Mad Dogs

Mad Dogs: Bis einer heult

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© Left Bank Pictures/Sky1 HD, Foto: Nick Wall – vlnr: Philip Glenister, John Simm, Marc Warren, Max Beesley[/white_box]
Rezension: Staffel 1

Sonne, Finka, Strand und Meer. Als die vier Jugendfreunde Woody (Max Beesley, „Hotel Babylon“), Baxter (John Simm, „Life on Mars“), Rick (Marc Warren, „Hustle“) und Quinn (Philip Glenister, „Life on Mars“) von Kumpel Alvo (Ben Chaplin, „Mord nach Plan“) zu einem kostenlosen Aufenthalt in seiner Villa auf Mallorca eingeladen werden, ist nicht nur die Wiedersehensfreude groß.

Abhängen am Pool, ein bisschen Party, ein paar Bierchen zischen und die Midlife-Crisis pflegen. Da lässt man sich nicht zweimal bitten, auch wenn einer von ihnen später behaupten wird, er hätte zu diesem Trip instinktiv lieber „Nein!“ gesagt. Tja, hätte er mal, denn die Jungs haben natürlich nicht damit gerechnet, durch ihre Zusagen einen Urlaub des Grauens all inclusive gebucht zu haben.

Mad Dogs
© Left Bank Pictures/Sky1 HD, Foto: Des Willie – Tomás Pozzi

Baxter: „Wie ist euer Spanisch?“
Quinn: „Hm. Que sera, sera.“
Baxter: „Ist schon peinlich, findet ihr nicht? Jeder andere auf der Welt spricht zwei Sprachen. Nur wir nicht.“
Quinn: „Na ja, ich denke, historisch betrachtet war es immer leichter für uns, alle zu kolonialisieren. Ist doch besser, als irgendeine blöde Sprache zu lernen. Fahr‘ auf der linken Seite. Bier heißt Ale. Das ist eine Dartscheibe. Sprich‘ gefälligst meine Sprache.“

Zu Beginn ist noch alles im sonnigen Bereich. Mit Digitalkameras beschenkt und „Like a Virgin“ schmetternd sind sie auf dem Weg zur luxuriösen, mediterranen Übernachtungsstätte. Alvo freut sich. Man plaudert, trinkt, erzählt sich Witze. Die Tatsache, dass sie dann eine tote Ziege in Alvos Pool finden, hätte sie stutzig machen sollen. Aber nach dem ersten Schreck ist der Vorfall auch schon wieder vergessen. Man vergräbt das dahingeschiedene Tier einfach im Garten.

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© Left Bank Pictures/Sky1 HD, Foto: Des Willie – Max Beesley

Baxter: „Ah, ich mag das Aftershave nicht.“
Quinn: „Verwesung. The new fragrance of Hugo Bock.“

Nur Alvo selbst scheint immer nervöser zu werden. Er diskutiert auf Spanisch am Telefon, wirkt gereizt und lässt auch schon mal die eine oder andere Beleidigung fallen. Als er seine Freunde zu einer Tour auf einer Luxusyacht überredet und ihnen wenig später erklärt, sie wäre gestohlen, fragen sie sich, ob Alvo langsam durchdreht.

Kaum hat man die Yacht an einem anderen Platz geankert und ist zur Finka zurückgekehrt, gibt sich Alvo auch schon vollends dem Alkohol hin und zieht so richtig vom Leder. Eine unangenehme Situation, die sich drastisch verschlimmert, als ein kleinwüchsiger Mann (Tomás Pozzi) mit einer Tony Blair Maske den Raum betritt und Alvo erschießt. Der Schock ist groß und guter Rat teuer.

Drei Millionen Euro, jede Menge Drogen, eine lästige Polizistin (María Botto, „Alles was ich an euch liebe“) und Warnungen vor der serbischen Mafia können einen schon in die  Verzweiflung treiben. Zudem gibt es – neben der Überlegung, was man mit Alvos Leiche anstellt – auch jede Menge Gesprächsbedarf. Die Freunde, die sich seit langer Zeit nicht gesehen hatten, diskutieren trotz ihrer momentanen Situation schon länger bestehende Probleme aus.

