Dokumentationen, Rezensionen
Kommentare 1

Britische Küche: Sarah Wiener macht den Test

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Großbritannien
Copyright Artikelbild
© BritTV.de – 18.06.2012, Pressekonferenz
Rezension: TV Doku

Kulinarische Genüsse und Großbritannien – ist das eigentlich vereinbar? Oder beruht diese Hinterfragung nur auf Klischees und Vorurteilen? Starköchin Sarah Wiener machte ums Heimatland der Queen immer einen großen Bogen. Ungerechterweise, wie der britische Koch Gary Rhodes fand und bot Frau Wiener eine Wette an. Quer durchs Land fahrend, musste sie zehn typisch britische Gerichte nachkochen und ihre eigene Leistung bewerten lassen. Die Jury bestand immer aus waschechten, natürlich äußerst kritischen Einheimischen.

„Das Klima ist mild, der Regen zuverlässig.“

Wie schon bei Sarah Wieners anderen, kulinarischen Abenteuern wurde daraus eine unterhaltsame Staffel, die momentan auf dem TV Sender Arte zu sehen ist. Vermutlich hätte sich der Sender auf die Produktion dieser kulinarischen Reise gar nicht eingelassen, wenn man sie im Zuge der Britishness-Wochen nicht ohnehin wunderbar hätte unterbringen können. Man hatte gut daran getan, denn was dabei herauskam, ist in der Tat amüsant.

Unterwegs im roten Käfer-Cabriolet und mit der Filmcrew im Schlepptau, bereist Sarah so ziemlich die schönsten Orte Großbritanniens. Ob in den Hochmooren von North Yorkshire, der Isle of Skye in Schottland, Cornwall oder Wales mit seinen unaussprechlichen Ortsnamen – nicht nur Sarah ist begeistert von der Schönheit des Landes.

Sarah: „Was ich wirklich nicht wusste, ist, dass Großbritannien so wahnsinnig schön ist. Da gibt es Ecken, da legt man sich nieder.“

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Großbritannien

© BritTV.de – Sarah Wiener am 18.06.2012, Pressekonferenz

Es ist weniger das Kochen, was die Episoden so unterhaltsam macht, sondern vielmehr das Besorgen der Zutaten. Frau Wiener legt sich mächtig ins Zeug und ist sich für nichts zu schade. Sie begleitet Fischer auf dem Boot und angelt mit ihnen, lernt Schießen und erlegt Moorhühner und Hirsche.

Sie taucht nach Jakobsmuscheln, hilft beim Torfstechen, stellt Käse und Rinderfett her, probiert sich in der Weinlese und im Schleudern von Honig und erlernt sogar das Fliegenfischen. Worauf Sarah Wiener besonders stolz ist, ist der dokumentarische Stil der Serie. Ihre englischen Paten lernte sie tatsächlich immer erst vor der Kamera kennen.

Sarah: „Ich stürze mich in die Situationen und dann schauen wir mal, was passiert. […] Ich finde das sehr angenehm, wenn man keinen Text auswendig lernen muss.“

Danach befragt, welches Gericht für sie denn am schwierigsten zu kochen war, betont sie, dass es ihr oft schwer fiel, sich genau an das Rezept zu halten. Es ist ihr nicht immer gelungen und an der vorletzten Aufgabe wäre sie fast gescheitert, da sie einfach nicht anders konnte, als Kräuter und Gemüse hinzuzufügen. Zutaten, an die sich vier Fußballfans aus Essex erst mal gewöhnen mussten.

Sarah: „Wenn ich etwas ändere, ist das immer ein Zeichen, dass ich glaube, ich kann es besser.“

Lustige Momente während der Dreharbeiten bezieht Sarah Wiener vor allem auf die englische Sprache. Diese spricht sie – laut eigener Aussage – nämlich nicht besonders gut und so kam es hin wieder zu heiklen Aussprache-Schwierigkeiten. Aus einem „cook“ wurde dann schnell mal ein „cock“ oder aus einem „accent“ ein „accident“. Da mussten die Insulaner schon mal ein Auge zudrücken.

Umgekehrt traf Sarah auch auf urige Typen – ein Bäckermeister, der gleichzeitig Druide ist, lädt sie zu einer Zeremonie ein. Praktischerweise kann man hier gleich mal um schönes Wetter für ein bevorstehendes Picknick bitten.

Sarah: „Je exzentrischer die Briten wurden, umso mehr mochte ich sie.“

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Großbritannien

© BritTV.de – Sarah Wiener mit Regisseur Florian Schewe am 18.06.2012, Pressekonferenz

Im Fazit wurde Sarah Wiener eines Besseren belehrt. Die Britische Küche ist beileibe nicht uninspiriert, auch wenn sie sagt, dass es eher „Inseln der Qualität“ sind, wenn britische Bauern mit Stolz auf die Frische ihrer Produkte verweisen können und darum bemüht sind, Natur und Tierwelt zu schonen und zu schützen.

Wer hätte gedacht, dass man nach Jahrhunderten herausfindet, den Tee in England auch selbst anbauen zu können, statt ihn nur zu importieren? Nichtsdestotrotz hat die industrielle Revolution in Bezug auf die Esskultur in Großbritannien mehr Schaden angerichtet als beispielweise in Frankreich oder Italien.

Natürlich bleibt da eine Diskussion über gesunde Ernährung nicht aus und nachdem Sarah einige Tipps vermittelt, gibt sie den wohl besten Ratschlag und zitiert ihre Mutter:

Sarah: „Aus einem Büffel wird nur ein abgemagerter Büffel, aber keine Gazelle.“

Edel veröffentlicht die DVD mit zwei Discs und einem 36seitigen Kochbuch am 30.06.2012. Die zehn Episoden sind jeweils circa 43 bis 45 Minuten lang. Als Extras gibt es auf beiden DVDs drei nicht gezeigte Begegnungen und einen Blick hinter die Kulissen. Das Bild gibt es in 16:9 und den deutschen Ton in Dolby Digital 2.0.

1 Kommentare

  1. Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.