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Outcasts: Von Abschied und Hoffnung

Outcasts
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© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto
Rezension: Staffel 1

Die britische Serie „Outcasts“ – eine Mixtur aus Postapokalypse, Science Fiction, Drama und Abenteuer – erzählt vom Ende der Erde und vom Beginn einer neuen, menschlichen Zivilisation auf einem anderen Planeten. Diesen hatte man fünf Lichtjahre entfernt entdeckt und gab ihm den Namen Carpathia, der auf das gleichnamige Schiff zurückzuführen ist, welches beim Untergang der Titanic als erstes eintraf, um Überlebende zu bergen. Vor zehn Jahren begannen die ersten Siedler damit, dort die Stadt Forthaven zu errichten. Sie versuchen den Kontakt zur Erde aufrecht zu erhalten und hoffen auf die Ankunft weiterer Schiffe.

Serienentwickler und Autor Ben Richards („Party Animals“, „The Fixer“, „Spooks“) wurde nach nur fünf Episoden vom Publikum abgestraft, als man aufgrund schlechter Quoten die restlichen drei von insgesamt acht Folgen ins Spätprogramm schob und die BBC nach der Ausstrahlung der Serie deren Ende ankündigte.

Dabei kann man Richards lediglich vorwerfen, sich zu sehr bei Serien wie „Earth 2“ (USA, 1994) bedient zu haben. Offensichtlich aber nicht wissentlich, denn eine Sci-Fi Serie war von ihm zunächst nicht geplant. Ihn interessierte die Idee von Pionieren, die neues Land besiedeln und sich eine Zukunft aufbauen. Inspiriert durch Stephen Hawking – der mal gesagt haben soll, dass die Menschheit, wenn sie denn überhaupt eine Zukunft hat, einen Weg zu anderen Planeten finden muss – versetzte Richards die Geschichte seiner Pioniere ins Weltall.

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© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto – (vorne) Langley Kirkwood, Amy Manson

Mit dem Science Fiction Genre hatte er noch keinerlei Erfahrung, was im Grunde unwichtig war, da er „Outcasts“ nicht als eine konventionelle Sci-Fi Serie anlegen wollte. Ihn beschäftigte vielmehr die Frage, ob Menschen in der Lage sind, es besser zu machen, wenn sie eine zweite Chance erhalten. Es geht um politische Strukturen, um Religion und Wissenschaft und um das soziale Miteinander sowie um das Verhalten gegenüber anderen Spezies. Hier schlägt Ben Richards einen optimistischen, hoffnungsvollen Ton an.

Was „Outcasts“ nicht bietet, sind Lichtschwertkämpfe oder feuergewaltige Weltraumschlachten. Und schon gar nicht dringt man wiederholt in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Hierin liegt vermutlich auch der Grund, wieso diese Serie polarisiert – nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Kritikern.

Der Aufdruck „Sci-Fi“ weckt eine gewisse Erwartungshaltung, die die Serie weder erfüllen kann, noch will. Dennoch ist es – mit durch den Weltraum reisenden Transportern, dem Aufdecken ethisch fragwürdiger Gen-Experimente und dem Hinweis auf eine existierende, indigene Spezies – durchaus gerechtfertigt, „Outcasts“ als futuristisch zu deklarieren.

Outcasts

© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto

Anfänglich war es geplant, etwaige Erklärungen mittels Voice-over in die Pilotepisode einzubauen. Doch dann entschied man sich dagegen, weil man sich sicher war, dass es auch ohne den Beipackzettel funktioniert. Informationen wie die über das Schicksal der Erde, wie viele Schiffe unterwegs waren, aufgrund welcher Kriterien die ersten Siedler ausgesucht wurden etc. fließen in die Dialoge ein – verteilt über die einzelnen Folgen. Im Grunde ein guter Schachzug, der den Zuschauer herausfordert und ihn Stück für Stück selbst herausfinden lässt, was geschehen war und wie alles zusammenhängt. Zudem bleiben die Charaktere interessanter, weil man nicht jedes Schicksal schon im Vorfeld aufzeigt.

Haupthandlungsort der Serie ist Forthaven – eine Stadt, die ein bisschen so wirkt, als wäre sie von einem Schrottplatz zusammengesucht worden. Containerartige Wohneinheiten, die zwar gemütlich, aber auch spartanisch eingerichtet sind, wurden um das ausgeschlachtete Raumschiff herum gebaut, welches nach wie vor als Operationszentrale dient. Alles läuft auf eine logisch durchdachte Zweckmäßigkeit hinaus. Zudem hat die abgehalftert wirkende Stadt auf sandigem Boden ein gewisses Neo-Western Flair. Man verzichtete bewusst auf ein klinisch weißes Set, was wesentlich realistischer ist und der Tatsache Rechnung trägt, dass sich die Menschheit auf der Flucht befindet und nicht auf einer wissenschaftlichen Forschungsmission.

