Taking the Flak - Szenefoto

© BBC, 2009

Despoten, Krieg und Korruption. Für Auslandskorrespondenten ist Afrika ein unerschöpfliches Land an Meldungen, die nur für kurze Zeit sensationell erscheinen. So erhält die zentralafrikanische, fiktive Republik Karibu (mit betontem „i“ und nicht zu verwechseln mit dem Rentier) nur deshalb Nachrichtenwert, weil sich Russen und Amerikaner plötzlich öffentlich mit humanitären Aktionen übertreffen wollen. Ein Grund dafür könnten die Ölfelder sein, die das Land besitzt. 

Als daraufhin eine Horde BBC Reporter ins Land einfällt, ist niemand vor ihnen sicher. Das Hotel „Waterbuck“ für ausländische Journalisten bietet weder Komfort noch die sichere Zusage eines Zimmers. Wer mehr zahlt, erhält den Zuschlag und fließendes Wasser kann nicht garantiert werden. Es sei denn, man wendet sich an einen Autohaus-Besitzer. 

„Haben Sie in Ihrem Autohaus zufällig warmes Wasser?“
„Ja natürlich. Das ist Afrika und nicht die Dritte Welt.“

Nun gut. An der nur sporadisch funktionierenden Stromversorgung sind die Briten eigentlich selbst schuld. Seit das britische Empire jedes Land der „Wiege der Menschheit“ kolonisiert hat, das sich nicht zufällig schon ein anderer, europäischer Staat unter den Nagel gerissen hatte, hat sich da nicht viel getan.

Die Einwohner Karibus nehmen das Chaos in ihrem Land betont locker. Der Krieg zwischen der diktatorischen Regierung und den Rebellen ist lediglich dann spannend, wenn man zufällig mittendrin ist. So werden Granaten-Explosionen nur noch mit Galgenhumor kommentiert oder wahlweise sogar provoziert. 

„Chelsea, Chelsea. Einer geht noch rein!“ 

Taking the Flak - Szenefoto

© BBC, 2009

BBC Korrespondent Harry Chambers (Bruce Mackinnon, „Jekyll“) lebt schon seit zwei Jahren in Karibu – für den Fall der Fälle. Die Sprache kann er zwar immer noch nicht, aber dafür kennt er Land und Leute, behauptet er. Dass seine erfolgreichen Kollegen sein Wissen nicht nutzen wollen, frustriert ihn. Auf der permanenten Suche nach einer Story, die ihn wenigstens für ein paar Sekunden in die sechs Uhr Nachrichten bringt, befindet er sich letztlich immer nur im Selbstgespräch. 

Der renommierte BBC Kollege David Bradburn (Martin Jarvis, „EastEnders“) stellt sich allerdings auch nicht gerade clever an und wird bei einem Interview mit Kindersoldaten schon mal für YouTube-Spaß-Videos missbraucht. Als amerikanische Journalisten erscheinen, artet die Berichterstattung gar in einen absurden Konkurrenzkampf aus. Die Öko-Gutmensch-Missionierungs-Blondine Samantha Cunningham-Fleming (Lucy Chalkley, „Jinx“) nutzt die Anwesenheit der Journalisten, um auf ihr Projekt „Sons Without Guns“ aufmerksam zu machen, das Kindersoldaten eine Wiedereingliederung ins normale Leben ermöglichen soll. Dass ihre Schützlinge trotzdem immer noch mit ihren Waffen unterwegs sind, scheint sie nicht wirklich zu interessieren. 

Schonungslos und auf erfrischende Weise politisch unkorrekt wirft „Taking the Flak“ einen Blick auf fragwürdige Politik mithilfe egozentrischer und bisweilen dusseliger Journalisten. Ob humanitäre Hilfsaktionen, Kindersoldaten, marode Wirtschaft oder Flüchtlingslager. Der berühmte schwarze Humor der Briten macht vor keinem noch so brisanten Thema Halt. Die BBC nimmt sich dabei auch gerne selbst auf die Schippe und lässt sogar echte BBC Mitarbeiter auftreten oder den schwer unterbeschäftigten Desk Producer Nigel Bagwell (Mackenzie Crook, „Fluch der Karibik 2“) kleine Daleks aus Kaffee-Pappbechern basteln.

Taking the Flak - Szenefoto

© BBC, 2009

Wie auch schon bei „Free Agents“ und „How Not to Live Your Life“ hat sich tellyvisions hier eine kleine, britische Serien-Perle herausgepickt, um sie mit einer sehr gelungenen DVD-Ausstattung zu veröffentlichen (VÖ: 02.12.2011). Man kann es nicht oft genug betonen. Das Angebot von optionalen englischen und deutschen Untertiteln – nicht nur bei den Episoden, sondern auch bei allen Extras – lässt das Herz jedes interessierten Käufers höher schlagen. Und auch beim Bonusmaterial gibt es einiges zu gucken – Outtakes, entfernte Szenen, eine äußerst amüsante Dancing Sequence und ein alternativer Titel-Vorspann. Außerdem wieder dabei ist eine Gratis-DVD mit Episoden anderer Veröffentlichungen des Labels. 

DVD-Ausstattung 

Text: Heike Hildenhagen