Life on Mars

Life on Mars: Tough Copper, new Copper, groovy

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© BBC/Kudos – Philip Glenister, John Simm, Liz White[/white_box]
Rezension: komplette Serie

Die Idee ist originell, die Mode brutal, der Soundtrack genial. „Life on Mars“ gehört zu den Serien, die früher oder später Kultstatus erlangen, weil das Rezept stimmt. Schauspieler, die ihr Können gar nicht erst beweisen müssen. Charaktere, die so charismatisch sind, dass sie fast ikonenhaft wirken. Und Dialoge, die geschrieben wurden, um zitiert zu werden.

In einer Ko-Kreation schufen Tony Jordan („Hustle“), Matthew Graham („Ashes to Ashes“, „Eternal Law“) und Ashley Pharoah („Ashes to Ashes“, „Eternal Law“) eine Krimiserie der besonderen Art. Ein vorbildlicher Polizist, ein Unfall, eine „Zeitreise“ und der unvermeidliche Zusammenprall von Vergangenheit und Gegenwart.

Gene: „Die Knarren weg! Ihr seid von bewaffneten Dreckskerlen umzingelt.“

Die ungewöhnliche Prämisse führte gar dazu, dass sich nicht nur Macher und Darsteller darin einig waren, die Serie nicht endlos laufen zu lassen, selbst, wenn sie erfolgreich ist. Auch die Fangemeinde bat verstärkt um einen würdigen Abgang. Die Antwort auf die existenzielle Frage, die der Protagonist sich stellt, kann man nicht auf die lange Bank schieben, ohne irgendwann unglaubwürdig zu werden oder gar in eine Seifenoper abzudriften.

Gerade weil „Life on Mars“ letztlich nur sechzehn Episoden hatte, konnte man es nicht vermasseln und all die schon angeführten Stärken konnte man so stehen lassen. Es liegt allerdings in der Natur der Sache, dass man von etwas Gutem gerne mehr haben möchte. So entstand die Ableger-Serie „Ashes to Ashes“, für die einige der Charaktere aus „Life on Mars“ übernommen wurden. Genauso erfolgreich wie der Vorgänger, wurde auch diese Serie auf ihrem Höhepunkt beendet.

Life on Mars
© BBC/Kudos – Philip Glenister, John Simm

Sam Tyler (John Simm, „State of Play“, „Doctor Who“, „Mad Dogs“) arbeitet als Detective Chief Inspector bei der Polizei in Manchester. Während der Verfolgung eines Serienkillers gerät seine Kollegin und Freundin Maya (Archie Panjabi, „The Good Wife“) in Gefahr. Dann wird Sam von einem Auto überfahren und erwacht im Jahr 1973.

Während er versucht zu verstehen, was mit ihm passiert ist, muss er sich mit Schlaghose, Kassettenrekorder und Wandklappbett anfreunden. Das alleine wäre schon Grund genug, den Verstand zu verlieren, doch dann trifft er auf Gene Hunt (Philip Glenister, „Ashes to Ashes“, „Mad Dogs“), seinen neuen Vorgesetzten. Sam musste nicht nur einen Dienstgrad abgeben – er arbeitet nun auch noch für einen „Dirty Harry“, der erst zuschlägt und dann die Fragen stellt.

Steinzeitliche Ermittlungsmethoden, fragwürdige Verhaftungen und geradezu kriminelle Verhörtechniken bringen Sam dazu, das korrupte Polizeisystem der 1970er Jahre zu modernisieren und zu moralisieren. Mit so etwas gewinnt man bei Gene Hunt allerdings keinen Blumentopf, auch wenn man durchaus beobachten kann, dass er was dabei lernt. Aber auch Sam wird von Hunt beeinflusst und so unterschiedlich die beiden Männer auch sind – sie fangen an, sich zu respektieren.

Sam: „Blutspritzer Analyse. Das kennen Sie nicht? Von D.H. Crombie.“
Gene: „Ich warte auf die Verfilmung.“
Sam: „Das Buch wird Ihnen gefallen. Da sind Bilder drin.“

Während man die kriminellen Subjekte von der Straße räumt – ob nun auf Genes Art oder auf Sams Art – erlebt man die 1970er Jahre bunt, schrill und politisch unkorrekt. Hässliche Tapeten, noch hässlichere Mode, aber fantastische Musik. Das Zeitkolorit stimmt, wenngleich ganz pingelige Zuschauer einige Anachronismen finden werden.

