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Robin Hood: Der Wald ruft, Teil 1

Robin Hood
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© Tiger Aspect Productions, BBC 2006 – Jonas Armstrong
Rezension: Staffel 1, Teil 1

Wenn Sherlock Holmes Englands berühmtester Detektiv ist und James Bond der berühmteste Spion, dann ist Robin Hood mit Sicherheit der berühmteste Waldbewohner der Insel. Die Legende vom Geächteten, der in Abwesenheit des Königs gegen die machtgierige Obrigkeit aufbegehrt, den Reichen nimmt und den leidenden Armen gibt, reicht in Form noch ganz anders lautender Balladen bis ins Spätmittelalter zurück, was Robin Hood zum mutmaßlich ältesten Pop-Helden überhaupt macht.

Im Laufe der Jahrhunderte formte sich daraus die heutige Legende, die Anfang des 20. Jahrhunderts wie selbstverständlich auch schnell ihren Weg in das neue Medium Film fand. Bereits zu Stummfilmzeiten wurde sie (u.a. mit Douglas Fairbanks besetzt) als idealer Stoff zur filmischen Umsetzung entdeckt, doch der ganz große neuzeitliche Ruhm geht auf die lange prägende Darstellung durch Errol Flynn zurück, der den Titelcharakter im dreifach Oscar-prämierten „Robin Hood, König der Vagabunden“ von 1938 spielte.

In den folgenden Jahrzehnten gab es praktisch keine Form, in der man die Legende nicht verfilmt hätte; Abenteuerfilme, Comedy-Versionen, Musical-Adaptionen, eine Disney-Zeichentrick-Variante, betont düstere und/oder realistische Ansätze und Fantasy sind nur einige der Genres. Auch für eine serielle Umsetzung im Fernsehen wurde sie bald entdeckt, woran natürlich auch die Briten selbst ihren Anteil hatten. Richard Greene war von 1955 bis 1960 in einer halbstündigen Serie als Robin Hood zu sehen und beliebt genug, um die Rolle Jahre später in einer von drei Spielfilmadaptionen der legendären Hammer-Studios zu wiederholen.

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2006 – Richard Armitage, Keith Allen

Es folgte der amerikanische Persiflage-Beitrag „Robi Robi Robin Hood“ von Mel Brooks (1975), der 1993 im Kielwasser des erfolgreichen Kevin Costner-Films „Robin Hood – König der Diebe“ (1991) noch eine Spielfilm-Parodie namens „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“ folgen ließ (quasi ein neuverfilmtes Best of seiner Serie). Abgesehen von einer ebenfalls ’75 produzierten sechsteiligen BBC-Reihe wurde es danach in England (und international) ruhig auf den Fernsehschirmen.

Erst 1984 kehrte Leben in den Sherwood Forest zurück, als Richard Carpenter „Robin of Sherwood“ (dt. „Robin Hood“) in drei Staffeln düster-mystische Abenteuer erleben ließ, die eine neue Generation von Fernsehzuschauern und Filmemachern inspirierten und zu einem neuen Boom an Verfilmungen führten, von denen der vorgenannte Film mit Kevin Costner in der Titelrolle wohl die bekannteste und beliebteste war.

Nach dem Boom in den frühen 90ern ebbte das Interesse an dem Stoff erst einmal wieder auf Jahre ab, doch schließlich war es die BBC, welche die Zeit für gekommen hielt, eine neue Serie für eine neue Zuschauer-Generation aus der Taufe zu heben. Als Produzenten setzte man die erstmals zusammen arbeitenden Dominic Minghella („Schiffbrüchig“, „Doc Martin“) und Foz Allan („Casualty“, „Vital Signs“) ein, gedreht wurde mit einer weitgehend sehr jungen Besetzung in Ungarn und schließlich debütierte BBCs leicht modernisierter „Robin Hood“ 2006 mit einer ersten Staffel aus 13 Episoden.

England im Jahr 1192
Robin von Loxleys (Jonas Armstrong, „Prisoners Wives“) Freude über die Heimkehr nach England wird schnell getrübt. Während der junge Mann im Heiligen Land für König Richard im Krieg kämpfte, hat der neue despotische Sheriff of Nottingham (Keith Allen, „The Runaway“, „The Body Farm“) im heimatlichen Nottingham die Macht an sich gerissen und beutet das Volk im Namen des Königs mit immer neuen Steuern und Strafmaßnahmen gnadenlos aus.

