Doctor Who - Series 3

Doctor Who: Back to Ten(nant), Teil 1

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© BBC 2007, polyband – David Tennant, Freema Agyeman[/white_box]
Rezension: Staffel 3

Ist es ein Vogel? Nein. Ist es ein Flugzeug? Nein. Es ist die TARDIS. Bevor, zum Bedauern vieler Fans, der elfte Doctor, auch bekannt als Matt Smith („Sally Lockhart“, „Christopfer und Heinz“), den Schlüssel der selbigen nach dem kommenden Christmas-Special an den Nagel hängen wird, kehren wir noch einmal zum zehnten Doctor zurück. Umfragen zufolge zählt David Tennant („Single Father“, „Broadchurch“) zum beliebtesten TARDIS Piloten der Serie. Neben seiner sympathischen Darstellung des Time Lord lag es wohl auch daran, dass er nie einen Hehl daraus gemacht hat, selbst ein großer Doctor Who Fan zu sein. Eigenen Aussagen zufolge soll er schon als Kind davon geträumt haben, einmal den Doctor Who zu spielen. A dream come true!

Als sich der Doctor am Ende der zweiten Staffel (neue Zeitrechnung) von seiner geliebten Rose Tyler (Billie Piper, „Sally Lockhart“, „Secret Diary of a Call Girl“) trennen musste, flossen auf beiden Seiten der Universen die Tränen. Der Riss in Zeit und Raum konnte geschlossen werden, aber für den Doctor und seiner blonden Begleiterin gab es keine Zukunft mehr. Verständlicherweise leidet er zu Beginn der dritten Staffel an Herzschmerz. Zwar kann Donna Noble (Catherine Tate, „The Catherine Tate Show“, „Das Büro“) den Time Lord im Christmas-Special „Die aufgelöste Braut“ ein wenig ablenken, aber wirklich helfen tut ihm das nicht. Zumal Donna selbst Beziehungsprobleme bewältigen muss. Schließlich wurde sie von ihrer eigenen Hochzeit weg gebeamt.

Donna: „Wer sind Sie?“
Doctor: „Ich bin der Doctor. Und Sie?“
Donna: „Donna.“
Doctor: „Menschlich?“
Donna: „Ja. Steht das zur Wahl?“
Doctor: „Hm. Für mich schon.“

Die Chemie zwischen Tennant und Tate ist unschlagbar, was wohl mit ein Grund war, Catherine Tate nach diesem weihnachtlichen Zwischenspiel in der vierten Staffel zum Companion des Doctors zu befördern. Schon in diesem Special stellt die resolute Donna klar, dass sie für den „Mars-Boy“ eher mütterliche statt romantische Gefühle hegt. Sie staunt zwar über die Dinge, die ihr im Brautkleid wiederfahren (oder regt sich laut schimpfend darüber auf), aber wirklich beeindruckt ist sie von dem dünnen Mann nicht. Und so entscheidet sie am Ende der Episode, erst einmal nicht mit diesem „Dummbatz“ durch Zeit und Raum zu reisen.

DOCTOR WHO
© BBC 2007, polyband – David Tennant

Martha Jones (Freema Agyeman, „Law & Order: UK“, „The Carrie Diaries“) ist da ganz anders. Die Begegnung mit dem Doctor, der sie in „Einmal Mond und zurück“ dabei unterstützt, hunderte von Leben zu retten, hinterlässt bei der angehenden Ärztin einen bleibenden Eindruck. Unbewusst gibt er ihr immer wieder Anlass, zu glauben, dass sich zwischen ihnen eine Beziehung entwickeln könnte, nur, um sie dann in schöner Regelmäßigkeit ebenso unbewusst vor den Kopf zu stoßen. Einerseits ist es schön zu sehen, dass der Time Lord nicht gleich jeder neuen Companion seine zwei Herzen schenkt. Andererseits kommt man nicht umhin, mit Martha mitzufühlen.

„Der Shakespeare Code“ präsentiert uns mit Dean Lennox Kelly („Shameless“, „Frankie“) den berühmtesten Dichter aller Zeiten als coolen Typen in Trink- und Flirtlaune. Im London des Jahres 1599 stellt sich Martha zunächst die Frage, ob sie überhaupt passend gekleidet ist oder ob man sie gar an den nächstbesten Sklavenhändler verscherbelt. Nicht zuletzt wundert sie sich darüber, dass der Autor auf den ihr bekannten Bildern anders aussieht. Nimmt man den Plot der Episode hinzu, in der die dunkle Magie außerirdischer „Hexen“ beim „verlorenen Stück“ federführend ist und Shakespeare von seiner Schaffenskraft gar nichts mitbekommt, erkennt man durchaus einen augenzwinkernden Verweis. Nicht erst seit Roland Emmerichs Kinofilm „Anonymus“ diskutieren Literaturwissenschaftler die tatsächliche Herkunft der Shakespeare Stücke.

