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Poirot: Da liegt ein toter Mann hinter meinem Sofa

Poirot
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© Carnival Film, ITV 2010, polyband – „Hallowe’en Party“ – David Suchet
Rezension: Collection 11

Von sich selbst in der dritten Person zu sprechen, zeugt nicht unbedingt von tadelloser, geistiger Gesundheit. Bei Hercule Poirot ist dies nur eine seiner liebenswerten Schrullen. Mit Collection 11 präsentiert polyband (seit dem 28.03.2014) die zwölfte und somit vorletzte Staffel dieser hinreißend altmodischen Kriminalgeschichten um Agatha Christies belgischen Detektiv. In Großbritannien sind inzwischen alle Poirot-Geschichten abgefilmt und die letzten fünf Episoden wurden auf ITV von Juni bis November 2013 ausgestrahlt.

Superintendent Crossfield: „Wir sind sicher, dass der Butler der Mörder ist.“

Eine NIKOTIN Vergiftung führt zum Ableben von Reverend Babbington (Nigel Pegram, „Outside Edge“). Da zunächst kein Gift gefunden wird, geht Poirot (David Suchet, „Terry Pratchett’s Going Postal“), der während der Party seines Freundes Sir Charles Cartwright (Martin Shaw, „George Gently“) dem Todesfall beiwohnte, von einem natürlichen Dahinscheiden aus. Doch nur kurze Zeit später fällt Sir Bartholomew Strange (Art Malik, „Rückkehr ins Haus am Eaton Place“, „Borgia“) auf seiner eigenen Party ebenfalls dem Mörder zum Opfer.

Poirot

© Carnival Film, ITV 2010, polyband, Foto: Karen Thrussell – „Three Act Tragedy“ – vlnr: Martin Shaw, David Suchet, Art Malik

Mit Ausnahme von Cartwright und Poirot selbst war hier die Gästeliste identisch. Für den Meisterdetektiv liegt auf der Hand, dass sich der Täter unter diesen Gästen befinden muss. Gemeinsam mit Cartwright und der entzückenden Miss Lytton Gore (Kimberley Nixon, „Fresh Meat“) – die man schon bald als Verdächtige ausschließen kann – befragt Poirot alle Gäste der jeweiligen Partys. Er lässt den verstorbenen Reverend exhumieren und lädt zu einer eigenen Sherry-Party ein.

Poirot: „Ah, das ist Mademoiselle Lytton Gore. Ihr Spitzname ist ein wenig amüsant.“
Miss Milray: „Egg. Wieso nennt man sich Ei? Aber sie ist schon ausgekocht.“

Cartwright: „Sie sollten nicht davon ausgehen, dass ich, nur weil ich als Schauspieler arbeite, komplett bescheuert bin.“

DIE HALLOWEEN-PARTY hält eine grausame Überraschung parat. Ein junges Mädchen wird ertränkt. Noch kurz zuvor hatte Joyce (Macy Nyman) damit geprahlt, vor einigen Jahren einen Mord beobachtet zu haben. Die Kriminalschriftstellerin Ariadne Oliver (Zoë Wanamaker, „My Family“), die gerade Gast im Haus von Judith Butler (Amelia Bullmore, „Scott & Bailey“) und ihrer Tochter Miranda (Mary Higgins) ist, benachrichtigt umgehend Poirot und bittet ihn um Hilfe. Der sucht zunächst Mrs Goodbody (Paola Dionisotti, „Forever Green“) auf, von der es heißt, dass sie schlicht über alles im Dorf Bescheid weiß.

Poirot

© Carnival Film, ITV 2010, polyband – „Hallowe’en Party“ – David Suchet, Zoë Wanamaker

Sie erzählt von drei verdächtigen Todesfällen bzw. Morden in der Vergangenheit. Die junge Lehrerin Beatrice White war ertrunken. Der Anwaltsgehilfe Lesley Ferrier wurde erstochen und Mrs Llewellyn-Smythe (Phyllida Law, „Albert Nobbs“) wurde möglicherweise das Opfer einer Vergiftung. Während Poirot ermittelt, kommt es zu weiteren Mordfällen. Nach „Die Katze im Taubenschlag“ ist DIE HALLOWEEN-PARTY die zweite Autorenarbeit von Mark Gatiss („Sherlock“) für „Agatha Christie’s Poirot“.

Miranda: „Sind Sie der Detektiv?“
Poirot: „Ah oui. Hercule Poirot. Er ist der größte Detektiv der ganzen Welt.“

Mrs Goodbody: „Ich hab‘ früher bei ihr geputzt. Sie hat mich rausgeworfen und holte sich… ein äh… ein Dingsda… ein Opernmädchen.“
Poirot: „Opernmädchen? […] Ah. Au-pair-Mädchen.“
Mrs Goodbody: „Ja, hab‘ ich gesagt.“

Der MORD IM ORIENT-EXPRESS zählt sicher zu den bekanntesten Geschichten, die von Agatha Christie verfilmt worden sind. Die Geschichte um einen Mord im legendären Orient Express Zug, der im Schnee stecken bleibt und somit Poirot Zeit für die Aufklärung gibt, wurde u.a. von Regisseur Sidney Lumet 1974 mit Albert Finney in der Hauptrolle umgesetzt. Lumets Star-besetzter Kinofilm war farbenfroh und mit einem Hauch Ironie versehen.

