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Ripper Street: Mörder, Huren und Blauröcke

Ripper Street
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© Tiger Aspect 2012, Foto: Amanda Searle – vlnr: MyAnna Buring, Adam Rothenberg, Matthew Macfadyen, Jerome Flynn, Charlene McKenna
Rezension: Staffel 1

1888 erschütterten die Taten eines Mannes die Geschichte der Kriminalität. Er wurde zwar nicht zum ersten, aber zum berühmtesten Serienmörder der Welt. Bis heute ist die Identität von Jack the Ripper unbekannt. Der Täter, der in London fünf Prostituierte getötet haben soll, ist nie gefasst worden. Wohl auch deshalb wurden seine grausamen Morde über ein ganzes Jahrhundert hinweg in Büchern, TV Serien und Filmen zu einem wahrgewordenen Schauermärchen stilisiert. Unzählige Autoren und Amateurdetektive versuchten sich an der Aufklärung dieser Mordserie und boten dem interessierten Leser etliche Verdächtige.

Richard Warlow, der als Autor Episoden für Serien wie „Waking the Dead“ und „Mistresses“ schrieb, setzte mit seiner ersten, eigenen Serienkreation beim Publikum eine Punktlandung. Das viktorianische Krimidrama Ripper Street beginnt im Jahr 1889 und beleuchtet die Arbeit der H-Division in Whitechapel.

Sechs Monate nach den Ripper Morden ist die zuständige Polizeibehörde immer noch angeschlagen. Den Fund einer weiteren Frauenleiche nutzt die hiesige Presse einmal mehr zur  Stärkung der Auflage. Chefreporter des „Star“, Fred Best (David Dawson, „Secret Diary of a Call Girl“), ist sich nicht zu schade, dabei ein wenig nachzuhelfen. Schon während der Untersuchungen im Fall Jack the Ripper war Best eher hinderlich.

Ripper Street

© Tiger Aspect 2012, Foto: Jonathan Hession – Adam Rothenberg

Der Leiter der H-Division, Detective Inspector Edmund Reid (Matthew Macfadyen, „Spooks“, „Die Säulen der Erde“), ist sich seiner Verantwortung wohl bewusst. Nicht nur Best sitzt ihm im Nacken. Auch der für die Ripper Morde zuständige Chief Inspector Frederick Abberline (Clive Russell, „Game of Thrones“) gerät in Panik.

Um das Trauma des Misserfolgs nicht wieder aufleben zu lassen, will Reid absolut sicher sein, dass es sich bei der Toten nicht um ein weiteres Ripper Opfer handelt. Er beauftragt den ehemaligen, aus Amerika stammenden, Militär-Chirurg Captain Homer Jackson (Adam Rothenberg, „Mad Money“), mit der Obduktion der Leiche. Obwohl sich Jackson lieber den Frauen, dem Alkohol und dem Glücksspiel hingeben würde, sind seine medizinischen Kenntnisse und seine Kombinationsgabe für Reid unabdingbar.

Zu Jacksons weiterer Reputation – auch wenn Abberline diese abschätzig kommentiert – zählt seine ehemalige Mitgliedschaft bei der Pinkerton-Agentur, einer US-amerikanischen Detektei, die nicht nur Verbrechen aufklärte, sondern auch eine entscheidende Rolle bei der Gründung des militärischen Geheimdienstes spielte. Sowohl diese Vergangenheit als auch seine Beziehung zu Bordell-Besitzerin Susan „Long Susan“ Hart (MyAnna Buring, „Downton Abbey“) spielt innerhalb der ersten Staffel eine Rolle. Hier wird deutlich, dass Jackson und Susan nicht unbedingt freiwillig in London sind und es daher durchaus angebracht ist, sich mit Reid gutzustellen.

Ripper Street

© Tiger Aspect 2012, Foto: Jonathan Hession – vorne: MyAnna Buring

Susan: „Du solltest aufhören, ihn mit deiner Zuneigung zu umschwärmen.“
Jackson: […] „Wir leben hier. Und wenn dieser Mann meine Freundschaft sucht, habe ich keine Einwände. Denn ist er nicht mein Freund, ist er ein Feind. Und so einen Feind können wir uns nicht leisten.“

Detective Sergeant Bennet Drake (Jerome Flynn, „Game of Thrones“) ist Reids Mann fürs Grobe und damit überwiegend für die „Informationsbeschaffung“ bei unwilligen Verdächtigen zuständig. Doch diese destruktive, demoralisierende Tätigkeit macht ihm zunehmend zu schaffen. Nicht nur, weil er tief im Innern eigentlich ein warmherziger und zurückhaltender Mann ist.

