Rezensionen, Serien
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Accused: Liebe, Angst und Mitgefühl

Accused
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© RSJ Films Ltd. 2012 – Sean Bean
Rezension: Staffel 2

Für die zweite Staffel der Anthologie-Serie ACCUSED hatte Kreateur Jimmy McGovern („Für alle Fälle Fitz“) zwar nur vier Episoden im Angebot, aber diese  sind nicht minder intensiv. Autorentechnisch wurde er – neben Shaun Duggan („EastEnders“), Carol Cullington („Where the Heart Is“) und Isabelle Grey („The Bill“) – wieder von Daniel Brocklehurst unterstützt, der als Stammautor für Paul Abbott („State of Play“, „Hit & Miss“) u.a. Drehbücher zu den Serien „Exile“, „Shameless“ und „Clocking Off“ lieferte.

Abermals geht es in den kleinen Geschichten um Menschen, die sich schuldig gemacht haben und das nicht aus einer kriminellen Veranlagung heraus, sondern aufgrund der Umstände und den daraus resultierenden, falschen Entscheidungen. Einmal mehr ist die Dramaturgie hervorragend, denn man ahnt bis zum Schluss nicht, weswegen die Protagonisten letztlich vor den Richter treten müssen.

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© RSJ Films Ltd. 2012 – Stephen Graham, Sean Bean

In Tracies Geschichte (OT: „Tracie’s Story“) lernen wir Simon Gaskell (Sean Bean, „Game of Thrones“) kennen, einen unscheinbaren Literaturlehrer. Allabendlich entflieht er seiner Einsamkeit und verwandelt sich mit Make up und Cross-Dressing in die wesentlich auffälligere und mutigere Tracie Tremarco. Als Simon in seiner Rolle seines Alter Egos Tracie in einer Bar Tony Baines (Stephen Graham, „Boardwalk Empire“) kennenlernt, ist er gar bereit, seine mittlerweile zynische Sichtweise auf die Liebe über Bord zu werfen. Bald muss er jedoch erkennen, dass auch Tony zu den Männern gehört, die ihre Homosexualität nur im Geheimen ausleben können. Schlimmer noch. Tony behauptet, Witwer zu sein. Als Simon die Wahrheit erfährt, ist das Drama vorprogrammiert.

Tracie: „Hör zu! Das ist jetzt mal rein spekulativ. Mir scheint, ich hab‘ dich ein bisschen aus der Fassung gebracht. Könnte das sein?“
Alan: „Ja.“
Tracie: „Soll ich dir auch sagen, warum? Warum gerade dich und nicht deine Kumpel?“
Alan: „Ja, ja. Nur zu.“
Tracie: „Das liegt daran, dass sie mit ihrer Sexualität im Reinen sind. Die müssen ihre Männlichkeit nicht mehr beweisen.“

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© RSJ Films Ltd. 2012 – Thomas Brodie-Sangster, Anne-Marie Duff

Eine Freundschaft zerbricht in Mos Geschichte (OT: „Mo and Sue’s Story“). Und das auf die denkbar schlimmste Weise. Mo Murray (Anne-Marie Duff, „Shameless“) und Sue Brown (Olivia Colman, „Broadchurch“) sind nicht nur beste Freundinnen. Sie arbeiten auch gemeinsam in Mos Friseurladen. Die Kriminalität des von hoher Arbeitslosigkeit betroffenen Viertels ist dramatisch angestiegen, seit Drogendealer die Jugendlichen für ihre Zwecke missbrauchen. Gangs haben sich etabliert, die sich nun bekämpfen. Und das hat tödliche Konsequenzen. Bald müssen Mo und Sue erkennen, dass auch ihre Söhne Jake (Thomas Brodie-Sangster, „Game of Thrones“) und Sean (Oliver Lee, „Waterloo Road“) Mitglieder dieser Banden sind. Als die beiden Frauen sich auflehnen und die Drohungen von Martin Cormack (Joe Dempsie, „Skins“) ignorieren – ein Mittelsmann der Dealer – geschieht ein weiterer Mord.

Sue: „Wenn Menschen erfahren, dass sie Krebs haben, machen sie alle möglichen Sachen. Fallschirmsprünge, Marathonläufe. Hier ’ne Stiftung, da ’ne Stiftung. Wenn’s dich selber nicht trifft, sondern deinen Sohn, ist das Gefühl noch zehnmal stärker. Okay, mein Sohn hat nie was zustande gebracht im Leben, aber im Tod dafür schon. Er ist gestorben, damit so was nie wieder geschieht. Er ist tot und andere sollen leben. So wie Jesus.“

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© RSJ Films Ltd. 2012 – Robert Sheehan

