Rezensionen, TV Filme
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BBC Shakespeare Verfilmungen

BBC Shakespeare TV Verfilmungen
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© BBC 1978, Romeo & Juliet – Patrick Ryecart
Rezension: BBC Shakespeare TV Verfilmungen

Ja, der gute, alte Shakespeare. Wenn er gewusst hätte, wie oft seine Werke auf Theaterbühnen aufgeführt und in Filmen und Serien interpretiert werden, hätte er sich schwarz geärgert. Heute könnte er nämlich erster Klasse fliegen und wäre vielleicht stolzer Besitzer einer eigenen, millionenteuren Insel – vorausgesetzt, er hätte Großbritannien je verlassen wollen. 

Dann gäbe es regelmäßige Tea-Time mit J.K. Rowling und man würde sich darüber amüsieren, im Leben nicht so viel Geld ausgeben zu können wie man verdient. Aber er hat es ja zum Glück nicht gewusst – andernfalls hätte er mithilfe einer Zeitmaschine eine Selbsthilfegruppe mit Charles Dickens, Sir Arthur Conan Doyle und Jane Austen gründen müssen.

BBC Shakespeare TV Verfilmungen

© BBC 1978, Romeo & Juliet – Rebecca Saire, Patrick Ryecart

Diese Drei werden postum nämlich auch permanent gewürdigt. Allerdings… in besonders ärmlichen Verhältnissen lebte der Dichter und Schauspieler seiner Zeit ja auch nicht. Als Mann mit Geschäftssinn war er u.a. Miteigentümer des berühmten Londoner Globe Theatre und verlebte seine letzten Lebensjahre in durchaus annehmlichen Verhältnissen. Tatsächlich zählt Shakespeare zu den Dramatikern der Weltliteratur, dessen Werke am häufigsten verfilmt wurden/werden.

Einige der britischen Shakespeare TV-Verfilmungen stammen aus den Jahren 1978 bis 1985 und wurden zu einer – in Großbritannien gleich mehreren – DVD-Kollektion(en) zusammengefügt. Das Label Foreign Media Group GmbH (justbridge Entertainment GmbH) hatte nun am 19. August 2011 gleich vier Boxen mit je zwei Shakespeare-Verfilmungen auf den Markt gebracht.

BBC Shakespeare TV Verfilmungen

© BBC 1978, Romeo & Juliet – Rebecca Saire, Patrick Ryecart

„Romeo und Julia“ aus dem Jahr 1978 stellt tatsächlich den ersten TV Auftritt eines gewissen Alan Rickman („Dogma“, „Galaxy Quest“, „Tatsächlich… Liebe“, „Harry Potter“) dar. Hier spielt der heute äußerst bekannte und viel gelobte Mime den Tybalt, der bekanntermaßen von Romeo in einem Duell getötet wird. Patrick Ryecart, hier als Romeo, fing etwas früher an, blieb im Wesentlichen aber der Theaterbühne treu.

Er spielte u.a. in Serien wie „Doctor Who“, „The High Life“ oder auch „Holby City“. Seinen jüngsten Kinofilmauftritt hatte er als Lord Wigram im Oscar-prämierten „The King’s Speech“. Die zu diesem Zeitpunkt erst fünfzehnjährige Rebecca Saire spielt die zarte Julia und der bereits Mitte der 1990er Jahre verstorbene Michael Hordern („Gandhi“, „Cleopatra“) gibt das Oberhaupt der Capulets.

BBC Shakespeare TV Verfilmungen

© BBC 1981, Troilus & Cressida – Tony Steedman, Esmond Knight

„Troilus & Cressida“ (eine Verfilmung aus dem Jahr 1981) gilt als so genanntes Problemstück und spielt im Trojanischen Krieg. Neben dem Kriegsgeschehen zwischen den Griechen und den Trojanern, gibt es hier auch wieder eine Liebesgeschichte, die nicht so endet, wie die Beteiligten es gerne hätten. Zunächst wird Cressida (Suzanne Burden) gegen einen gefangen genommen Trojaner eingetauscht und fällt somit in die Hände der Griechen und schlussendlich erweist sie sich dem geliebten Troilus auch noch als untreu.