Martha: „Und sind das die Männer in Frauenkleidern?“
Doctor: „London ändert sich nie.“

Shakespeare: „Ich war voller Zweifel. Die Sinnlosigkeit unserer flüchtigen Existenz. Sein oder Nichtsein… Oh, eine gute Zeile.“
Doctor: „Ihr solltet sie notieren.“
Shakespeare: „Hm. Lieber nicht. Wirkt so gestelzt.“

„Festgefahren“ ist eine geradezu putzige Bezeichnung für den wohl mörderischsten Verkehrsstau des gesamten Universums. Ganze Dynastien werden erschaffen und Imperien vernichtet, bevor man auch nur zehn Meter vorwärts kommt. Während der Doctor versucht, Martha zu retten, findet er natürlich auch ein Heilmittel für den Verkehrsinfarkt. Wenig später trifft er im New New York (eigentlich sind es ja 15 News, wie wir in Staffel 2 erfahren haben) auf alte Bekannte. Unter ihnen befindet sich The Face of Boe, das eine bedeutungsschwangere Aussage macht. Ein Highlight in dieser Episode sind die brillanten Katzenmasken.

Doctor Who - Series 3
© BBC 2007, polyband – David Tennant, Freema Agyeman

Im Zweiteiler „Daleks in Manhattan“ und „Evolution der Daleks“ treffen wir einmal mehr auf die äußerst beliebten, fiesen Pfeffer- und Salzstreuer, die während der Großen Depression in den 1930er Jahren in New York den Bau des Empire State Building vorantreiben. Natürlich verfolgen sie – wie sollte es anders sein – einen Plan. Um das Fortbestehen ihrer Rasse zu sichern, verraten sie ihre Maxime. Im Ganzen schwächelt die Story etwas, jedoch überzeugen das Set und der mitunter staubtrockene Humor.

Der großartige Mark Gatiss („The League of Gentlemen“) – seines Zeichens Co-Creator von „Sherlock“ und Autor von bislang sechs Doctor Who Episoden – darf in „Der Preis der Jugend“ den Bösewicht spielen. Professor Lazarus (Gatiss) hat eine Maschine erfunden, mit der man sich wieder verjüngen kann. Zu Risiken und Nebenwirkungen hat er offensichtlich nicht den Doctor befragt, denn das Experiment geht gehörig schief. Doch damit scheint der Doctor besser klarzukommen als mit der Begegnung mit Marthas Mutter Francine (Adjoa Andoh, „Casualty“). Als Bonus gibt es David Tennant im maßgeschneiderten 007-Anzug.

„42“ Minuten hat ein havariertes Raumschiff, bevor es in eine Sonne stürzt. Der Doctor und Martha geraten natürlich mitten hinein und müssen der Crew helfen, das Ganze lebend zu überstehen. Neunundzwanzig passwortgesicherte Türen müssen geöffnet werden, bevor man zum rettenden Hilfstriebwerk gelangt. Um die Passwörter knacken zu können, müssen mitunter irrwitzige Fragen beantwortet werden. Leider können diese Szenen nicht darüber hinweg trösten, dass diese Episode wohl die Schwächste der dritten Staffel ist. Da werden auch keine Primzahlen glücklich.

DOCTOR WHO
© BBC 2007, polyband – David Tennant, John Barrowman, Freema Agyeman

Wirklich spannend und sehr emotional ist hingegen der Zweiteiler „Die Natur des Menschen“ und „Blutsbande“. Der Doctor wird verfolgt und kann nicht entkommen. Seine einzige Möglichkeit sich zu verstecken, besteht darin, sich in einen Menschen zu verwandeln. Das Dumme ist nur, dass er sich als John Smith im Jahr 1913 nicht mehr daran erinnern kann, dass er tatsächlich ein Time Lord ist. Einzig in seinen Träumen erscheinen ihm die Abenteuer als Doctor. Sein außerirdisches Wesen ruht derweil in einer speziellen Taschenuhr. Martha fällt die schwere Aufgabe zu, ihn zu beschützen und das Geheimnis zu bewahren. Doch dann spürt die Family of Blood sie dennoch auf und John muss sich entscheiden, sein Menschsein aufzugeben, um alle anderen zu retten. Das herzzerreißende Spiel von Tennant, tolle Gaststars und gruselige Vogelscheuchen machen diesen Zweiteiler absolut sehenswert.