Um Trauerverarbeitung geht es in Stephens Geschichte (OT: „Stephen’s Story“). Die Mutter von Stephen (Robert Sheehan, „Misfits“) und Dom Cartwright (Josh Bolt, „Last Tango in Halifax“) ist an Krebs erkrankt und hat nur noch kurze Zeit zu leben. Für die häusliche Pflege hatte Peter (John Bishop, „John Bishop’s Britain“), der Vater der beiden Jungs, die Krankenschwester Charlotte (Sheridan Smith, „Mrs Biggs“) engagiert. Nur wenige Wochen nach der Beerdigung eröffnet Peter seinen Söhnen, dass er mit Charlotte eine Beziehung führt und sie ins gemeinsame Haus einziehen wird. Der Gemütszustand des ohnehin schon sensiblen Stephen verschlechtert sich zusehends.  Während sein jüngerer Bruder versucht, sich mit der neuen Situation zu arrangieren, fällt es Stephen ungleich schwerer. Seine Abneigung gegenüber Charlotte, die es dem Jungen ihrerseits nicht gerade leicht macht, entwickelt sich zu einer Paranoia.

Stephen: „Was ist nur mit euch los? Ich hab‘ versucht, zu verstehen, warum ihr den Tod alle so geil findet.“
Olivia: „Was?“
Stephen: „Ich glaub‘, es liegt daran, dass es in eurem Leben keine echten Gefühle gibt. Und wenn ihr woanders welche seht, wollt ihr was davon ab. Gut. Einverstanden. Geht klar. Sobald wir hier fertig sind, komme ich mit zu dir und ich öffne dir mein Herz. Wir wischen uns die Tränen ab und hüpfen in die Kiste? So stellst du es dir vor? Gibt’s noch ’nen Soundtrack dazu? ‚Fix You‘ von Coldplay oder Robbie Williams vielleicht…“

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© RSJ Films Ltd. 2012 – Anna Maxwell Martin, Ewen Bremner

Tinas Geschichte (OT: „Tina’s Story“) führt schlussendlich einige Erzählstränge zusammen. Tina Dakin (Anna Maxwell Martin, „Bleak House“) arbeitet als Justizvollzugsbeamtin und ist dabei, den zuvor verurteilten Stephen Cartwright in seine Zelle zu führen. Da sie das Gefühl hat, dass Stephen sich etwas antun könnte, bittet sie ihren Kollegen Frank Best (Ewen Bremner, „Snatch – Schweine und Diamanten“), den Jungen mit jemand anderen zusammenzulegen. Doch durch sein Versäumnis geschieht genau das, was Tina befürchtet hatte. Die dreifache Mutter, die noch versucht, Stephen wiederzubeleben, ist am Boden zerstört. Tina fühlt sich schuldig, ist jedoch zunächst bereit, Franks Fehler zu vertuschen. Die Konfrontation mit Peter Cartwright ändert dies. Als Tina ihrem Kollegen erklärt, nun die Wahrheit sagen zu wollen, setzt Frank sie mit perfiden Mitteln unter Druck.

Tina: „Du hast auf die Uhr gesehen.“
Frank: „Was?“
Tina: „Gerade eben in der Zelle.“
Frank: „Und?“
Tina: „Er spricht über seinen Sohn. Und du siehst auf die Uhr.“
Frank: „Ja. Wir haben ja noch was zu tun.“

Als eine Art Konstante in allen vier Geschichten kann Michael Maloney („The White Queen“) in der Rolle des Richters überzeugen, der stets fair und einfühlsam urteilt. Wie schon in der ersten Staffel treffen die wunderbaren Geschichten mitten ins Herz. Sie sind anrührend, ehrlich, schnörkellos und verzichten auf unnötiges Pathos. Die hervorragenden Darsteller spielen ihre jeweiligen Charaktere absolut glaubhaft – allen voran Sean Bean, der hier für seine Leistung 2013 den EMMY und den RTS Television Award gewann.

Bislang gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf, dass ACCUSED fortgeführt wird, was aber bei britischen Serien rein gar nichts heißen muss.

Die zweite Staffel von ACCUSED – EINE FRAGE DER SCHULD wurde von justbridge Entertainment am 16.05.2014 auf DVD und diesmal auch auf Blu-ray veröffentlicht. Wie schon in der VÖ zur ersten Staffel, bietet die spartanische Ausstattung weder Untertitel noch Extras. Aber auch hier sei nochmals erwähnt, dass die britische Variante von Acorn Media ebenso auf Bonusmaterial verzichtete. Schlussendlich ist so etwas ohnehin immer davon abhängig, ob die Produzenten einer Serie dieses Material anbieten.

DVD Ausstattung

Accused - Staffel 2 - DVD Cover

Coverfoto: justbridge Entertainment

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 16:9
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 2
Altersfreigabe: 16
Laufzeit: ca. 240 Min. (4 x ca. 60 Min.)
Extras: keine
Verpackung: Scanavo im Schuber, kein Wendecover
Label: justbridge Entertainment

Episoden – Disc 1
  • 2.01 Tracies Geschichte (59:21 Min.)
  • 2.02 Mos Geschichte (59:16 Min.)
Episoden – Disc 2
  • 2.03 Stephens Geschichte (59:23 Min.)
  • 2.04 Tinas Geschichte (59:23 Min.)

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