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Sherlock: Eine Legende kehrt zurück

Sherlock - Staffel 1
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© 2010 Hartswood Films – Benedict Cumberbatch, Martin Freeman
Rezension: Staffel 1

Zugegeben, manch einer war skeptisch, als vor einiger Zeit angekündigt wurde, dass die BBC eine Neuauflage von Sherlock plane und ihn ins 21. Jahrhundert versetzen wolle. Manche, weil ihnen die Serie reichlich verstaubt vorkam und andere, weil sie zu den Sherlock-Hardlinern gehören und ihn sich einzig im London des 19. Jahrhunderts vorstellen können.

Schließlich kennen die meisten Sherlock nur als leicht arroganten, Pfeife rauchenden und Karomantel tragenden Schnösel der von einem etwas betulichen Watson unterstützt wird. Mancher fand die Geschichten sogar komplett zu verstaubt und hat sich erst gar nicht mit den Verfilmungen befasst. Zeit, Sherlock Holmes ganz im Sinne von Doyle zu bearbeiten. Dieser soll sogar einmal gesagt haben, als seine Geschichten um Sherlock auf die Bühne gebracht werden sollten…

„Sie dürfen ihn umbringen, ihn verheiraten oder mit ihm anstellen, was sie wollen.“ Sir Arthur Conan Doyle

Sherlock

© 2010 Hartswood Films – Benedict Cumberbatch

Steven Moffat und Mark Gatiss haben jetzt also genau das getan. Sie haben Sherlock und Watson vom Staub früherer Verfilmungen befreit und die ganze Story ins London des 21. Jahrhunderts geholt. Eine Verjüngungskur, die der Geschichte extrem gut getan hat und sie für heutige Zuschauer wieder äußerst interessant und spannend macht. Auch die temporeiche Inszenierung macht einen Großteil der Spannung aus, weil man ständig hellwach sein muss, um mit Sherlock und seinen rasend schnellen Gedanken und Gedankensprüngen mitzuhalten.

Staffel 1 behandelt nun also drei erste Fälle: In „Ein Fall von Pink“ begegnen sich Watson und Sherlock durch Zufall und teilen sich ab da eine Wohnung im teuren London. Natürlich ist das auch hier die 221B Baker Street. Watson war, wie auch im Original – und da wiederholt sich die Geschichte leider – als Militärarzt im Afghanistankrieg und scheint mit seiner ruhigen, pragmatischen Art sofort ein kongenialer Partner für den spleenigen und unruhigen Geist Sherlock zu sein, der wenig Verständnis für alltägliche Organisation aufbringt, dafür aber seine Wissenschaft der Deduktion umso ernsthafter betreibt.

Sherlock

© 2010 Hartswood Films – Martin Freeman, Vinette Robinson, Benedict Cumberbatch, Rupert Graves

So wird Watson gleich in seinen ersten Fall mit Sherlock verwickelt, der schon länger die verzweifelten Versuche Inspektor Lestrades beobachtet, anscheinende Serienselbstmorde aufzuklären. Schließlich zieht Lestrade Sherlock zu dem Fall hinzu und so beginnt die Partnerschaft der beiden ungleichen Männer bei der Aufklärung von scheinbar unlösbaren Fällen, die beide ein paar menschliche Abgründe hegen und insgeheim die gleiche Leidenschaft teilen, wenn auch ganz anders ausleben.

Im zweiten Fall „Der blinde Banker“ wird Sherlock von einem alten Freund um Hilfe gebeten, nachdem ein Gemälde in einer Bank mit einem geheimnisvollen Zeichen besprüht wurde und kurz darauf ein Angestellter des Geldinstituts ermordet wird. Schon bald sterben mehr Menschen nach dem gleichen Muster und Sherlock und Watson ermitteln auf eigene Faust, um die Mordserie zu beenden, was sie auf die Spur eines mächtigen, asiatischen Geheimbundes bringt.

Der dritte Fall „Das große Spiel“ entwickelt sich erst so nach und nach, denn Sherlock langweilt sich. Er kann sich für rein gar nichts begeistern. Nicht einmal der Auftrag, den ihm Bruder Mycroft anträgt, weckt in ihm die Spürnase. Ein MI6 Agent wurde unter mysteriösen Umständen ermordet. Sherlock tritt den Fall an Watson ab. Doch nicht mehr lange und er wird aus seiner Langeweile gerissen, weil ein verrückter Mörder ein grausames Spiel mit ihm treibt. Sherlock muss Rätsel lösen, um die Leben von fünf unschuldigen Menschen zu retten, die der unbekannte Mörder als lebende Bomben präpariert. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Sherlock

© 2010 Hartswood Films – Benedict Cumberbatch, Martin Freeman

Die drei spielfilmlangen Folgen bieten äußerst intelligente Krimiunterhaltung der besonderen Art. Sherlock-Kenner werden die vielen darin verarbeiteten Fälle wiederfinden aber auch jemand, der noch nie eine Erzählung gelesen hat, wird prima unterhalten. Vor allem die beiden Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch als Sherlock und Martin Freeman als Dr. Watson bieten ein stimmiges Zusammenspiel – sie sind Holmes und Watson. Besonders Watson gewinnt in dieser Fassung, weil er Sherlock als ebenbürtiger Kollege entgegentreten darf, der dem hitzköpfigen, detailversessenen aber in manchen Dingen auch nicht so bewanderten Sherlock ein gesundes Maß an Bodenständigkeit, Fachwissen und praktischer Intelligenz entgegenzusetzen weiß.

Besonders auch die Regie von Paul McGuigan und Euros Lyn mit den intelligent eingesetzten Einblendungen von SMS-Texten oder der eines Stadtplans, den sich Sherlock spontan vorstellen muss, um bei einer temporeichen Verfolgungsjagd einen Vorteil gegenüber eines im Grunde viel schnelleren Autos zu erreichen, macht extrem Spaß und verlangt dem Zuschauer vollen Einsatz ab, weil Informationen auf verschiedenen Ebenen auf ihn einprasseln.

Sherlock

© 2010 Hartswood Films – Benedict Cumberbatch, Martin Freeman

Der Soundtrack ist eine gelungene Mischung aus Moderne und nostalgischem Charme und verbindet so zusätzlich den alten und den neuen Sherlock zu einer gelungenen Adaption. Alles in allem eine rundum gelungene Krimiunterhaltung, die den typischen, britischen Humor auch hier nicht vermissen lässt. Deshalb könnte Sir Arthur Conan Doyle ruhigen Gewissens den Satz sagen, den er sagte, als er noch zu Lebzeiten eine Neuauflage erlebte.

„Schön, den alten Burschen wiederzusehen.“ Sir Arthur Conan Doyle

DVD Ausstattung: Sherlock Serien-Guide

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