Torchwood - Miracle Day

Torchwood: Der Tod ist tot

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© BBC Worldwide Limited 2011 – John Barrowman, Eve Myles[/white_box]
Rezension: Staffel 4

Der Tod ist tot. Und man muss sich leider fragen: Ist die Serie es auch? Nicht nur, dass die Gerüchte um eine mögliche Fortführung weiterhin als solche angesehen werden müssen – die Amerikanisierung hat ihr auch nicht sonderlich gut getan. Dabei ist Russell T Davies‘ („Doctor Who“) Grundidee unbestritten genial. Wie schon in „Torchwood: Kinder der Erde“ stellt er eine provokante Frage und löst ein ethisches Dilemma aus, dessen perverse Auswüchse beleuchtet und moralisch hinterfragt werden.

War es in der dritten Staffel noch die Frage nach einem ungeheuerlichen Opfer, einer Auswahl von Kindern, die ein unbeschreibliches Schicksal erdulden müssten, um den Rest der Menschheit vor der Vernichtung zu bewahren. So ist es in „Miracle Day“ die Frage nach dem Ende des Todes. Was wäre, wenn die Menschheit tatsächlich unsterblich wäre? So faszinierend dies auch erst einmal erscheinen mag, wären die Folgen geradezu katastrophal.

Torchwood - Miracle Day
© BBC Worldwide Limited 2011 – Mekhi Phifer, Alexa Havins

Eine Welt, die ohnehin schon einer Überbevölkerung entgegensteuert, in der der Kampf um Ressourcen, Nahrung und Lebensraum ein Kampf ums nackte Überleben bedeutet, hätte keine Chance, dieses Problem zu bewältigen, ohne inhumane Entscheidungen zu treffen, bei der die Armen, Kranken und Schwachen gnadenlos auf der Strecke bleiben würden.

Die Frage, die Russell T Davies aufwirft, verstärkt den Widerspruch zwischen der menschlichen Natur und der Menschlichkeit. Auf der einen Seite steht das aggressive Machtverhalten und die Gier eines Pharmakonzerns, die globale Akzeptanz einer menschenverachtenden Unterteilung in drei Lebenskategorien und die fast schon religiöse Huldigung eines pädophilen Mörders. Auf der anderen Seite stehen eine Handvoll Menschen, die das Rätsel lösen und die Schweinereien publik machen wollen und müssen.

Torchwood ist klein geworden. Während Captain Jack Harkness (John Barrowman, „Doctor Who“) nach dem Ende der dritten Staffel verschwunden war, hatten sich Gwen (Eve Myles, „Klein Dorrit“) und Rhys (Kai Owen, „Rocket Man“) mit ihrer kleinen Tochter Anwen zu ihrem eigenen Schutz in die Anonymität zurückgezogen. Jedoch nicht, ohne für alle Eventualitäten im wahrsten Sinne gewappnet zu sein.

Torchwood - Miracle Day
© BBC Worldwide Limited 2011, Foto: Adam Taylor – Bill Pullman

Als der Miracle Day hereinbricht und kein Mensch auf der Erde mehr sterben kann bzw. dazu verdammt ist, ewig zu leben, tritt diese Eventualität ein. Jack ist auf die Erde zurückgekehrt und seines Lebens nicht mehr sicher. Ausgerechnet der Unsterbliche ist nun der einzige Mensch auf Erden, der tatsächlich sterben kann. Genau das ist es, was ihm klarmacht, dass er direkt mit dem Phänomen zu tun hat.

Doch bevor er sich mit Gwen zusammentun kann, um alldem auf den Grund zu gehen, funkt die CIA dazwischen. Agent Rex Matheson (Mekhi Phifer, „ER“), der zu den Ersten gehört, der dank des Miracle Days eine tödliche Verletzung überlebt, kommt nach Wales, um die beiden letzten Torchwood Mitglieder in die Staaten auszufliegen.

Es dauert eine Weile, bis Jack und Gwen dem maßlos arroganten Matheson klarmachen können, dass es hier nicht um die Belange der CIA geht, sondern weit mehr auf dem Spiel steht. Das neue Team, zu dem auch Mathesons Kollegin Esther Drummond (Alexa Havins, „All my Children“) gehört, ist nun auf der Flucht, was die Aufklärung des Ursprungs umso schwieriger macht.

Torchwood - Miracle Day
© BBC Worldwide Limited 2011, Foto: Adam Taylor – (vorne) Eve Myles, John Barrowman

Was einem Kopfschmerzen bereitet, sind die lieblosen Skripte, die angefüllt sind mit überflüssigen Szenen und Nebencharakteren, was sowohl die Staffel als auch die Geschichte unnötig aufbläht. Der zum Tode verurteilte Mörder Oswald Danes (Bill Pullman, „Independence Day“) ist für sich genommen zwar interessant, hat aber, nachdem er auf schaurige Weise zum Medienstar stilisiert wird, keinerlei Funktion mehr, außer, dass Jack sich in gewisser Weise mit ihm vergleicht.

