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Robin Hood: Denn im Wald da sind die Räuber, Teil 1

Robin Hood
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© Tiger Aspect Productions, BBC 2009 – Sam Troughton, David Harewood, Joanne Froggatt, Jonas Armstrong, Gordon Kennedy, Joe Armstrong
Rezension: Staffel 3, Teil 1

Im Jahr 2006 begann der britische TV-Sender BBC mit der Produktion einer neuen Adaption der „Robin Hood“-Legende als wöchentliche Fernsehserie, um den großen Pophelden Englands fit für eine neue Zuschauer-Generation zu machen. Für die Umsetzung der alten Geschichten in modernisiertem Gewand engagierte man die Produzenten Dominic Minghella und Foz Allan, welche nach einer 13 Episoden langen ersten Staffel schnell Grünes Licht für eine gleichlange zweite Staffel bekamen.

Auch dort blieben sie ihrem Schema treu und erzählten action- und humorreich familientaugliche Abenteuer, auch wenn die Tonlage vor allem gegen Ende langsam etwas düsterer wurde. Gedreht wurde durchgehend mit einer größtenteils sehr jungen Besetzung im kostengünstigen und waldreichen Ungarn. Nachdem sich in Staffel eins alle gut in ihre Rollen eingelebt hatten, wurden diese in Staffel zwei ausgebaut und teilweise (s. Alan A Dale) auch stärker verändert.

Die Staffel mündete in einem spannenden Zweiteiler, welcher nicht nur den Sheriff und seinen Gefolgsmann Sir Guy ins Heilige Land führte, sondern auch Robin Hood und seine Freunde. Während der Sheriff dem König von England nach dem Leben trachtete, setzte Robin alles daran, den König zu retten, auch wenn dieser ihn irrtümlich für einen Verräter hielt. Zu guter Letzt kann der Mordanschlag zwar vereitelt werden, doch dafür muss ein hoher Preis gezahlt werden. Damit werden die Karten für Staffel drei – wieder 13 Episoden lang – gelungen neu gemischt.

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2009

England im Jahr 1192
Robin von Loxley (Jonas Armstrong), der sich unter dem Namen Robin Hood als Geächteter im Sherwood Forest verstecken musste, macht von dort aus das, was er am besten kann; von den Reichen und Mächtigen stehlen und die Beute den Armen zuteilwerden lassen. Mit seiner Schar an Outlaws betreibt er dabei fortwährend ein gefährliches „Katz und Maus“-Spiel mit dem Sheriff von Nottingham (Keith Allen), welcher die Bande so schnell wie möglich aus dem Weg haben will.

Des Sheriffs üble Machenschaften beschränken sich jedoch nicht auf reine Macht- und Geldgier. In Abwesenheit des Königs bildet er eine Verschwörung der Schwarzen Ritter mit dem Ziel, den König nach dessen Rückkehr aus dem Heiligen Land zu ermorden und damit dessen Bruder Prinz John (Toby Stephens) auf den Thron zu verhelfen.

Als Robin und seine Freunde diesen Plan vereiteln, geht der Sheriff zum Angriff über und versucht, den König im Ausland zu ermorden. Robin gelingt es erneut, des Sheriffs Pläne zu durchkreuzen, doch seine geliebte Marian (Lucy Griffiths) muss den Preis dafür bezahlen und stirbt durch die Hand des ebenfalls in sie verliebten Guy of Gisborne (Richard Armitage). Als gebrochener Mann kehrt Robin in die Heimat zurück. Ist der Kampf nun verloren?

Prinz John: „Liebt Ihr mich?“

Mit dem zweiteiligen Finale der zweiten Staffel bekam der Zuschauer einiges zu schlucken. Vor allem jene, welche die Geschichten um Robin Hood bereits auswendig kannten, hätten wohl nicht damit gerechnet, dass man die holde Lady Marian opfern würde. Geschickt wurde hier mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt, denn bereits im Finale der ersten Staffel war Marian scheinbar tot, kehrte dann aber zurück. Diesmal nicht.

