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Neverland: Wenn Elfen helfen

Neverland
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© Concorde Home Entertainment 2011, „Neverland“ – Charlie Rowe
Rezension: TV Mehrteiler

Wie wurde aus Peter Pan der Junge, der nie erwachsen werden wollte? Seit der in Schottland geborene Sir James Matthew Barrie die Geschichte um Peter und die verlorenen Jungs erfand und zunächst als Bühnenstück aufführen ließ, bevor er sie 1911 für sein Buch „Peter Pan“ („Peter and Wendy“) adaptierte, wurde sie unzählige Male in Musicals, Büchern, Filmen und Theaterstücken interpretiert. So stellte man sich 1991 in dem amerikanischen, starbesetzten Kinofilm „Hook“ von Regisseur Steven Spielberg die Frage, was wäre, wenn Peter doch irgendwann erwachsen geworden wäre und sich nun an die Erlebnisse seiner Kindheit erinnern muss.

Die britische Miniserie „Neverland“ (dt. Titel: „Neverland – Reise in das Land der Abenteuer“) ist quasi als Prequel des berühmten Kinderbuchs zu verstehen, denn sie erzählt von einer möglichen Vorgeschichte. Regisseur und Autor Nick Willing erfand eine Abenteuerreise, die nicht im Neverland beginnt, sondern 1906 im East End von London.

Dass Willing problemlos in Fantasiewelten eintauchen und sie auch visuell lebendig werden lassen kann, beweist seine bisherige Karriere. So führte er u.a. Regie bei gleich drei „Alice im Wunderland“ Interpretationen und auch der Großteil seiner anderen Arbeiten, ob als Regisseur oder Autor, beschäftigen sich mit Märchen, Sagen oder paranormalen Phänomenen.

„Ein Planet, der Zweite von rechts und weiter geradeaus bis zum Morgen.“

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© Concorde Home Entertainment 2011, „Neverland“ – Anna Friel

Peter (Charlie Rowe, „Der goldene Kompass“) gehört einer Straßenbande an, deren Mitglieder – allesamt Kinder – von James (Rhys Ifans, „Notting Hill“, „Radio Rock Revolution“) „adoptiert“ und zu Kleinkriminellen ausgebildet wurden. Als es darum geht, in ein Juweliergeschäft einzubrechen, um für den Auftraggeber Dr. Fludd (Charles Dance, „Alien 3“, „Game of Thrones“) eine besondere Kugel zu stehlen, verschlägt es alle durch eben jene Kugel ins Neverland.

Dort angekommen, muss Peter nicht nur versuchen, seine Freunde zu finden und zu retten. Er trifft auch auf Indianer, Piraten und Elfen. Neverland ist nicht nur irgendeine mystische Insel – es ist ein Planet im Zentrum des Universums. Die Kugel – die Erfindung eines Wissenschaftlers, der schon Königin Elisabeth I. zu Diensten war – dient als Portal und hat schon so manchen versehentlich ins Nimmerland befördert.

So auch Captain Elizabeth Bonny (Anna Friel, „Pushing Daisies“) samt ihrer Mannschaft und ihrem Schiff. Da man in Neverland nie altert, schaukelt Bonny, die ebenso hübsch wie boshaft ist, schon seit über 200 Jahren übers hiesige Wasser und überlegt, wie sie eine bestimmte, mineralische Substanz der Elfen zu ihrem Vorteil nutzen kann. Mithilfe dieser Substanz ist es nämlich möglich, zu fliegen. Gottgleich will sie werden und über ganz Neverland herrschen, wären da nicht einige Hürden, die zuvor überwunden werden müssen.

Neverland

© Concorde Home Entertainment 2011, „Neverland“ – (links) Rhys Ifans

Als sie James gefangen nimmt, verfällt er ihrem Charme und hat auch kein wirkliches Problem damit, ihren dunklen Plan zu unterstützen. Stück für Stück entblättert sich seine eigentliche Persönlichkeit und die ist nicht gerade schmeichelhaft. Für Peter, der in James eine Art Vaterfigur sieht, ist dies eine erschreckende Erkenntnis.

Trost und Hilfe findet er bei seinen alten und neuen Freunden, wenngleich auch Peter folgenschwere Fehler begeht. Als er dem Erfinder der Kugel begegnet, versteht er zwar das große Ganze, aber von nun an nimmt das Drama seinen Lauf. Von Elfen in Sicherheit gebracht, erhält Peter die Fähigkeit, zu fliegen und muss sich nun dem alles entscheidenden Kampf stellen.

In den Nebenrollen glänzt u.a. der großartige Bob Hoskins als Smee, der genau diese Rolle bereits im schon erwähnten Kinofilm „Hook“ gespielt hatte. Daneben hat Q’orianka Kilcher eine Rolle als Aaya, die Tochter des Häuptlings. An der Seite von Colin Farrell spielte sie 2005 in „The New World“ die Pocahontas. Der Indianer Holy Man wird von Raoul Trujillo („In den Westen“, „Cowboys & Aliens“) verkörpert. In der deutschen Synchronisation nicht zu hören ist Keira Knightley („Fluch der Karibik“, „Abbitte“). Sie leiht im Original der Elfe Tinker Bell ihre Stimme.

Neverland

© Concorde Home Entertainment 2011, „Neverland“ – Bob Hoskins

Das Set von „Neverland“ wirkt hin und wieder bühnenhaft (besonders in den Szenen der Winterlandschaft), hat jedoch genau deswegen einen betont fantasievollen Charme. Gedreht wurde in Irland und Italien und die Produktionswerte können sich sehen lassen. Die Fotografie weiß farbenfroh und in Kinoqualität zu bezaubern. Ebenso viel Mühe wurde auf Kostüme und Maske verwendet, inklusive eines stimmigen Zeitkolorits in den Szenen, die in London spielen.

Und besonders Rhys Ifans und Anna Friel bieten schauspielerische Bestleistungen. Der noch junge Charlie Rowe als Peter Pan kann ebenfalls überzeugen, zumal seine Rolle facettenreich geschrieben wurde. Um ein Haar wäre er übrigens als 12jähriger Charles Xavier für „X-Men: Erste Entscheidung“ gecastet worden. Die Dreharbeiten hatten sich jedoch mit denen zu „Neverland“ überschnitten.

Im Fazit bietet diese Miniserie beste Unterhaltung für die ganze Familie mit einer kreativen Vorgeschichte zum literarischen Bestseller, die einerseits durchaus logisch erscheint und viele, liebevolle Referenzen bietet, andererseits auch einige Überraschungen parat hält.

Neverland

© Concorde Home Entertainment 2011, „Neverland“

Am 09. August 2012 veröffentlicht Concorde Home Entertainment die DVD zum Fantasie-Abenteuer mit zwei spielfilmlangen Episoden. Den Ton gibt es in Deutsch und Englisch mit optionalen, deutschen Untertiteln. RTL zeigt „Neverland – Reise in das Land der Abenteuer“ am 11.08.12 um 20.15 Uhr mit einer nächtlichen Wiederholung.

DVD Ausstattung
Neverland - DVD Cover

Coverfoto: Concorde Home Entertainment

Format: PAL
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (optional)
Bildformat: 16:9 (1,85:1)
Audio: Dolby Digital 5.1
Anzahl der Disks: 1
Altersfreigabe: 6
Laufzeit: ca. 178 Min. (2 x ca. 90 Min.)
Extras: Programmtipps
Verpackung: Softbox
Label: Concorde Home Entertainment

Episoden
  • Teil 1 (90:19 Min.)
  • Teil 2 (88:29 Min.)

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