Es dauert nicht lange, bis Robin derlei Gebaren nicht mehr mit ansehen kann und sich offen gegen den Sheriff und seinen Schergen Guy of Gisborne (Richard Armitage, „Spooks“, „Strike Back“, „Der Hobbit“) stellt. Vom Sheriff zum Geächteten erklärt, flieht Robin mit seinem ehemaligen Diener und Freund Much (Sam Troughton, „Vera Drake“, „Hex“) in den Sherwood Forest und formiert dort mit weiteren Outlaws den Widerstand gegen den Sheriff…

Sheriff of Nottingham: „Ein Hinweis… Nein!“

Auch wenn sich die Grundgeschichte noch immer sehr nach dem gewohnten Muster liest, ist der Vorsatz der Produzenten, die Geschichte zu modernisieren, beim Ansehen erkennbar und zeigt sich in zahlreichen Facetten der Produktion, sei es nun Kleidung, Sprachgebrauch oder Dramaturgie. Dabei ist jedoch vor allem in den frühen Folgen ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den gelungenen und den weniger gelungenen Ideen offensichtlich.

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2006 – Lucy Griffiths

Die Neuerungen fangen schon bei Robin Hoods berühmtestem Wahrzeichen an. Nein, nicht bei der das Gesicht tarnenden Kapuze sondern bei seinem Flitzebogen. Nicht mehr das Insigne britischer Schützenkunst, der englische Langbogen, kommt in dieser Serie zum Tragen. Vielmehr brachte Robin aus dem Heiligen Land ein dortiges Exemplar in deutlich verkürzter Form mit. Macht nichts, denn auch mit diesem Bogen ist er ein trefflicher Schütze und stellt seine Kunstfertigkeit nur allzu gerne unter Beweis. Dank heutiger Tricktechnik geraten diese Spielereien auch aufwändiger und waghalsiger (oder sollte man sagen unglaubwürdiger?) als jemals zuvor. Bedauerlicherweise war das aber auch schon fast alles, was Hood mit dem Bogen zustande bringt, denn auf Menschen wird per se eigentlich fast nicht mehr geschossen.

Robin und seine lustigen Mannen sind in dieser Inkarnation des Mythos nämlich Pazifisten. Gezeichnet vom posttraumatischen Stress, will man nicht auf das Niveau des Feindes sinken und töten. Freilich auch eine vortreffliche Begründung, weshalb man den Sheriff of Nottingham zwar immer wieder besiegt, doch stets am Leben lässt, damit er die gesetzestreuen Gesetzlosen aufs Neue piesacken kann. Natürlich erkennt der Sheriff, der alte Fuchs, irgendwann diese Schwäche seiner Feinde, woraufhin sich Hood zu einem waghalsigen Schritt entschließt und dem Sheriff beweist, dass er dennoch ein ernst zu nehmender Gegner ist; er kratzt ihn mit einem Pfeil in die Hand!

Zugegeben; dramaturgisch muss der Zuschauer in dieser neuen Verfilmung die eine oder andere Kröte schlucken. Beinahe genauso enervierend wie die blutleeren Actionszenen sind die immer gleichen Szenarien. Kaum eine Folge vergeht, bei der nicht einer von Robins Männern gefangen genommen wird, sich freiwillig gefangen nehmen lässt oder jemanden kennt, der gefangen wurde, sodass man entweder aus des Sheriffs Eigenheim flüchten, ein- oder ausbrechen muss. Doch auf die Geschichten und Charaktere kommen wir in der Review zum zweiten Teil der Staffel noch ausführlicher zu sprechen.

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2006 – Jonas Armstrong

Was sich hier etwas negativ gestimmt anhört, soll natürlich nicht darüber hinweg täuschen, mit was man es hier zu tun hat; einer erfrischend lockerleichten Robin Hood-Geschichte, die am Wochenende-Nachmittag Kurzweil in familienfreundlicher, schwungvoller, wenn auch nicht immer logischer Machart bietet. Damit kehrt man von der verbissenen Ernsthaftigkeit und betonten Düsternis der meisten neueren Robin Hood-Versionen teilweise ab und besinnt sich auf die Errol Flynn-Wurzeln zurück, ohne dabei notwendige Neuerungen auszulassen.