Sehr gelungen hingegen ist der CIA Mann Allen Shapiro, der von John de Lancie („Star Trek“) gespielt wird. Seine Rolle würzt die entsprechenden Szenen mit staubtrockenem Humor. Das Übermaß an „amerikanischen Charakteren“ wirkt allerdings wie ein Zugeständnis.

Dazu zählt auch Mekhi Phifers Charakter, der zwar arrogant, aber gleichzeitig auch stark, cool und intelligent rüberkommen soll und zu einer Art zweiter Held – neben Jack – aufgebaut wird. Diese Ambivalenz ist deutlich misslungen, denn Agent Rex Matheson ist einfach nur so nervend, dass man ihm letztlich nichts Positives abgewinnen kann.

Torchwood - Miracle Day
© BBC Worldwide Limited 2011, Foto: Adam Taylor – Arlene Tur, John Barrowman

Ohne Zweifel sind die Produktionswerte hervorragend, aber das waren sie auch schon in den vorherigen Staffeln. Dazu hat es das Geld der Amerikaner nicht gebraucht. Zudem sind die spektakulärsten Action-Sequenzen in Wales gedreht worden. Ein großes Lob geht an Special Effect Mann Danny Hargreaves („Doctor Who“, „Sherlock“), der für eine gewaltige Explosion sorgte, als Gwen Cooper eines der Lager in die Luft sprengt.

Man kann es Russell T Davies nicht verübeln, dass er mit der Unterstützung der Amerikaner eine vierte Torchwood Staffel realisieren wollte. Und selbst im Making of, bei dem sich Cast und Crew in gewohnter Weise gegenseitig auf die Schultern klopfen, überzeugt die ehrliche Begeisterung der Schauspieler, allen voran John Barrowman und Eve Myles.

Doch irgendwo dazwischen müssen sich die Verantwortlichkeiten derart verschoben haben, dass aus einer ambitionierten, schrägen, lustigen und dramatischen Serie eine glattpolierte, mäßig interessante und wie amerikanischer Einheitsbrei wirkende – vermutlich – letzte Staffel wurde.

Torchwood - Miracle Day
© BBC Worldwide Limited 2011, Foto: Dean Rogers – John Barrowman

Das hatte offensichtlich auch Auswirkungen auf den deutschen Markt, denn RTL 2 hat sich schwer damit getan, diese vierte Staffel überhaupt auszustrahlen. Über ein Jahr ließ man sich damit Zeit und verheizte die insgesamt zehn Episoden an drei Tagen in einer sogenannten Eventprogrammierung. Zudem gab es für den deutschen TV Sender auch nur wieder die um circa fünf Minuten gekürzten Episoden (woran RTL 2 allerdings keine Schuld trägt).

Am 20. August 2012 veröffentlichte polyband die Staffel auf DVD und Blu-ray. Den Ton gibt es auf Deutsch und Englisch mit optionalen, englischen Untertiteln. Außerdem gibt es circa 93 Minuten an Bonusmaterial, wahlweise mit englischen und deutschen Untertiteln.

DVD Ausstattung: Torchwood Serien-Guide

2 Gedanken zu „Torchwood: Der Tod ist tot“

  1. Ich fand Staffel 4 im Großen und Ganzen nicht schlecht.
    War aber allerdings auch phasenweise ein klitze-kleinwenig gelangweilt.
    Staffel 4 war nicht grad die beste Staffel der Serie. Meine Meinung!
    Das nun aber deshalb gleich Gerüchte kursieren, das es keine Fortsetzung mehr geben würde, oder so ähnlich, empfinde ich wiederum als übertrieben.
    Sollen sich die Schreiberlinge bei der fünften Staffel eben wieder mehr Mühe geben und die Amis bitte aus der Produktion heraushalten. Ganz einfach!

    Eins steht aber fest, sollte dies zutreffen, was ich aufgeschnappt habe, das John Barrowman, wenn es irgendwann eine 5 Staffel geben sollte nicht mehr mit an Bord sein sollte, könnte man TW eh vergessen.

  2. John Barrowman hofft nach wie vor auf eine weitere Staffel und hat unlängst mit seiner Schwester und dem Segen von Russell T Davies einen Torchwood Roman mit dem Titel „Exodus Code“ geschrieben, der im Oktober veröffentlicht werden soll und von dem er hofft, dass die Story in die nächste Staffel mit einfließen könnte. Da Russell aber zurzeit in GB eine neue Kinderserie produziert und er außerdem für seinen kranken Partner sorgen will, könnte das noch eine ganze Weile dauern.

    Persönlich habe ich TW erst mal zu den Akten gelegt und wenn irgendwann doch noch die Chance auf eine Fortsetzung besteht, dann hoffe ich natürlich auch, dass sie wieder vollständig in britischer Hand liegen wird.

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