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Death in Paradise: Ein moderner Poirot

Death in Paradise
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© 2011 BBC, Edel:Motion – vlnr: Danny John-Jules, Ben Miller, Sara Martins, Gary Carr
Rezension: Staffel 1

So manch einer würde seine eigene Mutter verkaufen, käme er dafür in den Genuss, auf einer Karibischen Insel arbeiten zu dürfen. Für Detective Inspector Richard Poole (Ben Miller, „Primeval“) ist es ein Übel, das überlebt werden muss. Als er den Mord an seinem Vorgänger DI Charlie Hulme (Hugo Speer, „McCallum“) aufklären soll, glaubt er noch, er könne nach getaner Arbeit wieder ins geliebte England zurückkehren – zu Regenwetter, klirrender Kälte und der gepflegten Tasse Tee. Doch seine Londoner Vorgesetzten versetzen ihn gleich längerfristig zur Honoré Police Station nach Saint-Marie. Sein neuer Boss, Commissioner Selwyn Patterson (Don Warrington, „Späte Jungs“), nennt es „eine sinnvolle Umverteilung von Ressourcen“.

Poole trägt diese Nachricht mit ebensolcher Fassung wie seine Anzüge. Tapfer schwitzt er unter Karibischer Sonne und trotzt dem traumhaften Meeresblick von seiner Strandhütte aus (die er sich mit einer Eidechse und einem Baum teilt) mit gelassener Ignoranz. Seine neuen Kollegen Camille Bordey (Sara Martins), Dwayne Myers (Danny John-Jules, „Red Dwarf“) und Fidel Best (Gary Carr) beißen auf Granit, wenn sie versuchen, dem „typischen Briten“ südländische Lebensfreude beizubringen.

Death in Paradise

© 2011 BBC, Edel:Motion – Ben Miller, Sara Martins

Patterson: „Saint-Marie war eine Kolonie der Franzosen. Die verloren sie an die Briten, die dann an die Holländer. Die Holländer haben sie wiederum an die Franzosen verloren. Die Franzosen reichten sie an die Briten zurück. Das war Mitte der Siebziger Jahre. So kommt es, dass circa dreißig Prozent der Bevölkerung noch Franzosen sind.“
Poole: „Franzosen? Großartig. Und ich dachte gerade, dass es nicht noch schlimmer werden kann.“

Wo Pooles Bereitschaft für Spaß, Unbekümmertheit und Teamfähigkeit endet, beginnt seine eigentliche Profession – das Aufklären von Mordfällen. Selbst ein Fieber-Delirium kann ihn nicht davon abhalten. Unerlässliche Arbeitsmittel sind Whiteboard, Notizblock und Lasermessgerät. Hier macht ihm so schnell niemand etwas vor, auch wenn er seiner Partnerin Camille mit seinem Überlegenheitsgehabe gehörig auf die Nerven geht. Beide pflegen von Beginn an eine intensive Streitlust. Dass Camilles Mutter Catherine (Élisabeth Bourgine, „Ein Herz im Winter“, „Mein bester Freund“), die auf Saint-Marie eine Bar betreibt, auch noch Französin ist, hilft nicht gerade weiter. Pooles Versuche, Catherine gegenüber vorsichtig diplomatisch zu sein, enden des Öfteren in schroffen Beleidigungen.

Carter: „Ich glaube, Sie haben sie eben verärgert.“
Poole: „Sie ist Französin. Das ist Berufsrisiko.“

Death in Paradise

© 2011 BBC, Edel:Motion – Gary Carr, Danny John-Jules

In feinster Agatha Christie Manier erzählt Serienerfinder Robert Thorogood kleine Kriminalgeschichten mit unvorhersehbarem Ende. Er lässt seinen Protagonisten Richard Poole mit der gleichen Hin- und Kombinationsgabe sowie der Schrulligkeit eines Hercule Poirot agieren. Ben Miller scheint diese Rolle auf den Leib geschneidert. Herrlich süffisant und ja, absolut britisch! Gegen Ende jedes Falles lässt Poole nach dem obligatorischen Aha-Erlebnis alle Verdächtigen und Unverdächtigen zusammenbringen, um den Täter zu stellen. Das ist britische Krimikost wie man sie liebt.

Umso erstaunlicher, dass diese Serie Thorogoods erste TV Arbeit überhaupt ist. Er nahm an einem Autoren-Wettbewerb teil, der mittlerweile alljährlich von Red Planet Pictures veranstaltet wird. Gründer dieser Produktionsfirma ist kein Geringerer als Tony Jordan, der als einer der Autoren der Seifenoper „EastEnders“ berühmt wurde. Er kreierte die Gaunerserie „Hustle“ und gemeinsam mit Matthew Graham und Ashley Pharoah „Life on Mars“. Um frisches Blut in den TV Markt zu pumpen und unbekannten Autoren eine Chance zu geben, schrieb Jordan den The Red Planet Prize aus. Thorogood wurde Finalist und überzeugte mit seinem Skript für „Death in Paradise“. Jordan koproduziert die Serie u.a. mit Matthew Bird („Bedlam“, „Blackout“) und Polly Hill („The Shadow Line“, „George Gently“, „The Syndicate“).

