Aurelio Zen

Aurelio Zen: Briten in Rom

[white_box]Copyright Artikelbild
© Leftbank Pictures 2011, Foto: Matt Holyoak – Rufus Sewell[/white_box]
Rezension: Miniserie

Mit der Adaption der „Wallander“ Romane von Henning Mankell schickten die Briten bereits Kenneth Branagh nach Schweden – was trotz der Tatsache, dass die Schweden die Bücher selbst schon zweimal verfilmt hatten, hervorragend funktionierte. In Anbetracht dessen, dass die Mentalität des kühlen Nordens den Insulanern sehr entgegenkommt, ist das nicht wirklich überraschend. Etwas gewagter erscheint es daher, die Briten in Italien Fälle aufklären zu lassen. Erstaunlicherweise gelang dies den Produzenten von u.a. der BBC und Masterpiece genauso gut. Das lag zum einen an den Buchvorlagen, die von Michael Dibdin stammen – einem englischen Schriftsteller, der einige Jahre in Italien lebte und unterrichtete. Zum anderen daran, dass der ausgewählte, britische Cast mühelos den südländlichen Charme versprühen konnte.

Zen - Italian Detective
© Leftbank Pictures 2011, Foto: Matt Holyoak – Rufus Sewell

2011 gab es die Verfilmungen der ersten drei Romane aus der insgesamt elfteiligen Aurelio Zen-Reihe. Bei dieser Produktion hatten nicht nur die schon erwähnte BBC und Masterpiece ihre kreativen Finger im Spiel, sondern – neben der italienischen Produktionsfirma RTI – auch das ZDF. Wenngleich man sich bei der filmischen Umsetzung (vermutlich der Dramaturgie wegen) nicht an die eigentliche Reihenfolge hielt, tat dies dem logischen Verständnis und dem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Zudem verstand es Drehbuchautor Simon Burke, die Bücher stimmig zu adaptieren. Nicht nur, weil er Übung mit der Verarbeitung literarischer Stoffe hat, sondern auch, weil er dank Selbsterfahrung ebenso ein Gespür für die italienische Lebensart mitbringt.

Mit Rufus Sewell („Eleventh Hour“, „Die Säulen der Erde“) in der Hauptrolle fand man einen charismatischen Darsteller, der den italienischen Maßanzug gekonnt auszufüllen weiß. Ohnehin ist der titelgebende Charakter des Aurelio Zen (einer der wohl klangvollsten, fiktiven Namen der jüngeren Kriminalliteraturszene) durch und durch sympathisch. In Venedig geboren, ermittelt er nun als Kommissario in Rom. Nach einer gescheiterten Ehe lebt er wieder bei seiner Mutter, die er selbstverständlich liebevoll Mamma (Catherine Spaak, „Julie – Agentin des Königs“) nennt.

Mama: „… aber du lebst hier in einer Wohnung mit deiner dummen, alten Mutter.“
Aurelio: „Oh, hör mal. Doch nicht alt.“

Zen - Italian Detective
© Leftbank Pictures 2011, Foto: Matt Holyoak – Caterina Murino, Rufus Sewell

Aurelio ist intelligent, zurückhaltend und Frauen gegenüber schüchtern. Er lässt sich nie in die Karten schauen, weiß diese aber durchaus zu spielen. Das muss er auch, denn in einem Land, in dem Korruption und gewisse Gefälligkeiten zum Lebensstil gehören, kann man sich nur dann über Wasser halten, wenn man das Spiel beherrscht. Amedeo Colonna (wunderbar süffisant dargestellt von Ben Miles, „Coupling“), ein Mitarbeiter des Ministers, schanzt ihm die Fälle zu und erklärt auch gleich noch, welches Ergebnis gewünscht wird. Mit unterschwelligem Sarkasmus macht Aurelio ein ums andere Mal deutlich, was er davon hält, benutzt zu werden. Doch er weiß ebenso, wie dumm es wäre, abzulehnen. Letztendlich ist er nicht nur imstande, die Fälle trotzdem aufzuklären, sondern kann auch entsprechende Gegenleistungen einfordern.