So viel Schmach kann auch ein gestandener Trojaner nicht ertragen und macht Cressidas Onkel Pandarus (Charles Gray) verantwortlich, der die beiden nur zu gern miteinander verkuppelt hat. Troilus-Darsteller Anton Lesser dürfte auch dem jüngeren Publikum bekannt sein. In den Serien „Garrow’s Law“, „Casualty 1909“, „Primeval“ und „The Hour“ spielte er wiederkehrende Charaktere und auch im jüngsten Johnny „Jack Sparrow“ Depp Piratenfilm „Fremde Gezeiten“ war er als Lord John Carteret dabei.

BBC Shakespeare TV Verfilmungen

© BBC 1981, Troilus & Cressida – Suzanne Burden

Man muss vorausschicken, dass es sich bei diesen, schon etwas Staub angesetzten, Produktionen nicht um cool-rockende Neuinterpretationen handelt. Es sind klassische, sich an die Vorlage haltende Verfilmungen mit minimalistischen aber überzeugenden Bühnenbildern und dem Flair einer Theateraufführung. Für all jene, die sich mit den klassischen Shakespeare-Werken auseinandersetzen möchten, ist dies ein durchaus nostalgischer TV-Einblick.

All jene, die etwas Modernes im Sinne von Baz Luhrmanns „William Shakespeares Romeo & Julia“ erwarten, der die Bekanntheit eines Leonardo DiCaprio nutzte, um auch pubertären Teenager-Mädchen den Shakespeare-Stoff näher zu bringen, dürften allerdings enttäuscht sein.

Das Bild der DVDs ist bestenfalls akzeptabel, was zum Teil sicher auch dem Alter der Produktionen geschuldet ist. Ob man hier hätte nachhelfen können, indem man das Bild digital aufwertet, vermag ich nicht zu sagen. Der Ton ist in Ordnung. Nach Untertiteln und Extras sucht man leider vergebens. Dafür kann man sich die Filme in Deutsch und Englisch ansehen und bekommt diese in zwei Softboxen in einem schön gestalteten Papp-Schuber (wenn einen der FSK-Button nicht stört).

BBC Shakespeare TV Verfilmungen

© BBC 1981, Troilus & Cressida

Die weiteren Shakespeare Kollektionen beinhalten „Der Kaufmann von Venedig“ (1980), „Macbeth“ (1983), „Ende gut, alles gut“ (1981), „Verlorene Liebesmüh“ (1985), „Maß für Maß“ (1979), „Ein Sommernachtstraum“ (1981), „König Richard II“ (1978), „Heinrich VI 2. Teil“ (1983), „Wie es euch gefällt“ (1978) und „Ein Wintermärchen“ (1981).

In diesen Verfilmungen sind u.a. Gemma Jones („Harry Potter“, „Spooks“), John Nettles („Inspector Barnaby“), Jenny Agutter („Flucht ins 23. Jahrhundert“, „Spooks“), Robert Lindsay („My Family“, „Hornblower“) und Helen Mirren („Heißer Verdacht“, „Die Queen“) dabei.

DVD Ausstattung
Shakespeare Collection - Box 1 - DVD Cover

Coverfoto: justbridge Entertainment

Format: PAL
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 4:3
Audio: Dolby Digital 2.0
Anzahl der Disks: 2
Altersfreigabe: 12
Laufzeit: ca. 353 Minuten
Extras: keine
Verpackung: 2-DVD Schuber
Label: Foreign Media Group

Filme
  • Romeo & Julia (1978, 164 Minuten)
  • Troilus & Cressida (1981, 189 Minuten)

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