Drake kämpft auch immer noch mit den Dämonen des Krieges. In der Episode „Das Totengericht“ trifft er seinen ehemaligen kommandierenden Offizier Madoc Faulkner (Iain Glen, „Jack Taylor“) wieder, mit dem er im Sudan gedient hatte. Zudem verliebt sich der in Beziehungsdingen eher unbeholfene Drake in die schöne Prostituierte Rose Erskine (Charlene McKenna, „Raw“).

Susan: „Die Wahrheit dieser Welt ist, dass sie von Männern nach ihren Vorlieben und Wünschen geschaffen wurde. Und du, Darling… es gibt nicht eine primitive Sehnsucht in ihren Kindsköpfen, die du nicht erfüllst.“
Lucy: „Das ist mein Fluch, Miss. Weil die Welt ihren Vorteil daraus zieht. Nur ich nicht. Und ich kann ihm, wie es aussieht, nicht entkommen.“

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© Tiger Aspect 2012, Foto: Jonathan Hession – Jerome Flynn, Matthew Macfadyen

Neben den interessanten und spannenden Charakterzeichnungen der drei männlichen Protagonisten kommen auch die Frauen nicht zu kurz. So sollte man sich besser nicht mit Long Susan anlegen, die ihr Hurenhaus mit liebevoller Strenge führt, immer eine Waffe bei sich trägt und diese auch zu nutzen weiß. Sie teilt mit Jackson ein dunkles Geheimnis und anders als er findet sie die Zusammenarbeit mit den Blauröcken eher gefährlich als förderlich.

Reids Ehefrau Emily ist mit Amanda Hale („The Crimson Petal and the White“) trefflich besetzt. Eine sehr sanfte aber auch äußerst willensstarke Frau, die die Trauer um ihr Kind mit der Unterstützung mitteloser, geschlagener und gefallener Frauen kompensiert. Und dann wäre da noch Deborah Goren (Lucy Cohu, „Lightfields“, „Torchwood“), die ein jüdisches Waisenhaus leitet und ein ums andere Mal in Reids Ermittlungen involviert wird.

Deborah: „Wie kommen Sie an dieses arme Kind?“
Reid: „Ihre Mutter ist tot und ihre Schwester… ihre Schwester ist nicht in der Lage, zu helfen.“
Deborah: „Kein Vater oder Onkel?“
Reid: „Männer waren der Ruin der Familie, Miss Goren.“
Deborah: „Oh, das trifft nicht nur auf diese zu, Inspector. […] Sie sehen das anders?“
Reid: „Nein, nein. Nur, weil meine Frau das auch oft sagt.“
Deborah: „Mrs. Reid muss eine Frau voller Klarheit und Scharfsinn sein.“

Ripper Street

© Tiger Aspect 2012, Foto: Jonathan Hession – Charlene McKenna

Gekonnt verwebt Richard Warlow ein faktenreiches Fundament mit unterhaltsamen Geschichten und modernen Ansätzen in Sachen Verbrechensaufklärung. Er integriert sowohl reale, historische Personen als auch Ereignisse und sozialpolitische Gegebenheiten jener Zeit. So waren Edmund Reid und Frederick Abberline tatsächlich die für die Ripper Morde zuständigen Polizeibeamten. Aus dramaturgischen Gründen wurde der familiäre Hintergrund von Reid jedoch stark verändert.

Trotzdem die Taten des Ripper nach wie vor wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Polizisten der H-Division hängt, vergisst Detective Inspector Edmund Reid keinesfalls seine eigentliche Aufgabe. In dieser ersten Staffel ermittelt er mit der tatkräftigen Unterstützung von Drake und Jackson in Fällen von brutalen Morden, Straßengangs, einer vermeintlichen Seuche, Raub, der russischen Geheimpolizei und Menschenhandel. Am Ende der ersten Episode stellt er Best und Abberline gegenüber klar, dass die Arbeit auch ohne die Aufklärung der Ripper Morde weitergehen muss.