Steven Moffat („Coupling“, „Sherlock“) war schon vor seiner Rolle als Doctor Who-Showrunner (ab Staffel 5) als Autor verschiedener Who-Episoden tätig. Zu ihnen zählt auch die wohl schönste Episode dieser dritten Staffel. In „Nicht blinzeln“ sind der Doctor und Martha zwar kaum zu sehen, das tut dem Unterhaltungswert jedoch keinen Abbruch. Star dieser Folge ist Carey Mulligan („An Education“, „Der große Gatsby“), die hier als Sally Sparrow dem Doctor behilflich ist. Als Gegner erfand Moffat die wohl schaurigsten Wesen im Whoniverse – die Weeping Angels. Diese Steinstatuen, die sich nur dann bewegen können, wenn man sie nicht ansieht und die einen dann in eine andere Zeit teleportieren, eroberten binnen kürzester Zeit die Herzen der Fans und wurden ab Staffel 5 zu einem wiederkehrenden Feind.

„Utopia“ leitet nicht nur das Staffelfinale ein. Die Folge schenkt uns auch einen weiteren Gastauftritt von Captain Jack Harkness alias John Barrowman („Torchwood“). Eigentlich wollte der Doctor in Cardiff nur mal auftanken. Doch dann wird er von Jack bemerkt, der sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr abschütteln lässt, denn er umklammert einfach die TARDIS. Zu dritt landen sie auf einem weit entfernten Planeten, einhundert Billionen Jahre in der Zukunft. Hier treffen sie auf Professor Yana (Derek Jacobi, „Bruder Cadfael“, „Last Tango in Halifax“), der daran arbeitet, die restlichen Menschen auf diesem Planeten mittels einer Rakete in Sicherheit zu bringen. Dann entdeckt Martha bei ihm eine ganz spezielle Taschenuhr.

DOCTOR WHO
© BBC 2007, polyband – John Simm, David Tennant

Das Finale bietet noch mal eine Doppelfolge. John Simm („Life on Mars“, „Mad Dogs“) hat bereits Erfahrung mit Zeitreisen – zumindest damit, plötzlich in einer anderen Zeit aufzuwachen.  Als The Master ist er jedoch selbst ein Time Lord und nach den Daleks die wohl berühmteste Nemesis des Doctors. In „Der Klang der Trommeln“ und „Der letzte Time Lord“ macht er selbigem die Hölle heiß und die Erde samt Bevölkerung steht vor ihrer Vernichtung. Simm spielt den psychopathischen Gegner so brillant, dass man hin und wieder vor Entzücken auf die Schenkel klopft. Im Ganzen ein spannendes und rundes Staffelende, wenngleich der typisch überladene und pathosgetränkte Stil von Russell T. Davies („Torchwood“, „The Sarah Jane Adventures“) etwas abgeschwächt hätte sein können.

Im Fazit eine sehr gelungene Staffel, die wesentlich mehr Stärken als Schwächen aufweist. Es mag durchaus sein, dass Martha Jones nicht gerade die spektakulärste Begleiterin des Doctors ist, aber Freema Agyeman trat nach Billie Piper auch ein schweres Erbe an. Nichtsdestotrotz spielt sie diese Rolle sympathisch und anrührend. Auch David Tennant zeigt in seinem zweiten Jahr keinerlei Ermüdungserscheinungen. Hinzu kommen wunderbare Gaststars, tolle Geschichten und – man kann es nicht oft genug erwähnen – die Erfindung der Weeping Angels.

polyband hat nicht gegeizt und eine wunderbare Komplettbox herausgebracht. Sämtliche Episoden und das Bonusmaterial (mit Ausnahme der Audiokommentare) können wahlweise mit deutschen und englischen Untertiteln gesehen werden. Auch für die in Deutschland nur geschnitten gezeigte Finalepisode „Der letzte Time Lord“ fand man eine Lösung, indem man die ungeschnittene Originalfolge als Bonus beisteuerte. An Extras wurde alles aufgetischt, was auch die UK Box zu bieten hat. Hinzu kommt ein Booklet, das ein weiteres Mal von drei Mitgliedern des deutschen Doctor Who Fanclubs Worshippers of Xoanon beigesteuert wurde. Es gibt zwar kein Wendecover, jedoch ist das FSK-Logo von der O-Card abziehbar.