Catherine: „Voodoo?“
Poole: „Oh, bitte!“
Catherine: „Sie glauben nicht daran?“
Poole: „Dass man mit ein paar Hühnerknochen die Zukunft vorhersagen kann? Da liegt mir die Kirche von England irgendwie näher.“
Catherine: „Weil Gott Engländer ist?“
Poole: „Hm. Höchstwahrscheinlich sogar.“

Death in Paradise

© 2011 BBC, Edel:Motion – Danny John-Jules, Ben Miller

Gedreht wurde tatsächlich in der Karibik, genauer gesagt auf Guadeloupe, da die Insel Saint-Marie nicht wirklich existiert. Reggea Klänge und Samba Rhythmen untermalen das traumhafte Set, das einen permanent dazu verführt, die Koffer packen zu wollen. Für die Originalmusik ist Komponist Magnus Fiennes verantwortlich, der nebenbei Platten produziert (All Saints, Bond) und Songs schreibt. Schon Serien wie „Hustle“, „Murphy’s Law“ oder „The Fixer“ hat er musikalisch verfeinert. Fiennes arbeitete bereits mit Musikern wie Shakira, Tom Jones und Morcheeba zusammen. Wem sein Nachname bekannt vorkommt – zu seinen Brüdern zählen die Schauspieler Ralph und Joseph Fiennes.

Die in Portugal geborene Sara Martins spielte bislang überwiegend in französischen Produktionen mit – darunter in dem Thriller „Kein Sterbenswort“ und der Dramödie „Kleine wahre Lügen“. Gary Carr, der hier die Rolle des Fidel Best spielt, machte zuvor in Theaterproduktionen und Musicals auf sich aufmerksam. U.a. in dem von der BBC 2011 ausgestrahlten Live Musical Drama „Frankenstein’s Wedding … Live in Leeds“.

Diese erste Staffel wartet mit namhaften Gaststars auf. So sind in der ersten Episode schon Rupert Graves („Sherlock“) und Lenora Crichlow („Being Human“) dabei. Desweiteren zu sehen sind u.a. Robert Pugh („The Shadow Line“), Paterson Joseph („Jekyll“), Matt Di Angelo („Hustle“), Nicholas Farrell („Torchwood“), Clare Holman („Lewis“), Michael Maloney („The Forsyte Saga“), Miranda Raison („Spooks“), Colin Salmon („Strike Back“), Sarah Smart („Wallander“), Shirley Henderson („Harry Potter“), Lisa Faulkner („Murder in Suburbia“), Adrian Dunbar („Ashes to Ashes“) und John Thomson („Cold Feet“).

Fidel: „Wissen Sie, Sir. Es gibt mehr im Leben als das Leben.“
Poole: „Das ergibt ja nun überhaupt keinen Sinn.“

Death in Paradise

© 2011 BBC, Edel:Motion – Élisabeth Bourgine, Sara Martins

Die zweite Staffel wurde im Januar 2012 in Auftrag gegeben und mittlerweile befindet man sich seit einigen Wochen in den Dreharbeiten. Die Namen einiger Gaststars sind bereits bekannt. Darunter befinden sich Stephanie Beacham („Die Colbys“, „Denver Clan“), Michael Brandon („Dempsey & Makepeace“), Tom Ward („Silent Witness“), Dexter Fletcher („Hotel Babylon“), Kelly Adams („Hustle“), Patrick Baladi („Mistresses“), Bryan Dick („Bleak House“) und Gemma Jones („Spooks“). In ihrer ersten Rolle wird auch die britische Pop und R&B Sängerin Jamelia zu sehen sein.

Edel:Motion veröffentlichte die erste Staffel am 21. August 2012 kurz nach dem Ende der Free-TV Ausstrahlung auf zdf_neo. Den Ton gibt es auf Deutsch und Englisch jedoch ohne Untertitel. Desweiteren fehlen jegliche Extras. Fairerweise muss man sagen, dass die Original Box aus Großbritannien (nach dem Lesen einiger Kritiken) wohl auch keine Extras aufweist und dort sogar später erscheint als in Deutschland. Die Serie selbst ist das Ansehen allemal wert. Besonders für alle Liebhaber feiner, britischer Whodunit-Krimis!

DVD Ausstattung
Death in Paradise - Staffel 1 - DVD Cover

Coverfoto: Edel:Motion

Format: PAL
Disc-Type:
Ländercode: alle
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 16:9 (1.77:1)
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 4
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 416 Minuten (8 x ca. 52 Min.)
Extras: keine
Verpackung: Softbox
Label: Edel Germany GmbH

Episoden – Disc 1
  • 1.01 Willkommen im Paradies (52:34 Min.)
  • 1.02 Nur die Sonne war Zeuge (52:17 Min.)
Episoden – Disc 2
  • 1.03 Der Voodoo-Zauber (52:32 Min.)
  • 1.04 Beste Freunde (52:36 Min.)
Episoden – Disc 3
  • 1.05 Mord an Bord (52:32 Min.)
  • 1.06 Tropisches Fieber (52:35 Min.)
Episoden – Disc 4
  • 1.07 Falsche Töne (52:25 Min.)
  • 1.08 Bellende Hunde (52:08 Min.)

1 Kommentare

  1. Manfred Dreier sagt

    Selten dass mich eine Serie (die ich anfangs durch Zufall auf ZDF neo fand …) so angesprochen hat. Ganz toll gemacht. O K – haben Bezug zu Brasilien ……. Habe mir dann nachträglich noch die DVD’s gekauft. Musste einfach sein …..

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