Die Blu-ray
Dass ein so zeitloses und beliebtes Thema wie „Robin Hood“ auch seinen Weg nach Deutschland finden würde, verwundert nicht sehr, auch wenn es ein paar Jahre dauerte, ehe sich ein Sender (SuperRTL) erbarmte und die Serie ausstrahlte.

Begleitend zur Erstaufführung beschert polyband den Fans nun parallel zur DVD-Veröffentlichung auch eine schicke Blu-ray-Ausgabe. Diese kommt in einer Doppel-Amaray-Hülle im Schuber daher, wobei die FSK-Kennzeichnung nur auf dem Schuber und nicht auf dem Cover der Hülle zu finden ist. Die gebotene Qualität kann man dabei nur loben; das Bild ist bis auf ganz kleine und dem Ausgangsmaterial geschuldete Fehler gut bis sehr gut, der Ton ebenfalls.

Was negativ ins Auge sticht, ist allerdings die auch hier vorgenommene Teilung der Staffel in zwei Hälften, wodurch „Staffel 1, Teil 1“ gerade einmal 6 Episoden umfasst. Die weiteren 7 Episoden der Staffel folgten allerdings bereits am 25. Mai 2012 in „Staffel 1, Teil 2“, welche auch einen Großteil des Bonusmaterials beinhaltet (Making-of etc.).

Robin Hood

© Tiger Aspect Productions, BBC 2006 – Harry Lloyd, Jonas Armstrong, Keith Allen, Sam Troughton

Aber auch im ersten Teil der Staffel muss man nicht gänzlich auf Sonderausstattung verzichten, denn immerhin zwei Audiokommentare von Besetzung und Stab der Serie finden sich auf den beiden Blu-rays; für die Episode „Hüte deine Zunge!“ sammelten sich die Ausführenden Produzenten Dominic Minghella und Foz Allan, Komponist Andy Price sowie Gordon Kennedy (Little John) und Lucy Griffiths (Lady Marian) vor dem Mikrofon und für „Elternzeit“ trat noch einmal die selbe Truppe an, wobei diesmal Komponist Price durch Darsteller Richard Armitage (Sir Guy of Gisborne) ersetzt wurde. Während es für die Episoden englische Untertitel gibt, sind die Audiokommentare nicht untertitelt worden, was teilweise aufgrund der vielen Sprecher die Verständlichkeit etwas beeinflusst.

Als Fazit erweist sich „Robin Hood – Staffel 1, Teil 1“ als in Bild, Ton und Verpackung qualitativ sehr gelungene Veröffentlichung, die mit den beiden Audiokommentaren auch ein wenig Bonusmaterial beinhaltet. Negativ schlagen nur die fehlenden Untertitel für die Audiokommentare sowie die Splittung der Staffel in zwei Boxen zu Buche. Freunde von Robin Hood und generell Fans locker-leichter britischer Abenteuerserien können daher rundum zufrieden sein.

Blu-ray Ausstattung
Robin Hood - S1, Teil 1 - Blu-ray Cover

Coverfoto: polyband

Disc-Type: BD 50 DL (double-layer, 50 GB)
Ländercode: A, B, C
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Bildformat: 16:9 (1,78:1), Full HD 1920 x 1080
Audio: dts-HD Master Audio 5.1, dts-HD Master Audio 2.0
Anzahl der Disks: 2
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 266 Minuten (6 x ca. 45 Min.)
Extras: Audiokommentare, BBC-Werbung (00:18 Min.)
Verpackung: Blu-ray Case (Amaray im Schuber)
Label: polyband

Disc 1 (ges. 133 Min.)
  • 1.01 Lassen wir uns das gefallen?
  • 1.02 Hüte deine Zunge!
    Audiokommentar: Dominic Minghella, Foz Allan, Andy Price, Gordon Kennedy und Lucy Griffiths
  • 1.03 Der Nachtwächter
Disc 2 (ges. 133 Min.)
  • 1.04 Elternzeit
    Audiokommentar: Dominic Minghella, Foz Allan, Richard Armitage, Gordon Kennedy und Lucy Griffiths
  • 1.05 Kein Rest vom Schützenfest
  • 1.06 Der Steuerinspektor kömmt!

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