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The Deep (2010)

Simon Donald, der das Drehbuch zu „Beautiful Creatures – Zum Sterben schön“ (2000) mit Susan Lynch und Rachel Weisz lieferte, kreierte 2010 ein nautisches Abenteuer, mit dessen Umsetzung die Zuschauer haderten. Drei Jahre später pendelt sich die Bewertung der Miniserie auf IMDb auf ein gut gemeintes Mittelmaß ein.

Clem: „What’s this?“
Scarlett: „It’s a witch’s stone. I found it and I showed it to Mum. And she said they were called witch’s stones because when you look through it, you can see a ghost.“
Clem: „Well, if there’s any around. Can the ghost see you?“
Scarlett: „Yes. I want you to take it with you. When you get to the bottom, under the ice, I want you to leave it on the bottom of the sea… where Mum can find it.“ The Deep, Episode 1

Seit sechs Monaten wird Meeresbiologin Catherine Donnelly (Orla Brady, „Mistresses“, „Fringe“) vermisst. Sie war Mitglied einer Forschungsgruppe, die im U-Boot Hermes in der Arktis unterwegs war – um genau zu sein, am Lomonossow-Rücken. Das Boot samt Crew verschwand spurlos und in einem letzten, aufgezeichneten Funkspruch von Catherine, den sie in der Forschungskapsel Casper absetzte, berichtet sie von etwas gewaltig Großem, das sich über den Booten befindet.

Nun hat sich ihr Ehemann, Ingenieur Clem Donnelly (James Nesbitt, „Murphy’s Law“, „Jekyll“, „Monroe“, „Der Hobbit“), einer anderen Unterwassercrew angeschlossen, um das Schicksal der Hermes und seiner Frau aufzuklären. Die Orpheus wird von Kapitän Frances Kelly (Minnie Driver, „Good Will Hunting“, „Das hält kein Jahr …!“) kommandiert. Neben ihr und Clem sind Meeresbiologe Samson Ungliss (Goran Visnjic, „ER“, „Pan Am“), die in Russland geborene Computerphysikerin Svetlana (Vera Filatova, „Me and Mrs Jones“), der Vulkanologe Vincent (Sacha Dhawan, „Five Days“, „Last Tango in Halifax“) und Meeresbiologie-Studentin Maddy (Antonia Thomas, „Misfits“, „Homefront“) an Bord. In letzter Minute stößt auch Raymond Hopkins (Tobias Menzies, „Rom“, „The Shadow Line“, „Game of Thrones“) dazu, der sich als Bergungsermittler der Seebehörde ausgibt und Frances den Funkspruch vorspielt.

Schnell stellt sich heraus, dass Raymond etwas vor der Crew verbirgt. Die Ereignisse überstürzen sich, als auch die Orpheus in großer Tiefe havariert und man Reste der Hermes findet. Als Maddy nach einem Streit mit Raymond plötzlich stirbt, bezichtigt man ihn des Mordes und sperrt ihn ein. Das mysteriöse Etwas, auf das Catherine in ihrem Funkspruch hingewiesen hatte, ist keineswegs ein maritimes Ungeheuer, sondern ein riesiges, russisches Unterseebot mit einer Bohrvorrichtung.

Die Bordelektronik der Orpheus fällt aus und Frances und Samson werden abgeschnitten. Um zu überleben, bleibt ihnen nur der Versuch, sich mit einer Forschungskapsel in das russische U-Boot zu manövrieren. Als ihnen dies gelingt, finden sie dort einen Toten, der offensichtlich auf die gleiche Weise starb wie Maddy. Nun ist Raymond zwar entlastet, aber so recht trauen will ihm trotzdem niemand, denn in seinem Gepäck befindet sich ein russisches Wörterbuch. Ganz offensichtlich war er auf das, was man hier finden würde, vorbereitet.