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© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto

Um nicht der Anarchie anheim zu fallen, gibt es von Beginn an eine säkulare, demokratisch geprägte Führung durch einen Generalrat mit Präsident Richard Tate (Liam Cunningham, „Game of Thrones“, „Gefährten“) an der Spitze. Die Sicherheitsabteilung PAS (Protection and Security) mit Stella Isen (Hermione Norris, „Hautnah – Die Methode Hill“, „Spooks“) als Leiterin, bildet eine Art Polizei, während das Expeditionskorps, angeführt von Jack Holt (Ashley Walters, „Hustle“), als militärisches Äquivalent zu verstehen ist.

Zwischen der PAS und der sogenannten XP gibt es immer wieder Reibungspunkte. Zum einen wegen den Zuständigkeiten und zum anderen wegen der Tatsache, dass die beiden PAS Sicherheitsoffiziere Cass Cromwell (Daniel Mays, „Red Riding“, „Public Enemies“) und Fleur Morgan (Amy Manson, „Desperate Romantics“, „Being Human“) zu ihrer Vorgesetzten Isen und auch zu Präsident Tate ein besonderes Vertrauensverhältnis pflegen. Dies lässt sie oft voreingenommen erscheinen – Cromwell stärker als Morgan – weshalb Holt schon aus Prinzip den Konflikt mit ihnen sucht.

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© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto – Liam Cunningham, Hermione Norris

In der ersten Episode spielt Jamie Bamber („Battlestar Galactica“, „Law & Order: UK“) die Rolle des Mitchell Hoban, der noch der Chef des Expeditionskorps ist. Gemeinsam mit seinen Männern plant er Forthaven zu verlassen, um eine eigene Siedlung zu errichten. Hier tritt ein Konflikt zutage, dessen Wurzeln in den Anfängen von Forthaven zu finden sind.

Damals erkrankten und starben viele Kinder an einem Virus, den man C23 nannte. Daraus resultierend traf Tate eine verzweifelte und moralisch verwerfliche Entscheidung und erließ einen Befehl, dem sich Hoban widersetzte. Aufgrund dieser Befehlsverweigerung bekommt es Forthaven mit der ersten, größeren Bedrohung zu tun.

Eine weitere folgt in Form des machtgierigen Opportunisten Julius Berger, der durchaus charismatisch vom amerikanischen Schauspieler Eric Mabius („The L Word“, „Alles Betty!“) dargestellt wird. Ein intriganter Charakter, der einem von Beginn an unsympathisch ist und das auch sein soll.

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© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto – Ashley Walters, Eric Mabius

Echte Sympathieträger hingegen sind Cass und Fleur. Die zwei miteinander befreundeten Kollegen dienen als Identifikationsfiguren. Sie agieren am meisten und vermitteln oft zwischen gegnerischen Parteien. Dass Cass heimlich in Fleur verliebt ist, macht die Dynamik umso interessanter.

Richard und Stella sind diplomatische Führungskräfte, die tragische Familienschicksale teilen. Tate ist allerdings ambivalenter als seine Kollegin, da man anfänglich nie so recht weiß, ob man ihm trauen kann. Das macht diese Figur durchaus spannend.

Der Letzte im Kreise der Hauptcharaktere ist Jack Holt. Zugegebenermaßen hat Ashley Walters hier eine etwas undankbare Rolle bekommen, denn Holt wirkt klischeehaft. Er ist durch und durch ein Soldat, der erst schießt und dann die Fragen stellt.

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© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto – Amy Manson, Daniel Mays

Die beiden Nebencharaktere Tipper Malone (Michael Legge, „Shameless“) und Rudi (Langley Kirkwood, „Invictus – Unbezwungen“) fallen ebenfalls in die Kategorie sympathisch. Tipper ist ein Mathematik-Genie, der schon lange keins mehr sein will und Forthaven mit einer Radiosendung unterhält und unterrichtet.

Und Rudi steht – als Anführer der sogenannten ACs (Advanced Cultivars) – auf der gegnerischen Seite. Auch wenn er seinen Leuten Gerechtigkeit wiederfahren lassen will, legt er, ähnlich wie Tate, einen eher besonnenen Führungsstil an den Tag.

In Gastrollen sind u.a. der schon erwähnte Jamie Bamber, Juliet Aubrey („Primeval“) als XP Mitglied Josie Hunter und Gary Lewis („Gangs of New York“) als Pak zu sehen.