Kommissario Zen ist ein stiller Held, der sich weder schießend, noch kämpfend durch seine Fälle ermittelt. Er ist auch kein ruppiger Ex-Trinker. Und schon gar nicht kann er mit irgendwelchen besonderen Fähigkeiten oder drolligen Ticks dienen. Aurelio Zen ist ein ganz normaler Polizist, der jeden Tag pünktlich zur Arbeit erscheint und einfach seinen Job macht. Hin und wieder schlittert er dabei völlig naiv in gefährliche Situationen und bei der Aufklärung hat er manchmal einfach nur Glück. Doch genau das macht diesen Charakter so liebenswert. Und Rufus Sewell verleiht ihm dabei noch eine ganz eigene, humorvolle Note.

Zen - Italian Detective
© Leftbank Pictures 2011, Foto: Franco Bellomo – Rufus Sewell

Als die neue Sekretärin Tania Moretti (Caterina Murino, „James Bond 007 – Casino Royale“) die Flure des Kommissariats betritt, sorgt der übliche Machismo erst einmal für eine Wette unter den männlichen Mitarbeitern. Wer als Erster mit der schönen Kollegin im Bett landet, gewinnt den Jackpot. Obgleich Aurelio sich ohnehin nicht an dieser Geschmacklosigkeit beteiligt, scheint er für seine Kollegen als Kandidat auch gar nicht infrage zu kommen. Doch die unglücklich verheiratete, geheimnisvolle Tania zeigt – wie sollte es anders sein – ausgerechnet an Aurelio Interesse. Der kann sich auch so schon vor eindeutigen Angeboten kaum retten. Allerdings bringt nur Tania den sonst so gelassenen Ermittler aus dem Gleichgewicht und zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche, aber auch komplizierte Liebesbeziehung.

Fast schon als running gag kann man die stets zitierte „beispiellose Integrität“ von Aurelio Zen bezeichnen, die ihm quasi erst einmal jeder unterstellt, den er trifft.

Staatsanwältin: „Ihnen eilt der Ruf kompromissloser Integrität voraus, Kommissario.“
Aurelio: „Den werde ich wohl nie wieder los.“
Staatsanwältin: „Ist das ein Witz?“
Aurelio: „Ja.“
Staatsanwältin: „Dann war er gut.“

Zen - Italian Detective
© Leftbank Pictures 2011, Foto: Matt Holyoak – Rufus Sewell

Im Fazit eine sehr unterhaltsame Reihe mit einem sympathischen Hauptdarsteller, einer Augenschmaus-Kulisse und einem Hauch Neo-Noir. Da bleibt zu hoffen, dass sie trotz des leider viel zu früh verstorbenen Michael Dibdin irgendwann weitere Verfilmungen erhält. Acht Romane stünden noch zur Auswahl. polyband hat sowohl die DVD als auch die Blu-ray zu „Aurelio Zen“ am 11.01.2013 veröffentlicht. Neben den drei Spielfilmen gibt es ein zirka dreißigminütiges Making of mit deutschen und optional auch englischen Untertiteln.

DVD Ausstattung
Aurelio Zen - DVD Cover
Coverfoto: polyband

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch (optional)
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Audio: Dolby Digital 5.1
Anzahl der Disks: 2
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 270 Min. (3 x ca. 90 Min.) + Bonus (ca. 30 Min.)
Extras: Making of, Trailershow
Verpackung: Softbox mit O-Card
Label: polyband

Episoden – Disc 1
  • Folge 1 – Vendetta (1:30:02)
  • Folge 2 – Himmelfahrt (1:30:16)
Episoden + Bonus – Disc 2
  • Folge 3 – Entführung auf Italienisch (1:30:17)
  • Bonus: Making of (31:28, deutsche und englische UT)
  • Trailer: Sherlock, Luther, Doctor Who, Mad Dogs, Misfits

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.