Das tut dem Spaß beim Zuschauen allerdings keinen Abbruch. Es wird geraucht, getrunken, geflucht und geprügelt. Sexistische und rassistische Bemerkungen werden inflationär verteilt. Ohrfeigen übrigens auch. Sam ist geradezu entsetzt, als er das erste Mal Genes Verhörmethoden erlebt.

Life on Mars
© BBC/Kudos – John Simm

Sam: „Oh man, hier geht’s zu wie in Guantanamo.“
Gene: „Ach was, es ist lange nicht so wie in Spanien.“

Selbst als Zuschauer staunt man nicht schlecht, wenn man einen Vergleich zwischen den Ermittlungsmethoden von damals und heute ziehen kann. Das trifft sowohl auf die Spurensicherung als auch auf die Rechte von Verhafteten, Tatverdächtigen oder gar Zeugen zu. Die 1970er Jahre waren geprägt von gesellschaftlichen Veränderungen, was hier besonders deutlich wird, wenn der aufgeklärte Sam auf Hunt und seine Kollegen trifft.

Für Tyler ist es völlig normal, erst einmal wasserdichte Beweise zu finden, bevor man jemanden festnimmt. Für Hunt, der in seinem Büro Filmposter mit Cary Grant und Clint Eastwood zu hängen hat, ist es eine Sache der Improvisation.

Gene: „Ich hab‘ noch nie jemandem was untergeschoben, der’s nicht verdient hat.“

Auch die Nebencharaktere sind perfekt besetzt und wissen zu unterhalten. Dean Andrews („Ashes to Ashes“, „Marchlands“) als Ray Carling wirkt mit seiner Dauerwelle, als würde er tatsächlich in diese Zeit gehören. Er verkörpert einen Polizisten, der noch weniger dazulernt als Gene und das will schon was heißen.

Marshall Lancaster („Ashes to Ashes“, „Casualty“) als Chris Skelton wirkt hingegen wie der naive, gutmütige Trottel, der seine Lacher mit Aussagen erzielt, über die man nur noch den Kopf schütteln kann.

Eine starke, weibliche Rolle hat Liz White („The Fixer“, „The Crimson Petal and the White“) als Annie Cartwright. Sie muss sich nicht nur in dieser Testosteron-Atmosphäre behaupten, sondern kümmert sich auch um den desillusionierten Sam, für den sie die Einzige ist, der er sich halbwegs anvertrauen kann, ohne für komplett verrückt gehalten zu werden.

Life on Mars
© BBC/Kudos – Philip Glenister, John Simm

Die Episoden sind zudem gespickt mit sympathischen Gastdarstellern. Zu nennen wären da beispielweise Marc Warren („Hustle“, „Mad Dogs“), Andrew Tiernan („Prisoners Wives“), Lee Ingleby („George Gently“), Joanne Froggatt („Robin Hood“, „Downton Abbey“), Kevin McNally („Fluch der Karibik“), Jason Watkins („Being Human“), Ralph Brown („Radio Rock Revolution“) oder auch Sean Gilder („Shameless“, „The Shadow Line“).

Ein Hörvergnügen bietet der schon zweimal angesprochene Soundtrack, den man zusätzlich auch auf CD erwerben kann. Songs von David Bowie, Paul McCartney (Wings), T.Rex, Slade, The Sweet, ELO, Thin Lizzy oder Uriah Heep lassen kaum Wünsche offen.

Harry: „Sie haben großes Glück, Tyler. Sie haben hier [Hunt] den Besten.“
Sam: „Ich weine jeden Morgen vor Glück, Sir.“

KSM hatte schon die Staffeln 1 und 2 getrennt veröffentlicht – allerdings in der geschnittenen Version. Am 14. Mai 2012 gibt es nun beide Staffeln komplett ungekürzt und mit vielen Extras. Auch über ein Wendecover ohne FSK-Button kann man sich freuen. Einziger Wermutstropfen sind fehlende Untertitel. Nur die „zusätzlichen“ Szenen sind in der synchronisierten Fassung der jeweiligen Episode deutsch untertitelt und auch die Extras haben deutsche Untertitel.

DVD Ausstattung: Life on Mars Serien-Guide

5 Gedanken zu „Life on Mars: Tough Copper, new Copper, groovy“

  1. Herrlich. 🙂 Muss ich doch mal schauen, ob ich mir das nicht auch zulege. Oder eins anfertigen lassen mit ’nem Spruch drauf.

  2. Ja, damit werd ich total nerdig und überhaupt nicht meinem Alter entsprechend herumlaufen. Sod it! Wie auch der Guv sagen würde. 😀

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