Die TV-Version von Regisseur Philip Martin („Einstein and Eddington“) und Drehbuchautor Stewart Harcourt („Agatha Christie’s Marple“) ist reduzierter, düsterer und realistischer. Man versuchte nicht nur, dem aktuellen Zeitgeschehen Rechnung zu tragen, sondern zeigte auch eine starke, innere Zerrissenheit des Detektivs, die David Suchet hervorragend in sein Spiel einbrachte. Es bricht einem fast das Herz, wenn Poirot am Schluss eine Entscheidung trifft, die allem widerspricht, was ihn ausmacht und er in der letzten Szene versucht, seine Tränen zurückzuhalten.

Poirot: […] „War er Ihrer Ansicht nach ein Gentleman?“
Masterman: „Nicht im Geringsten. Aber er hatte Geld. Steckt man eine Kanalratte in einen Anzug, ist sie dennoch eine Kanalratte. Nur in einem Anzug.“

Poirot

© Carnival Film, ITV 2010, polyband – „Murder On The Orient Express“ – Toby Jones, David Suchet

Für diese Episode gibt es diesmal interessantes Bonusmaterial. Zum einen kommen die exzellent besetzten Schauspieler und die Crew in einem viertelstündigen Making-of zu Wort. Zum anderen kann man gemeinsam mit David Suchet in der Dokumentation „David Suchet an Bord des Orient-Express“ eine „Reise“ in eben jenem Orient-Express machen und erfährt viel von der Geschichte dieses berühmten Zuges.

Zu den Gaststars von MORD IM ORIENT-EXPRESS zählen u.a. David Morrissey („The Walking Dead“), Hugh Bonneville („Downton Abbey“), Eileen Atkins („Rückkehr ins Haus am Eaton Place“, „Psychoville“), Toby Jones („Dame, König, As, Spion“), Barbara Hershey („Once Upon a Time“), Samuel West („Mr Selfridge“) und die leider schon 2012 verstorbene, deutsche Schauspielerin Susanne Lothar („Der Vorleser“) als Hildegard Schmidt.

In den Vorwehen des Zweiten Weltkriegs befindet sich Poirot AUF DOPPELTER SPUR. Als die junge Sekretärin Sheila Webb (Jaime Winstone, „Dead Set“) wie vereinbart bei Miss Pebmarsh (Anna Massey, „Ernst sein ist alles“) eintrifft, findet sie das Haus unverschlossen vor und hinter dem Wohnzimmersofa liegt eine männliche Leiche. Schreiend rennt Sheila direkt in die Arme von Lt. Colin Race (Tom Burke, „The Musketeers“), der zufällig gerade in der Straße wegen des Todes seiner Kollegin und Freundin Fiona Hanbury (Anna Skellern, „Lip Service“) ermittelt.

Mabbutt: „Ein Jammer, dass nicht die Blands ermordet wurden oder gleich die gesamte Nachbarschaft. Diese Katzen-Lady hat mit Sicherheit keine Existenzberechtigung.“

Als Poirot durch Race in die Untersuchung involviert wird, ist der zuständige Inspector Hardcastle (Phil Daniels, „EastEnders“) nicht sonderlich begeistert. Verwirrend ist zunächst, dass Miss Pebmarsh gar keine Schreibkraft bestellt hatte und dass zudem im Wohnzimmer Uhren gefunden wurden, die ihr nicht gehören. Nun gilt es, die Identität des Toten festzustellen und die Nachbarn von Miss Pebmarsh zu befragen.

Poirot

© Carnival Film, ITV 2010, polyband – „The Clocks“ – Geoffrey Palmer, David Suchet, Tom Burke

Jenny: „Und wie heißen Sie?“
Poirot: „Hercule Poirot.“
Jenny: „Das ist doch kein Name. Das ist ein Geräusch.“

Auf die wie immer liebevoll gestaltete Box und die exzellente DVD Ausstattung von polyband braucht man kaum mehr hinzuweisen. AGATHA CHRISTIE’S POIROT scheint ein Herzensprojekt des Labels zu sein, das nach wenigen TV Ausstrahlungen für die weitere Synchronisation gesorgt hatte, um den deutschen Fans diese hochkarätige Serie nicht vorzuenthalten. Diesmal ist auch das schon erwähnte Bonusmaterial dabei und man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass polyband zügig die letzte Staffel veröffentlichen wird.

Miss Wills: „Ich hatte gerade einen furchtbaren Gedanken. Wenn jeder den vergifteten Cocktail hätte kriegen können, hätte es auch mich erwischen können.“
Poirot: „Und es gibt eine Möglichkeit, die noch grauenvoller ist, Mademoiselle. Es hätte mich erwischen können.“

DVD Ausstattung
Poirot - Collection 11 - DVD Cover

Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (optional)
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 4
Altersfreigabe: 6/12
Laufzeit: ca. 360 Min. (4 x ca. 90 Min.) + Bonus (ca. 61 Min.)
Extras: umfangreiches Booklet, Blick hinter die Kulissen: „Mord im Orient-Express“, David Suchet an Bord des Orient-Express
Verpackung: DigiPak im Schuber
Label: polyband

Episoden
  • Disc 1 – 12.02 Nikotin – Three Act Tragedy (1:28:59)
  • Disc 2 – 12.03 Die Halloween-Party – Hallowe’en Party (1:28:47)
  • Disc 3 – 12.04 Mord im Orient-Express – Murder On The Orient Express (1:29:07)
    Bonus: Blick hinter die Kulissen (14:16 Min.), David Suchet an Bord des Orient-Express (46:59 Min.)
  • Disc 4 – 12.01 Auf doppelter Spur – The Clocks (1:29:06)

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