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2009 – Richard Armitage, Keith Allen, Lee Ross

Zudem verliert Robin zwei weitere Gefolgsleute, denn Will Scarlett und Djaq haben sich endlich ihre Liebe eingestanden und bleiben im Heiligen Land zurück. Wenigstens für ein Paar ein Happy End. Und für die Darsteller geht das Leben ohnehin weiter. „Will Scarlett“ Harry Lloyd absolvierte ein paar kleinere Gastspiele, ehe er mit seiner Rolle in der ersten Staffel von „Game of Thrones“ 2011 einen riesen Erfolg verbuchen konnte. Für die vielgelobte Thriller-Mini-Serie „The Fear“ wurde er 2013 als bester Nebendarsteller für den BAFTA nominiert. Gerade bereitet er den Sprung in die Spielfilme vor, von denen er derzeit vier in Produktion hat.

„Djaq“ Anjali Jay, deren größter Erfolg vor „Robin Hood“ eine Hauptrolle in der eher unbekannten Komödie „Blind Dating“ (2006) neben „Star Trek“-Star Chris Pine war, tritt seit ihrem Ende bei „Robin Hood“ gelegentlich in Gastrollen bei kanadischen Serien auf (u.a. „Sanctuary“ und „Flashpoint“). Derzeit dreht sie einen US-Fernsehfilm – ebenfalls im kanadischen Vancouver („Blink“).

Mit dem Tod von Marian und dem Verlust zweier weiterer Figuren, boten sich der Serie vielversprechende dramaturgische Möglichkeiten. Der gebrochene Robin weist in der ersten neuen Folge zunächst auch alle von sich und ist nur von Rache an Gisborne besessen. Der wiederum kämpft wegen seiner Tat mit den eigenen Dämonen, was auch Darsteller Richard Armitage viel Material zum Ausloten bietet. Ebenfalls gelungen ist das erneute Upgrade der Ausstattung. Alle Charaktere haben einmal mehr schicke neue Kostüme bekommen, die tatsächlich ordentlich was hermachen.

Und auch mit guten Geschichten geht es zunächst weiter. Man beschäftigt sich so u.a. mit der Legenden-Bildung um Robin, ein Thema, das schon mehrfach angeschnitten aber nie so sehr vertieft wurde. Dabei wird die Frage aufgestellt wer wichtiger ist, die Person Robin Hood selbst oder die Legende und das Symbol, welches sie darstellt.

Auch die Einbindung der Kirche und ihr Einfluss auf die Menschen des Mittelalters sind gelungene Elemente. Darüber hinaus hat auch der Sheriff von Nottingham seine eigenen Sorgen, denn die Unterstützung von Prinz John ist nach seinem Versagen bei weitem nicht mehr so groß wie einst und auch Gisborne lässt sich nicht mehr alles gefallen.

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2009 – Richard Armitage, Joanne Froggatt

Es gibt also viele interessante, große und kleine Geschichten in der frühen dritten Staffel. Und dennoch verfällt man schnell wieder in den alten Trott. Da gibt es wieder Episoden, wo man sich mit der Hand vor den Kopf schlagen muss, so dumm benehmen sich die Figuren. Robins Trauer um Marian ist nach der ersten Folge im Grunde auch abgehandelt. Hier leidet Gisborne noch deutlich länger. Die späteren Folgen dieser ersten Staffelhälfte werden inhaltlich immer schwächer, verglichen mit dem starken Auftakt.

Ein anderer Aspekt, mit dem die Serie in ihrem dritten und, wie wir heute wissen, letzten Jahr allerdings punkten kann, sind die neuen Figuren, welche die entstandene Lücke schließen sollen. David Harewood, derzeit durch den US-Thriller-Hit „Homeland“ wieder Mitglied eines Serien-Ensembles, bereichert die Serie als Bruder Tuck, eine Figur, deren Fehlen schon lange auffällig war und die sich hier schnell auf erfrischende Weise zu Robins Stellvertreter hochdient.

Eine neue Figur ist Kate, eine junge Frau aus Loxley Village, die gleich mehrfach in den Kampf zwischen Robin und dem Sheriff gezogen wird, bis sie sich ihm schließlich anschließen muss. Joanne Froggatt, SAG-Preisträgerin und Emmy-Nominierte für „Downton Abbey“, lässt schnell Sympathie für die Rolle aufkommen.

