu interpretieren würden.“

Die erste Staffel ist hier in Deutschland zwischen dem 28.04. und dem 26.05.2014 auf zdf_neo gezeigt worden. polyband veröffentlichte die dazugehörige DVD am 30.05.2014 ohne Extras, die es aber auch nicht auf der britischen Originalbox gibt. Lobenswert, wie immer, sind die optionalen, deutschen Untertitel. Einem Genuss im englischen O-Ton steht also nichts im Weg.

Father Brown: „Jetzt reicht’s. Astralgeister gibt es nicht!“
Kalon: „Sagt der Verkünder der unbefleckten Empfängnis.“

DVD Ausstattung

Father Brown - Staffel 1 - DVD Cover

Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (optional)
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 5.1
Anzahl der Disks: 3
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 467 Min. (10 x ca. 46 Min.)
Extras: keine
Verpackung: Softbox in O-Card, kein Wendecover, FSK-Button nicht entfernbar
Label: polyband

Episoden – Disc 1
  • 1.01 Der Hammer Gottes (49:34 Min.)
  • 1.02 Die fliegenden Sterne (48:27 Min.)
  • 1.03 Die falsche Form (45:35 Min.)
  • 1.04 Der Mann im Baum (45:27 Min.)
Episoden – Disc 2
  • 1.05 Das Auge Apollos (48:33 Min.)
  • 1.06 Die Braut Christi (46:34 Min.)
  • 1.07 Der Staub des Teufels (46:44 Min.)
Episoden – Disc 3
  • 1.08 Im Angesicht des Todes (45:45 Min.)
  • 1.09 Der Bürgermeister und der Zauberer (45:10 Min.)
  • 1.10 Das blaue Kreuz (45:23 Min.)

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