Frances setzt die Maschinen der russischen Volos wieder in Gang, um auch die Orpheus in den Moon Pool zu befördern. Da als Todesursache eine radioaktive Verstrahlung infrage kommt, soll Clem diese mit einem Geigerzähler messen, doch er findet nichts. Das Team teilt sich auf, um die Volos zu untersuchen und trifft dabei auf zwei Überlebende – den Mechaniker Arkady (Tom Wlaschiha, „Die Rettungsflieger“, „Krabat“, „Game of Thrones“) und den Koch Stas (Nick Nevern, „The Silence“, „The Fall of the Essex Boys“). Die Zwei sind nicht sonderlich erfreut über den Besuch und bedrohen die „Eindringlinge“ mit Waffen. Selbst sie wissen nicht, wie ihre gesamte Crew starb. Dann finden Frances und Svetlana heraus, was sie alle getötet hatte, einschließlich Maddy.

Neben der offensichtlichen Notlage begreifen Frances und ihre Kollegen, dass die Anwesenheit der Volos in einem von der UN geschützten Gebiet eine enorme politische Brisanz mit sich bringt. Der Zweite Weltkrieg wurde schon durch weit weniger ausgelöst. Und um die Anwesenheit der Volos zu verbergen, muss es Mittelsmänner geben, die das vertuschen. Dann findet Clem Reste der Casper und er will wissen, was mit Catherine passiert ist. Arkady erklärt ihm, dass sie bereits tot war, als man sie an Bord holte. Clem glaubt ihm kein Wort…

Fazit

Diese Miniserie bietet ein höchst spannendes, mit jeder Menge futuristisch angehauchten Technikkram durchsetztes, Unterwasserspektakel. Zugunsten der Dramaturgie muss man einige, fragwürdige Szenen, die der Logik widersprechen, in Kauf nehmen. Das ist in Anbetracht der Tatsache, dass es sich schon um eine Art maritimes Sci-Fi-Abenteuer handelt, durchaus verzeihlich.

Die größte Stärke der Serie – nämlich das gut ausgearbeitete Element des Dramas (mit schön geschriebenen Dialogen) – ist gleichzeitig auch ihre Schwäche. Zum einen wird es bisweilen stark ausgereizt, insbesondere, wenn es darum geht Spannung aufzubauen. Die Protagonisten werden einfach zu oft in lebensbedrohliche Situationen gebracht, aus denen es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Das wirkt innerhalb von nur fünf Episoden irgendwann anstrengend. Zum anderen versucht man zu viele Erzählstränge gleichzeitig zu bedienen, die das dramatische Element noch unterstützen sollen. Offensichtlich genügte es den Autoren nicht, die emotionale Bandbreite einer Liebesbeziehung mit Verlust und Trauer durch die Charaktere Clem und Catherine abzudecken. Auch Frances und Samson haben eine Affäre, die für die eigentliche Story nicht nur irrelevant ist, sondern auch uninteressant.

Die beiden Nebenschauplätze an Land – die UN Forschungsstation und Clems Zuhause mit Schwiegermutter Meg (Sinéad Cusack, „Camelot“) und Tochter Scarlett (Molly Jones, „Being Human“) – hätte man zeitlich minimieren können. Es ist zwar verständlich, dass man dadurch versucht hat, das Klaustrophobische der Unterwasserszenen zu mildern, aber es wirkt letztlich nur überladen. Zudem erfährt man in diesen Handlungssträngen nichts Neues.

Im Ganzen weiß die Serie nicht recht, was sie sein will und man hat versucht, zu viel Inhalt in zu wenig Spielzeit zu bringen. Exzellent dagegen ist das Visuelle. Zum einen das elegante und cleane Set der Hermes und zum anderen der etwas schrottige Fabrikhallen-Charme der Volos. Auch die Musik von Samuel Sim („Mad Dogs“, „Ice Cream Girls“) weiß zu gefallen. Die schauspielerischen Leistungen sind durchwachsen. Während Minnie Driver ein routiniertes Spiel liefert und die eher unbekannteren Nebendarsteller mit überzeugender Leidenschaft dabei sind, hat Goran Visnjic schon mal eindeutig Besseres geliefert. James Nesbitt, dessen Rolle hier eigentlich Dreh- und Angelpunkt darstellt, wirkt unterfordert, kann aber als einer der drei großen Namen wirklich punkten.

Unser Tipp

Nichtsdestotrotz hat diese Serie ihren berechtigten Unterhaltungswert durch Tempo, Spannung und beeindruckender Kameraarbeit. Wiegt man Pros und Kontras gegeneinander auf, bleibt qualitativ ein guter Durchschnitt.

BBC One – The Deep
BBC One Trailer auf YouTube

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