Als dritte Neue taucht Lara Pulver als Isabella auf, deren Identität an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll. Pulver debütierte hier als Fernsehschauspielerin und hat seither einen Hit nach dem anderen hingelegt. Einer Hauptrolle in der 10. Staffel von „Spooks“ folgte ihr vielgelobter Auftritt als Irene Adler in der zweiten Staffel von „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Zwischen der dritten und fünften Staffel von „True Blood“ war sie sechsmal in der freizügigen HBO-Vampirserie zu Gast und dieses Jahr war sie in „Da Vinci’s Demons“ und „Skins“ zu sehen. In der Mini-Serie „Fleming“ über den Erfinder von James Bond hatte sie ebenfalls eine Hauptrolle.

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2009 – Joanne Froggatt, Joe Armstrong

Die erste Hälfte der dritten Staffel lässt den Betrachter etwas unentschlossen zurück. Tolle Ansätze, einige überraschende Wendungen, vergleichsweise sehr starke erste Folgen und gute neue Charaktere begeistern zunächst. Doch mit weiterem Voranschreiten werden die Geschichten immer tumber und unlogischer, was dem Sehvergnügen sehr abträglich ist. In der sechsten Folge werden die Karten durch das Auftauchen von Prinz John wieder neu gemischt. Oder? Wir werden es in den letzten sieben Folgen erfahren.

Die Blu-ray
Die Auswertung der Serie für den Heimkino-Markt erfolgte durch die Firma polyband sehr zeitnah zur erstmaligen Fernsehausstrahlung. Kaum waren die aktuellen Episoden ausgestrahlt, konnte man die dazugehörige DVD- bzw. BD-Version im Handel erstehen. Leider jeweils immer nur in Form von wenige Folgen umfassenden Halbstaffelboxen. Da jede Staffel nur 13 Episoden lang ist, hätte man sich hier Komplett-Staffelboxen gewünscht.

Staffel 3 macht in Art und Aufmachung nahtlos dort weiter, wo die Vorgänger aufhörten. Daher gibt es leider erneut die Splittung in zwei Halbstaffeln, wobei die vorliegende erste Hälfte sechs Episoden auf zwei Discs umfasst. Diese stecken in einer Doppel-Amaray (Cover ohne FSK-Logo inklusive), die wiederum in einem Schuber Platz gefunden hat (O-Ring mit FSK-Logo).

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2009 – Joanne Froggatt, Sam Troughton, David Harewood, Gordon Kennedy, Joe Armstrong

Das Bild zeigt sich unverändert sehr gut, mit toller Schärfe und guten Farben. An dem dynamisch abgemischten Ton in Deutsch und Englisch lässt sich gar nichts aussetzen. Auf Sonderausstattung muss man bei „Staffel 3, Teil 1“ leider erstmals komplett verzichten. Daran, dass die interessanteren Features immer erst beim zweiten Teil der Staffeln enthalten sind, hatte man sich ja bereits gewöhnt. Bis dato enthielt der erste Teil jedoch wenigstens einen oder mehrere Audiokommentare. Diesmal nicht.

Im Fazit ist polyband erneut eine technisch gesehen gute Veröffentlichung gelungen, der man lediglich nicht vorhandene Boni und deutsche Untertitel sowie die Teilung in Halbstaffeln vorwerfen kann. Englische Untertitel zu den Episoden sind vorhanden. Fans der Serie werden nicht enttäuscht und bekommen vor allem zu Beginn der Staffel einige starke Episoden serviert. Am Ende steht die Hoffnung auf Bonusmaterial und einige bessere Geschichten in der zweiten Hälfte der dritten Staffel.

Blu-ray Ausstattung
Robin Hood - S3, Teil 1 - Blu-ray Cover

Coverfoto: polyband

Disc-Typ: DL (double-layer, 50 GB)
Ländercode: A B C
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Bildformat: 1,78:1 (1080p)
Audio: DTS-HD Master Audio 5.1
Anzahl der Discs: 2
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 263 min. (6 x ca. 44 Min.)
Extras: keine
Verpackung: Blu-ray Case (Amaray im Schuber)
Label: polyband

Episoden – Disc 1 (ges. ca. 132 Min.)
  • 3.01 Sonnenfinsternis
  • 3.02 Für die gute Sache!
  • 3.03 Die unheilige Bibel
Episoden – Disc 2 (ges. ca. 131 Min.)
  • 3.04 Die Sünden des Vaters
  • 3.05 Mögen die Spiele beginnen
  • 3.06 Liebt ihr mich?!

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