DVD Ausstattung
Doctor Who - Staffel 3 - DVD Cover
Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch (optional)
Bildformat: 16:9 (1.78:1)
Audio: Dolby Digital 5.1 (DD 2.0 bei Audiokommentaren)
Anzahl der Disks: 6
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 645 Min. (1 x ca. 60 Min., 13 x ca. 45 Min.) + Bonus (ca. 393 Min.)
Extras: Making Of, Interviews, Behind the scenes, Audiokommentare zu jeder Episode, Videotagebücher, Trailer, Booklet etc.
Verpackung: Softbox mit O-Card, FSK Button ist von der O-Card abziehbar
Label: polyband

Episoden+Bonus – Disc 1
  • 3.00 Die aufgelöste Braut (Christmas Special, 60:18 Min.)
  • Bonus (mit deutschen UT)
    Music and Monster (58:35 Min.)
    Videotagebuch, Teil 1 (9:17 Min.)
    Entfallene Szenen (18:02 Min.)
    Outtakes (5:26 Min.)
    Studiotour mit Freema Agyeman (18:18 Min.)
    UK Trailer & Teaser: Teaser 1 (8 Sek.), Teaser 2 (8 Sek.), Launch-Trailer 1 (43 Sek.), Launch-Trailer 2 (43 Sek), Launch-Trailer 1 – Kurzfassung (23 Sek.), Launch-Trailer 2 – Kurzfassung (23 Sek.)
Episoden+Bonus – Disc 2
  • 3.01 Einmal Mond und zurück (44:30 Min.)
  • 3.02 Der Shakespeare Code (45:35 Min.)
  • 3.03 Festgefahren (45:01 Min.)
  • Bonus (mit deutschen und englischen UT)
    Doctor Who Confidential – Episode 1 (13:11 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 2 (11:56 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 3 (11:49 Min.)
    Videotagebuch, Teil 2 (28:54 Min.)
    Episoden-Trailer: Ep. 2 (23 Sek.), Ep. 3 (23 Sek.)
Episoden+Bonus – Disc 3
  • 3.04 Daleks in Manhattan (46:56 Min.)
  • 3.05 Evolution der Daleks (46:30 Min.)
  • 3.06 Der Preis der Jugend (43:04 Min.)
  • Bonus (mit deutschen und englischen UT)
    Doctor Who Confidential – Episode 4 (11:28 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 5 (11:46 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 6 (12:09 Min.)
    Episoden-Trailer: Ep. 4 (23 Sek.), Ep. 6 (23 Sek.)
Episoden+Bonus – Disc 4
  • 3.07 42 (45:27 Min.)
  • 3.08 Die Natur des Menschen (45:05 Min.)
  • 3.09 Blutsbande (43:00 Min.)
  • Bonus (mit deutschen und englischen UT)
    Doctor Who Confidential – Episode 7 (11:56 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 8 (12:01 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 9 (12:04 Min.)
    Videotagebuch, Teil 3 (40:04 Min.)
    Episoden-Trailer: Ep. 7 (23 Sek.)
Episoden+Bonus – Disc 5
  • 3.10 Nicht blinzeln (43:43 Min.)
  • 3.11 Utopia (45:57 Min.)
  • 3.12 Der Klang der Trommeln (46:16 Min.)
  • Bonus (mit deutschen und englischen UT)
    Doctor Who Confidential – Episode 10 (12:37 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 11 (12:14 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 12 (12:27 Min.)
    Episoden-Trailer: Ep. 11 (23 Sek.), Ep. 12 (13 Sek.), Ep. 12 – Vote Saxon (13 Sek.)
    Easter Egg (5:08 Min.)
Episode+Bonus – Disc 6
  • 3.13 Der letzte Time Lord (46:22 Min.)
  • Bonus (mit deutschen und englischen UT)
    Last of the Time Lords (Originalfassung, 51:28 Min.)
    Doctor Who Confidential – Episode 13 (07:02 Min.)
    Videotagebuch, Teil 4 (27:05 Min.)
    Episoden-Trailer: Ep. 13 (33 Sek.)

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