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© BBC 2011, justbridge Entertainment: Bildschirmfoto – Michael Legge

Im Fazit muss man sagen – auch, wenn die Meinungen zu dieser Serie stark auseinander gehen – dass „Outcasts“ wirklich sehenswert ist. Wer es realistischer mag und die sinnlosen Vergleiche mit anderen Sci-Fi Serien einfach mal beiseite lässt, wird hier gut unterhalten. Die Produktionswerte sind vorzüglich.

Gedreht wurde in Südafrika. Hier konnte man tatsächlich die Vision eines anderen Planeten erschaffen. Die Geschichten sind spannend, die Entwicklungen nachvollziehbar und einige der Charaktere hüten Geheimnisse – manche wissentlich, manche unwissentlich – die nach und nach gelüftet werden.

Es ist bedauerlich, dass Ben Richards in acht Episoden eine dramaturgisch gute Geschichte mit ambivalenten und liebenswerten Charakteren aufbauen konnte und dennoch nicht die Chance bekam, den exzellenten Cliffhanger in einer weiteren Staffel aufzulösen.

justbridge Entertainment veröffentlicht die DVD am 08.06.2012 in einer Softbox mit O-Card ohne Wendecover. Die Episoden sind in Englisch und Deutsch, jedoch ohne Untertitel. Als Extras gibt es einen circa dreißigminütigen Blick hinter die Kulissen (den man sich aber unbedingt erst nach der Serie ansehen sollte) und eine fast fünfminütige Set Tour. Für das Bonusmaterial gibt es optionale, deutsche Untertitel.

DVD Ausstattung
Outcasts - DVD Cover

Coverfoto: justbridge Entertainment

Format: PAL
Disc-Type: DVD-9
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 16:9 (1.78:1)
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 3
Altersfreigabe: 16
Laufzeit: ca. 416 Min. (8 x ca. 52 Min.) + Bonus (ca. 35 Min.)
Extras: Hinter den Kulissen, Set-Tour in Südafrika
Verpackung: Versapak in O-Card, kein Wendecover
Label: justbridge Entertainment

Episoden – Disc 1
  • Episode 1 (52:03 Min.)
  • Episode 2 (51:55 Min.)
  • Episode 3 (52:03 Min.)
Episoden – Disc 2
  • Episode 4 (52:05 Min.)
  • Episode 5 (52:01 Min.)
  • Episode 6 (51:55 Min.)
Episoden + Bonus – Disc 3
  • Episode 7 (52:04 Min.)
  • Episode 8 (51:53 Min.)
  • Extras: (mit optionalen, deutschen Untertiteln)
    Hinter den Kulissen (30:03 Min.)
    Set-Tour in Südafrika (4:58 Min.)

11 Kommentare

  1. Annie sagt

    Also ich muss leider auch sagen, dass mich Outcast enttäuscht hat. Nach einem grandiosen Trailer waren wir voller Erwartung und haben dabei nicht mal das klassische Weltraumspektaktel erwartet. Leider waren die Storys für meinen Geschmack blutleer aber trotzdem irgendwie fahrig. Ich habe nach ein paar Folgen aufgeben.

  2. Heike sagt

    Dann sind wir zwei schon mal der Beweis für die Polarisierung. 😉

  3. Annie sagt

    Jup, eindeutig. Und außerdem hab ich natürlich aufgegeben. Trotz durchlesen so viele Fehler…

  4. Annie sagt

    erst Outcast und dann aufgeben statt aufgegeben. 😉

  5. Heike sagt

    Ach so. Ist doch nicht schlimm – hat man eh drüber gelesen. 😉

  6. Outcasts wurde gerade „warm“, da war Schluß! Es ist keine Serie des Genre im eigentlichen Sinne, wie es viele erwartet haben, allerdings auf ihre eigene Art doch faszinierend und inhaltlich auch fordernd, was das Denken angeht.

    Wer meint, die Serie war „blutleer“, hat nichts verstanden.

  7. Doris Weisenburger sagt

    Ich fand die Serie toll….Super spannend… und finde es unheimlich schade, dass es keine Fortsetzung gibt…

  8. Änne 63 sagt

    Ich hatte die Serie gerade erst entdeckt, die Folgen verschlungen…und nun geht es nie weiter. Schade, schade.

  9. Eike Christ sagt

    Ich weiß nicht was die Kritiker haben. Es ist eben Geschmackssache. Der eine braucht für eine Science-Fiction-Serie Laserschwerter und Action; und dem anderen reicht es, wenn nicht immer alles „zerbombt“ wird.
    Jetzt geht es mir wie meine Vorrednerin. Ich habe die Folgen verschlungen…. und nun ist Schluss…..!!! Mit einem offenen Ende…..Sehr bedauerlich und frustrierend!!!

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