Secret Diary of a Call Girl

Secret Diary of a Call Girl: Belle, Brooke und Billie

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© Tiger Aspect 2007, tellyvisions – Billie Piper[/white_box]
Rezension: Staffel 1 und 2

„Zuerst muss ich eines klarstellen: Ich bin eine Hure.“ So unverblümt beginnt Belle de Jours Bestseller „Die intimen Aufzeichnungen eines Londoner Callgirls“, der hierzulande beim Goldmann Verlag erschienen ist. Was das Buch umso interessanter macht, ist die Tatsache, dass es sich nicht um Fiktion handelt. Als die gebürtige Amerikanerin Brooke Magnanti in Sheffield studierte und dann nach London zog, wählte sie eine ungewöhnliche Form der Existenzsicherung. Sie verkaufte ihren Körper. Unter dem Pseudonym Belle de Jour berichtete sie von ihren amourösen, bezahlten Abenteuern auf ihrem Blog. Eine expandierende Online-Leserschaft war ihr sicher, denn wie es so schön heißt: Sex sells!

Secret Diary of a Call Girl
© Tiger Aspect 2007, tellyvisions – Billie Piper

Ein paar Verlinkungen später wurde bereits darüber spekuliert, wer sich hinter Belle de Jour verbirgt und ob die zur Tastatur gebrachten frivolen Geschichten überhaupt der Wahrheit entsprachen. Das taten sie. Belle de Jour bekam nicht nur einen Online Award, sondern auch einen Buchvertrag und ihre Blogbeiträge wurden 2005 als gedruckter Lesestoff veröffentlicht. Auch das Fernsehen meldete sein Interesse an und ITV ließ ab 2007, basierend auf dem Buch, die TV Serie „Secret Diary of a Call Girl“ produzieren, die im Ganzen vier Staffeln erhielt.

Billie Piper („Doctor Who“, „Sally Lockhart“) wurde für die Hauptrolle engagiert und überzeugte mit Sexappeal, Humor und der mädchenhaften Frische, mit der sie schon in der Kultserie „Doctor Who“ selbigen um den Finger wickeln konnte. Vergleicht man ihre Rolle mit der wahren Belle de Jour, wirkt Piper zwar fast zu jung, aber nicht minder erfahren. Ihre Hure mit der Lust an der Lust hat ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und jede Menge „Berufserfahrung“, die sie dem Zuschauer mit direktem Blick in die Kamera kundtut. Dieser dramaturgische Kniff bezieht das Publikum mit ein und lässt es weniger als bloße Voyeure vor dem Fernseher sitzen.

Secret Diary of a Call Girl
© Tiger Aspect 2007, tellyvisions – Billie Piper

Auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Belles wichtigste Bezugsperson heißt Ben. Er ist ihr bester Freund, ihr Ex-Geliebter und anfänglich der Einzige, der um ihr Geheimnis weiß. Und Ben ist immer noch verliebt in sie. Der in Israel geborene Iddo Goldberg („Christopher und Heinz – Eine Liebe in Berlin“) verkörpert diesen Charakter sympathisch und liebenswert. Ebenfalls Spaß machen Belles Agenturchefin Stephanie – von Cherie Lunghi („Excalibur“) als herrliches Miststück mit boshaften Sprüchen kreiert. Und Ex-Pornodarstellerin Bambi (Ashley Madekwe, „Bedlam“, „Revenge“), die nun als Prostituierte arbeiten möchte und sich von Belle ins Geschäft einführen lassen will. Bambi ist so niedlich wie naiv, wird im Laufe der Zeit aber auch zu einer loyalen Freundin.

Secret Diary of a Call Girl
© Tiger Aspect 2007, tellyvisions – Belles Accessoires

Die Geschichten sind witzig, sinnlich, aber auch dramatisch. Sie zeigen die Schwierigkeit auf, diese Tätigkeit mit der Familie, den Freunden und Liebesbeziehungen zu vereinbaren. Auch aus diesem Grund hat Brooke Magnanti erst im November 2009 ihre wahre Identität preisgegeben. Kritiker warfen dem Buch und auch der Serie vor, Prostitution zu verherrlichen bzw. zu verharmlosen. Magnanti ist sich der Tatsache wohl bewusst, dass sie diesen Job unter sehr privilegierten Umständen ausübte, stellt aber auch klar, dass sie diesen Weg (wenn auch nur kurz) bewusst selbst gewählt hat. Nicht erst seit dieser Zeit tritt sie für die Legalisierung der Prostitution ein.

Secret Diary of a Call Girl
© Tiger Aspect 2007, tellyvisions – Billie Piper

Nachdem der Pay TV Sender RTL Passion die Serie nach der deutschen Erstausstrahlung 2009 bis 2011 des Öfteren wiederholt, hat tellyvisions am 26. Oktober 2012 die ersten beiden Staffeln auf DVD veröffentlicht. Den Ton gibt es auf Deutsch und Englisch, allerdings ohne Untertitel. Als Bonus gibt es acht Webisodes mit deutschen Untertiteln und ein Booklet mit Episodenguides und Informationen zur Serie und ihrer Entstehung.

DVD Ausstattung: Secret Diary of a Call Girl Serien-Guide

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