Jack Thorne, Autor von Serien wie „Skins“ und „This is England ‘86“ bastelte schon letztes Jahr an einer neuen Reihe namens „Touch“. So ganz war selbst er davon nicht überzeugt und so gab es für BBC Three einen Piloten, der nie ausgestrahlt wurde. Das Ganze wurde überarbeitet und erhielt den neuen Titel „The Fades“. Am 21.09.2011 hatte die Serie endlich Premiere und wie immer der unaired pilot ausgesehen haben mag – diese erste Episode der Adoleszenz-Horror Mixtur ist durchaus sehenswert.
Paul: The gun and the bullet… they proof it, don’t they? That the dreams are sort of real… which means I’m… which means I’m what?
Mac: Heather Langenkamp from Nightmare on Elm Street.The Fades
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Der 17jährige Paul (Iain De Caestecker, „Coronation Street“, „Lip Service“) ist vom Leben – und wie wir weiter noch erfahren werden – von den Toten ganz schön gebeutelt. Der Vater hatte sich aus dem Staub gemacht, die Mutter (Claire Rushbrook, „Mutual Friends“, „Whitechapel“) ist ein bisschen überfürsorglich und seine Zwillingsschwester Anna (Lily Loveless, „Skins“) schämt sich für ihn.
Paul steht ziemlich neben sich. Seine nächtlichen Alpträume ängstigen ihn so sehr, dass er allmorgendlich seine Bettwäsche wechseln muss. Er sieht Dinge, will sich darüber aber nicht mitteilen und so anders wie er sich fühlt, will er einfach nicht sein. Sein bester Freund Mac (Daniel Kaluuya, „Skins“, „Psychoville“) findet das im Gegensatz zu Paul ziemlich cool, auch wenn er nicht recht versteht, was in seinem Kumpel eigentlich vorgeht. Der hat regelmäßige Sitzungen bei Dr. Tremlett, doch dem vertraut er sich genauso wenig an wie allen anderen. Die Tatsache, dass der Therapeut ausgerechnet von Francis Magee („City of Vice“, „1066“, „Game of Thrones“) gespielt wird, der selbst immer ein bisschen wirkt, als bräuchte er einen Seelenklempner, ist hier so unorthodox wie sympathisch.
Während sich Paul mit seinem Anderssein beschäftigt, treffen wir auf eine kleine, elitäre Gruppe von Menschen, die Pauls Fähigkeit, tote Menschen zu sehen, teilt. Darüber hinaus wissen sie noch weit mehr als Paul, der mit Neil (Johnny Harris, „Whitechapel“, „This is England ‘86“) und Sarah (Natalie Dormer, „The Tudors“) zum ersten Mal in einem verlassenen Einkaufszentrum zusammentrifft. Dort findet die arme Sarah des Nachts ihren Tod, als sie einem Wesen begegnet, dass selbst sie noch nicht spezifizieren konnte. Auch Neil wird im Kampf mit dem neuartigen Toten verletzt, als er Sarah retten will. Noch im Sterben erklärt sie ihm, dass „The Fades“ – so die Bezeichnung der Toten – kommen werden und unsere Welt sterben wird.
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Zur kleinen Gruppe gehört auch die Priesterin Helen (Daniela Nardini, „This Life“), die die Gabe des Heilens besitzt. Sie versucht Neils verletztes Auge wieder herzustellen. Eine Szene für Hartgesottene. Offensichtlich ist diese Prozedur nicht nur kräfteraubend. Danach krabbelt auch noch eine Motte aus ihrem Mund. Zumindest in dieser Episode erfahren wir leider nicht viel mehr über Helens Hintergrund, denn auch sie bekommt Besuch vom brutalen Zwischenwesen. Doch tot bedeutet in dieser Serie nicht gleich tot und so gibt es hoffentlich noch ein paar mehr Informationen in den nächsten Folgen.
Neil heftet sich derweil an Pauls Fersen und erklärt ihm ein bisschen wie der Hase läuft. Die Toten, die Paul sieht, haben es nicht geschafft, hinüber zu gehen und sitzen in der Welt der Lebenden fest. Die Seelen der Verstorbenen suchen nach Übergängen, um aufzusteigen. Finden sie diese nicht, erlischt die Seele. „The Fades“ mögen Höhe und halten sich daher gerne auf Dächern auf. Außerdem verbrennen sie (nur für diesen Moment) wie Papier, sobald organisches Material durch sie hindurch geht.
Neben den schon genannten Charakteren gibt es noch Mark (Tom Ellis, „Suburban Shootout“, „Merlin“, „Miranda“), der irgendwie-nicht-mehr-Ehemann von Sarah, der allerdings nicht in die merkwürdigen Ereignisse eingeweiht zu sein scheint und gleichzeitig Pauls Geschichtslehrer ist. Und dann wäre da noch Jay (Sophie Wu, „Kick-Ass“), Annas Freundin und das Mädchen, in das Paul schwer verliebt ist.
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Diese erste Episode tut das, was eine erste Episode tun sollte. Sie stellt die einzelnen, wichtigen Charaktere vor, zeigt deren Beziehungen zueinander auf und macht Lust auf mehr. Der Vorspann ist – um es mal flapsig auszudrücken – wirklich cool… düster, kryptisch, gruselig mit einer sehr eingängigen Titelmusik. Die Szenen zwischen Paul und Mac sorgen für den nötigen Humor und bringen zudem etliche Anspielungen auf Filme wie „Nightmare on Elm Street“ oder „The Sixth Sense“. Sidekick Mac dürfte zum Liebling der Zuschauer avancieren – nicht nur, weil er weit mehr als Paul zur Identifikationsfigur taugt, sondern weil er auch die besten Sprüche bringt. Neben den ebenso charismatischen Figuren von Neil und Helen verblasst Paul ein wenig und verharrt noch zu sehr in der Rolle des „Ich habe Angst und verstehe gar nichts“-Teenager.
Die Kreatur, die mit Gewalt gegen die Wissenden vorgeht, ähnelt in ihrer Gestalt ein wenig den Reaper-Vampiren aus dem Kinofilm „Blade 2“ und setzt dadurch nette Schock-Momente. Im Ganzen sind die Produktionswerte beeindruckend. Die Fotografie, die Sets (der Ort, an dem Neils Wohnwagen steht, wirkt fast wie ein amerikanisches Nirgendwo), Make-up und Spezialeffekte können sich wahrlich sehen lassen und müssen Vergleiche nicht scheuen. Die Regie teilen sich Farren Blackburn („Doctors“, „Holby City“) und Tom Shankland („Clocking off“,„The Children“) und hier kann man ebenso wenig meckern – temporeich, spannend und düster gewürzt mit Actionsequenzen, Humor und etwas Blut.
Im Fazit kann man zwar feststellen, dass die Elemente, die in „The Fades“ zusammengefügt wurden, alle schon mal so oder ähnlich in anderen Serien und Filmen vorhanden waren/sind, doch das tut der Unterhaltung keinen Abbruch.
Unser Tipp
Wer Serien wie „Being Human“ und „Skins“ mag und den Grusel gerne mit ein bisschen Witz serviert bekommen möchte, ist mit „The Fades“ bestens bedient. Reinschauen lohnt sich!
Text: Heike Hildenhagen




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