The Prisoner - Der Gefangene - Szenefoto

© ITV

Michael (Jim Caviezel, „Die Passion Christie“, „Outlander“, „Person of Interest“) arbeitet als Analyst für die Firma SUMMAKOR. Daten über Menschen, die man mit Aufzeichnungen von Überwachungskameras aus aller Welt sammelt, werden ausgewertet und interpretiert. Und was auch immer Michael dabei beunruhigt haben mag – er kündigt seinen Job. Dann erwacht er in der Wüste, orientierungslos und mit offensichtlichen Gedächtnislücken. Nachdem er einem alten Mann das Leben rettet, der von Hunden und schießwütigen Männern verfolgt wird und vor Erschöpfung dennoch stirbt, beginnt für Michael ein surrealer Trip.

Die Stadt, mitten in der Wüste, scheint die einzige zu sein, die es gibt. Menschen haben keine Namen, sie sind Nummern. Die Wohnhäuser gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Nach langer Wanderung durch eben jene Wüste landet Michael hier und wird von allen als Nummer 6 bezeichnet. Angeblich war er schon immer ein Bewohner dieser Stadt. Ein Anderswo gibt es nicht. Michael wehrt sich, will fliehen, zurück nach New York. Dort, daran kann er sich noch erinnern, war er eines Abends einer jungen Frau namens Lucy (Hayley Atwell, „Die Säulen der Erde“) begegnet. In seinem Apartment unterhielten sie sich – über SUMMAKOR, über seine Kündigung und über Menschen, die sich plötzlich verändert haben.

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Diese Erinnerungsfetzen funktionieren fast wie ein Anker in seiner Realität, wenn er versucht, sich in der Stadt zurechtzufinden. Er trifft Nummer 2 (Ian McKellen, „Der Herr der Ringe“, „X-Men“) und findet in ihm seine persönliche Nemesis. Nummer 2 regiert die Stadt mit diktatorischen Methoden. Er postuliert das Seelenheil in der Gleichheit und dem Wir und verteufelt Individualität und Kreativität als zerstörerische Kraft. Jeder, der träumt, macht sich verdächtig, denn in Träumen erinnert man sich an Bilder und Erlebnisse jenseits der Stadt. Mit seinem einsamen Widerstand bringt Nummer 6 die Menschen dazu, genau darüber nachzudenken. Deshalb muss er gebrochen werden und so kommt es zwischen den beiden Männern zu einem Machtkampf.

Es scheint Gang und Gäbe, dass man Klassiker der Fernsehgeschichte für neue Generationen reanimiert und frisch aufarbeitet. Autor und Produzent Bill Gallagher („Lark Rise to Candleford“) suchte sich dafür die britische Kultserie „The Prisoner“ (dt. Titel: „Nummer 6“), die von 1967 bis 1968 mit Patrick McGoohan in der Hauptrolle ausgestrahlt wurde. Damals spielte McGoohan nicht nur die Nummer 6. Von ihm stammte auch die Idee zur Serie, die er zudem mit produzierte. Für einige der Episoden betätigte er sich als Autor und als Regisseur.

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Was damals London und ein pittoreskes Dorf, ist heute New York und eine Stadt in der Wüste. Wobei man erklären muss, dass es im Original auch in der Neuverfilmung nach wie vor „The Village“ heißt. Daraus machte man in der Synchronisation „die Stadt“. Allerdings gibt es weit merkwürdigere Übersetzungen, denn das Set von Gallaghers „Village“ gleicht tatsächlich mehr einer Kleinstadt. Dank Nick Hurran („Grabgeflüster“, „Doctor Who“) als Regisseur und dem deutschen Kameramann Florian Hoffmeister („Five Days“, „Die Husseins – Im Zentrum der Macht“) schuf man eine beeindruckende Fotografie, visuell kraftvoll mit satten Farben. Gedreht wurde u.a. in der südafrikanischen Wüste Namib, die sich schon für Kinofilme wie „The Cell“ (2000) als perfekter Drehort erwies. Der Kontrast zum grauen, meist nächtlichen New York wirkt fast wie weiß zu schwarz.

Übrigens bedeutet der Name Namib übersetzt so viel wie „Ort, wo nichts ist”, was in gewisser Weise zur Story passt. Zwar liegt in dieser Wüste die Stadt, doch ob diese wirklich existiert, ist eine der Fragen, mit der man sich als Zuschauer zwangsläufig beschäftigt. Wie schon in der Originalserie, bekommt man in der Neuverfilmung ein philosophisches Gedankenexperiment serviert. Man jongliert mit sozialen, politischen und religiösen Aspekten, spielt mit Metaphern und Allegorien. Symbole wie der große, weiße Ball und das Hochrad sind von der Klassik-Serie übernommen worden. Auch der Vorspann ähnelt ein wenig dem Original. Das Set der Stadt hat außerdem einen gewissen Retro-Schick. Wie man das alles interpretiert, muss jeder für sich selbst herausfinden. Erstrecht, ob sich die moderne Fassung mit dem Original messen kann oder sollte.

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Jim Caviezel bleibt in seiner Darstellung der Nummer 6 reduziert und unkreativ. Zum einen erklärt sich das aus der Tatsache, dass Caviezel in Sachen Schauspielerei eher zu den Handwerkern zählt. Zum anderen dürfte kaum ein Schauspieler neben Ian McKellen besser aussehen als Ian McKellen selbst. Ruth Wilson („Luther“) als Nummer 313 macht da schon eine wesentlich bessere Figur. Und sogar Hayley Atwell, die immer so wirkt, als wäre sie permanent gut gelaunt, kann Hauptdarsteller Caviezel übertrumpfen. Das spricht nicht gerade für ihn. Andererseits muss man sich fragen, ob zwei charismatische Hauptdarsteller in einer Geschichte, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet, überhaupt eine gute Idee wäre.

Im Fazit weiß diese Miniserie, lässt man den Vergleich zum Original beiseite, durch die exzellente Kameraarbeit, dem Set und der respektablen Regie sowie Sir Ian McKellen zu gefallen. Um Letzteren wirklich genießen zu können, sollte man sich die Serie allerdings im Original gönnen.

Koch Media veröffentlicht die DVD und die Blu-ray am 09.03.2012 mit Bonusmaterial wie beispielsweise einem Making of, entfallenen Szenen und Interviews sowie deutschen Untertiteln.

DVD Ausstattung
Blu-ray Ausstattung

Text: Heike Hildenhagen