Reid: „Jetzt verlange ich, dass wir uns an Folgendes halten. Wir empfinden ein wenig Freude über seine Abwesenheit. Und wir werden aufhören, jede Untat vor unseren Augen mit ihm in Verbindung zu bringen. […] Wir haben getan, was wir konnten mit allen Mitteln, die uns erlaubt waren und darüber hinaus. Jetzt können wir nur noch hoffen, dass er fort ist und fort bleibt. Ich werde ihm nicht länger mein Leben opfern.“

Im Fazit ist Ripper Street quasi das britische Äquivalent zur modernen, amerikanischen Western– bzw. Historienserie wie „Deadwood“, „Hell on Wheels“ oder auch „Copper“ – unverblümt, schmutzig, brutal, blutig und sexy. Ein detailreiches Set, farbenfrohe Kostüme, spannende Geschichten, gut ausgearbeitete Charaktere und exzellente Schauspieler machen Ripper Street zu einer „must see“ Serie.

Auch die Gaststars können sich sehen lassen, zu denen u.a. Steven Robertson („Being Human“), Joseph Gilgun („Misfits“), Patrick Baladi („Mistresses“), Paul McGann („Luther“), Anton Lesser („The Hour“), Edoardo Ballerini („Boardwalk Empire“) und David Oakes („The White Queen“) gehören.

Ripper Street

© Tiger Aspect 2012, Foto: Jonathan Hession – Matthew Macfadyen, Sarah Gallagher

Als die BBC 2013 die Serie nach dem Ende der zweiten Staffel mit der Begründung einer schwachen Quote einstellte, war die Empörung der Fans groß. Es hieß, dass die Quoten wohl eher wegen schlechter Programmplanung und weniger wegen eines schwindenden Interesses der Zuschauer sanken. Kurzum wurden Petitionen zur Rettung von Ripper Street ins Leben gerufen und die BBC mit E-Mails überhäuft. Auch die Schauspieler meldeten sich in den sozialen Netzwerken und in Interviews zu Wort.

Die Mühe hatte sich gelohnt. Nach längeren Verhandlungen wurde am 26. Februar 2014 verkündet, dass das Unternehmen Amazon eine dritte Staffel produzieren wird. Diese wird zunächst auf der firmeneigenen VoD-Plattform Amazon Prime Instant Video zu sehen sein und einige Monate später auch auf BBC One. Die Dreharbeiten sollen bereits im Mai dieses Jahres beginnen.

polyband veröffentlicht die erste Staffel am 28.02.2014 mit gewohnt guter Ausstattung. So sollte man sich die Episoden ruhig mal im englischen Originalton (wahlweise mit oder ohne Untertitel) gönnen, da die echten Stimmen der Schauspieler – allen voran die rauchige Stimme von Charlene McKenna – den Geschichten ihren ganz eigenen Charme verleihen. In einem circa zwölfminütigen „Behind the Scenes“ kommen Cast und Crew zu Wort und berichten von den Dreharbeiten.

Im deutschen Fernsehen ist die erste Staffel zurzeit auf zdf_neo und im ZDF zu sehen.

DVD Ausstattung
Ripper Street - Staffel 1 - DVD Cover

Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch (optional)
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 5.1
Anzahl der Disks: 3
Altersfreigabe: 16
Laufzeit: ca. 400 Min. (8 x ca. 50 Min.) + Bonus (ca. 12 Min.)
Extras: Walking Whitechapel: Behind the Scenes of Ripper Street (mit engl. und deutschen UT, optional)
Verpackung: Softbox mit O-Card, kein Wendecover
Label: polyband

Episoden – Disc 1
  • 1.01 Ich brauche Licht (52:15 Min.
  • 1.02 Der schweigende Junge (51:42 Min.)
  • 1.03 König Cholera (52:07 Min.)
Episoden – Disc 2
  • 1.04 Die Edlen der Stadt (52:15 Min.)
  • 1.05 Das Totengericht (52:15 Min.)
  • 1.06 Die Schatten (52:14 Min.)
Episoden – Disc 3
  • 1.07 Einer meiner Männer (52:15 Min.)
  • 1.08 Wozu die Mühe? (52:15 Min.)
  • Bonus: Walking Whitechapel: Behind the Scenes (12:29 Min.)
  • Trailer: Top of the Lake, A Young Doctor’s Notebook, Doctor Who, Ashes to Ashes

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