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Doctor Who: Ein Abenteuer in Raum und Zeit

Doctor Who - Ein Abenteuer in Raum und Zeit
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© BBC/BBC Worldwide 2013, Foto: Hal Shinnie – David Bradley
Rezension: TV Film zum 50. Serienjubiläum

Schon vor über einem Jahrzehnt hatte Mark Gatiss („Sherlock“) einen Film über die Entstehung der kultigsten Science Fiction Serie der Welt geplant. Und was lag näher, als genau diesen Film zum 50. Jubiläum von DOCTOR WHO zu präsentieren? Mit geradezu liebevoller Detailversessenheit entstand ein zauberhafter Fernsehfilm, der nicht nur versucht, die Geburt von DOCTOR WHO so genau wie möglich nachzuzeichnen, sondern der auch auf mühelose Weise die Fakten mit dem Geist der Serie verbindet.

Szenefoto Doctor Who TV Film

© BBC/BBC Worldwide 2013, Foto: Hal Shinnie – vlnr: Jessica Raine, Sacha Dhawan, Jeff Rawle

1963 versuchte der Film- und Fernsehproduzent Sydney Newman (Brian Cox, „Troja“, „Deadwood“) frischen Wind in die Drama Abteilung der BBC zu bringen. Seine Erfahrungen bei der Konkurrenz, die übrigens auch zur Produktion einer gewissen Agentenserie namens THE AVENGERS (MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE) führten, wollte er nun für die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt nutzen. Ein Lückenfüller von knapp fünfundzwanzig Minuten Länge musste gefunden werden und Newman sah großes Potential in einer Science Fiction Serie.

Sydney: „… also ein Bursche, gutaussehend. Und ein Mädel, gutaussehend. Und ein Kind, das sich in alle möglichen Schwierigkeiten bringt. Plus ein älterer Mann, ein bisschen schrullig. […] Sie reisen gemeinsam durch Raum und Zeit und stehen Gefahren gegenüber. […]“
Verity: „Was ist mit diesem anderen Mann, dieser schrulligen Figur?“
Sydney: „Er ist ein Doktor.“
Verity: „Ein Doktor?“
Sydney: „Hmh. Es muss ein Doktor sein, finden Sie nicht? Eine Person voller Autorität. Das ist vertrauensbildend, irgendwie.“

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© BBC/BBC Worldwide 2013, Foto: Hal Shinnie – Sacha Dhawan

Nicht nur Newmans Idee sollte sich später zu einer nationalen Institution und noch später zu einem globalen Phänomen entwickeln. Seine Entscheidung, Verity Lambert (Jessica Raine, „Call the Midwife“) als erste, weibliche Produzentin mit dieser Serie zu beauftragen, brachte Bewegung in die verknöcherte Altherren-Hierarchie des Senders. Zudem wurde der noch sehr junge, aus Indien stammende, Waris Hussein (Sacha Dhawan, „Last Tango in Halifax“, „24: Live Another Day“) als erster DOCTOR WHO-Regisseur engagiert.

Waris: „Auf uns! Der pikfeine Kanake…“
Verity: „… und das freche Judenmädel.“

Die Suche nach dem Hauptdarsteller gestaltete sich da schon etwas schwieriger. Man einigte sich auf William Hartnell (David Bradley, „Harry Potter“, „Broadchurch“), ein Charakterschauspieler, der bereits auf eine lange Karriere zurückblicken konnte. Trotzdem er sich gerade in einer angebotsarmen Phase befand, machte er sich Sorgen wegen der Arbeitsintensität, die eine wöchentliche Serie mit sich brachte.

Verity: „Glauben Sie mir, Bill. Sie passen perfekt. Niemand wird sich Ihnen entziehen können.“
Hartnell: „Meinen Sie wirklich?“
Verity: „Eine Mischung aus C. S. Lewis und H. G. Wells, die auf den Weihnachtsmann trifft. Das ist der Doktor.“
Hartnell: „Und weiter? Doktor who?“

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© BBC/BBC Worldwide 2013, Foto: Hal Shinnie – vlnr: David Bradley, Jemma Powell, Jamie Glover, Claudia Grant

Der chaotische Dreh der Pilotepisode musste wiederholt werden. Um das Desaster perfekt zu machen, wurde diese erste Folge nur einen Tag nach der Ermordung von John F. Kennedy ausgestrahlt, was zur Folge hatte, dass sie kaum von jemandem wahrgenommen wurde. Kurzum erhielt Newman die Order, den Stecker zu ziehen. Mehr als die bereits vier produzierten Episoden wollte man nicht in Auftrag geben. Lambert musste sich nun als Produzentin durchsetzen. Bevor sie Newman davon überzeugen konnte, die Serie nicht einzustellen, musste sie ihm jedoch die Idee eines neuen Monsters schmackhaft machen.