Quinn: „Sie wollte einfach nur sitzen und reden.“
Rick: „Sitzen und reden. Hältst du mich für einen Idioten? Männer setzen sich nicht hin und reden. Sie telefonieren, wenn sie es müssen. Ne SMS vielleicht. Aber normale Männer vermeiden um jeden Preis jede Art von längeren Unterhaltungen. Das liegt in unseren Genen.“

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© Left Bank Pictures/Sky1 HD, Foto: Des Willie – María Botto

Psychologie-Dozent Quinn fühlt sich einsam und ungeliebt, seit er von Frau und Kindern getrennt lebt. Der geschiedene Baxter hatte als Anwalt mal gut verdient. Nun arbeitet er als Antiquitätenhändler und hat Geldprobleme. Finanzberater Rick hätte eigentlich keinen Grund zu klagen, weiß genau das aber offensichtlich nicht zu schätzen. Und Woody ist trockener Alkoholiker, dessen Freundin sich genau in dem Moment das Leben nahm, als er dem Alkohol entsagte.

Der private Kummer gesellt sich zu dem Versuch, nicht getötet zu werden oder im Knast zu landen. Das ist nicht gerade hilfreich, vertrauensfördernd schon mal gar nicht. Doch die vier Männer bemühen sich nach Kräften, die Schwierigkeiten in den Griff zu kriegen und schlittern dabei von einer Absurdität in die nächste.

Drehbuchautor Cris Cole mag den Genre-Mix und schreibt eigentlich nur Sachen, die er selber gerne sehen würde. So gestaltete er die Story zu einer perfekten Mischung aus Drama, Humor und Action, jedoch auf einer so glaubwürdigen Ebene, dass selbst die bizarrste Szene nicht unmöglich erscheint. Die ausführende Produzentin Suzanne Mackie („Kalender Girls“) kam mit der Idee zuerst zu Philip Glenister, bzw. dessen Ehefrau, mit der sie schon lange befreundet ist.

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© Left Bank Pictures/Sky1 HD, Foto: Des Willie – vlnr: Ben Chaplin, John Simm, Max Beesley, Philip Glenister, Marc Warren

Wenig später war der komplette Cast bereits gefunden. Gleich fünf exzellente, namhafte Schauspieler. Für die Crew war das wie ein Sechser im Lotto, aber auch furchteinflößend. Max Beesley bescheinigt sich selbst und seinen Kollegen ausgeprägte Egos. Ein absoluter Glücksfall für eine anspruchsvolle Dramaproduktion, in der es in erster Linie auf das Können der Hauptdarsteller ankommt.

Und die wurden von Beginn an in den Produktionsprozess eingebunden. Darstellerisch gibt es nichts zu bemängeln. Alle liefern sowohl Authentizität als auch einen gewissen Coolness-Faktor, ohne die Charaktere bemüht jünger wirken zu lassen als sie sind. Und Marc Warren erklärt, dass die eigenen Persönlichkeiten mit denen der Charaktere sogar einiges gemeinsam haben.

Für Marc, Philip und John ist „Mad Dogs“ nach „Mord auf Seite eins“ und „Life on Mars“ bereits die dritte, gemeinsame Arbeit. Dass die Schauspieler sich auch privat gut leiden können, ist vermutlich ein weiterer Punkt, der für das ausgezeichnete Ergebnis spricht. Wenn Philip Glenister im Making of jemanden zitiert, der die schwarzhumorige Produktion als „Porno ohne Sex“ bezeichnet, dann ist dem nichts mehr hinzuzufügen.

Mad Dogs
© Left Bank Pictures/Sky1 HD, Foto: Des Willie – vlnr: Max Beesley, Philip Glenister, Ben Chaplin, John Simm, Marc Warren

polyband veröffentlichte die erste Staffel auf DVD am 28.09.2012. Den Ton gibt es auf Deutsch und Englisch mit optionalen, englischen Untertiteln für Hörgeschädigte. Für das Making of hat man zusätzlich noch deutsche Untertitel zur Auswahl. Und für alle FSK-Button Verweigerer gibt es ein Wendecover.

In Großbritannien wurde im Januar dieses Jahres bereits die zweite Staffel – wieder mit vier Episoden – ausgestrahlt. In diesem Zeitraum sollen laut Glenister auch die Dreharbeiten zur dritten Staffel begonnen haben.

DVD Ausstattung: Mad Dogs Serien-Guide

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