Sydney: „… und jetzt diese Däleks.“
Verity: „Daleks!“
Sydney: „Genau das, was ich vermeiden wollte. Absolut wertloser Science Fiction Schund.“
Verity: „Haben Sie das Drehbuch gelesen?“
Sydney: „Ja.“
Verity: „Wirklich?“
Sydney: „Ich erkenne Müll, wenn ich ihn sehe. Dazu hat’s gereicht. Gott, Dorloks.“
Verity: „Daleks!“
Sydney: „Mir doch egal. Glupschaugen…“
Verity: „ES SIND KEINE GLUPSCHAUGEN-MONSTER!“

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© BBC/BBC Worldwide 2013, Foto: Hal Shinnie – vlnr: Jessica Raine, David Bradley

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. DOCTOR WHO entwickelte sich zu einer Legende und die Glupschaugenmons… pardon, Daleks wurden zu einer britischen Ikone. Ohne Übertreibung kann man EIN ABENTEUER IN RAUM UND ZEIT als Liebeserklärung an die Serie und als Ehrerbietung an William Hartnell bezeichnen. Gatiss war es ein Bedürfnis, so viele Cameos im Film unterzubringen wie nur irgend möglich. Besonders ein Auftritt ist in der entsprechenden Szene so platziert, dass es einen fast zu Tränen rührt. Der Name wird hier natürlich nicht verraten. Nicht umsonst ist er in den Credits gar nicht erst aufgeführt.

Mit etlichen Verweisen schafft Gatiss eine Verknüpfung von Realität und Fiktion, von Classic Who zu New Who. Regisseur Terry McDonough („The Street“, „Breaking Bad“) vermittelt dies auch visuell und mit entsprechenden Schnitten. Großartig die Szene, in der die erste Beschreibung der Daleks und die Ermordung Kennedys quasi montiert werden. Um alle Referenzen und Cameos zu entdecken und zuzuordnen, wird man sich EIN ABENTEUER IN RAUM UND ZEIT auf jeden Fall mehrmals ansehen.

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© BBC/BBC Worldwide 2013, Foto: Hal Shinnie – vlnr: David Bradley, Claudia Grant

Die Auswahl der Schauspieler ist trefflich gelungen. Sie ähneln ihren Vorbildern nicht nur. Sie leben ihre Rollen. Carole Ann Ford, die an der Seite von William Hartnell in der Originalserie die Enkelin des Doctors, Susan Foreman, spielte, war am Set dabei und von David Bradleys Darstellung beindruckt. Und Waris Hussein sah Sacha Dhawan beim Lesen der Drehbücher über die Schulter. Sowohl David Bradley als auch  Jessica Raine hatten bereits Gastrollen in der aktuellen DOCTOR WHO Serie. Und Brian Cox sprach die Rolle eines Ood. Natürlich ist auch Nicholas Briggs als Peter Hawkins dabei. Hawkins übernahm von 1963 bis 1968 in über fünfzig Episoden die Stimmen der Daleks und der Cybermen.

polyband veröffentlichte die DVD und die Blu-ray am 25.07.2014. Lobenswert sind wie immer die vorhandenen Untertitel in Deutsch und Englisch, die man auch beim Bonusmaterial optional dazu schalten kann. Den Ton gibt es in Dolby Digital 5.1 und auch das Bild ist hervorragend, wobei das Verstaubte der integrierten Schwarzweiß-Szenen natürlich so gewollt ist.

Die Extras sind fein aber klein. Respektive wirkt es so, als seien sie zerpflückt worden, um sie üppiger erscheinen zu lassen. Nichtsdestotrotz sind insbesondere „William Hartnell: Der erste Doktor“ – hier kommt u.a. seine Enkelin Jessica Carney zu Wort – und das Making of sehenswert. Sowohl das Wendecover als auch das Booklet (mit einem Text von Mark Gatiss) erscheinen im bunten Retro-Style.

Szenefoto Doctor Who TV Film

© BBC 2013, Foto: Hal Shinnie – Daleks auf der Westminster Bridge

In der Auflistung des Bonusmaterials ist polyband leider ein Fehler unterlaufen. Bei „Originalausschnitte von „An Unearthly Child“ (Pilot und Episode 4)“ handelt es sich nicht um die Originalausschnitte, sondern um die Rekonstruktion dieser Szenen wie sie im Film schon teilweise zu sehen sind. Wer allerdings wirklich die originalen, ersten Episoden sehen möchte, sollte sich die DVD Box DOCTOR WHO – THE BEGINNING (Amazon UK) zulegen. Hier sind neben der Pilotepisode „An Unearthly Child“ in der ungeschnittenen Fassung und in der Endfassung noch weitere Folgen sowie jede Menge Bonusmaterial zu finden.

DVD Ausstattung

Doctor Who - TV Movie - DVD Cover

Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch (optional)
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 5.1
Anzahl der Disks: 1
Altersfreigabe: 0
Laufzeit: ca. 83 Min. + Bonus (ca. 25 Min.)
Extras: Booklet, Deleted Scenes, Making of u.a.
Verpackung: Wendecover, FSK-Button abziehbar
Label: polyband

Film + Bonus
  • Ein Abenteuer in Raum und Zeit (83:11 Min.)
  • Bonus
    William Hartnell: Der erste Doktor (05:03 Min.)
    Making of (erzählt von Carole Ann Ford) (10:56 Min.)
    Originalausschnitte Rekonstruktion von „An Unearthly Child“ (Pilot und Episode 4) (03:42 Min.)
    Regeneration (00:48 Min.)
    Abschied von Susan (00:56 Min.)
    Weihnachtsgrüße („The Dalek’s Master Plan“) (00:52 Min.)
    Titelvorspann (1963, An Unearthly Child & 2013, An Adventure In Space And Time) (01:21 Min.)
    Deleted Scenes: The Radiophonic Workshop (00:53 Min.)
    Verity’s Leaving Party (00:36 Min.)

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